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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1830 )´Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen` - Die Friedenspolitik der PDS Autor : Carsten Penzlin Die Fortsetzung der rot-grünen Koalition über den 22. September
hinaus dürfte ohne Tolerierung der PDS kaum möglich sein. Die
SPD lehnt dies mit Hinweis auf die Außenpolitik der PDS ab. Carsten Penzlin unterzieht
diese einer genaueren Betrachtung.
Die SPD lehnt eine Koalition mit der PDS auf Bundesebene bisher ab.
Wichtigstes Argument: Mit der PDS könne man keine verlässliche
Außenpolitik betreiben. Nicht jeder in der SPD möchte diese
Ansicht teilen. Selbst der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Christoph
Zöpel (SPD), könnte sich eine Zusammenarbeit auf Bundesebene
vorstellen.
Die PDS fordert eine Ächtung des Krieges
Außenpolitik ist für die PDS Friedenspolitik. Friedenspolitik,
dies bedeutet für die PDS nicht die Beendigung von Konflikten oder
humanitären Katastrophen mit militärischen Mitteln, nicht die Jagd
auf Terroristen durch Soldaten, nicht den gewaltsamen Sturz von Diktatoren.
Die PDS verfolgt vielmehr einen konsequent politischen Ansatz.
Kriege hätten soziale Ursachen, notwendig sei eine
politische Krisenvorbeugung. Der Nord-Süd-Konflikt steht hierbei im
Zentrum. Ein Schuldenerlass und eine Umleitung von Geldern aus dem Wehretat
zu Gunsten der Entwicklungshilfe sollen den armen Ländern des
Südens zugute kommen. Deutschland müsse seinen
Entwicklungshilfe-Etat deutlich über die international vereinbarten 0,7
Prozent des BIP steigern. Gefordert wird eine neue, "gerechte"
Weltwirtschaftsordnung, welche die Dritte Welt in die Lage versetzen soll, sich selbst zu ernähren. Die "Ausplünderung" des
Südens müsse ein Ende haben. Ähnliche Ansätze verfolgt
man in der Europapolitik. Die sozialen Standards in allen EU-Staaten sind auf
das höchste Niveau anzupassen.
Das Beispiel Nahost-Konflikt
Die PDS hat sich in den letzten Jahren immer wieder bemüht, eigene
Lösungsansätze für internationale Fragen zu entwickeln. Die
Papiere z. B. zum Nahost-Konflikt lassen hierbei eine Annäherung zu
offiziellen Positionen der deutschen Politik erkennen. Keine Anprangerung
des "aggressiven Zionismus", keine einseitigen Schuldzuweisungen,
stattdessen der Appell an die arabischen Staaten Israel nach seinem
Rückzug aus den besetzten Gebieten als Staat anzuerkennen.
Den Vereinigten Staaten hingegen wird in dem Friedensprozess sogar eine Schlüsselrolle
zugestanden, allerdings nur im diplomatischen Quartett mit Russland, der EU
und der UNO. Die Stärkung der Vereinten Nationen gegen die NATO und den
"Unilateralismus der USA" ist generell ein Kernanliegen der
PDS-Außenpolitiker. Streit hierüber gab es in der PDS, weil auch
die UNO ein militärisches Eingreifen anordnen kann.
Andere Stimmen in der PDS
Pragmatische und vernünftige Ansätze in offiziellen
Verlautbarungen der PDS können nicht darüber hinwegtäuschen,
dass sich viele Vertreter der Partei diesem Denken beharrlich verweigern.
Sowohl was den Inhalt als auch das Vokabular betrifft, zieht man sich auf
Positionen zurück, die zu den außenpolitischen Axiomen der
untergegangenen DDR gehörten.
Droht der deutschen Außenpolitik der Rückfall in eine
"schwächliche Impertinenz"?
Es war gerade die Außenpolitik der letzten vier Jahre, die der
rot-grünen Koalition Erfolge bescherte. Da die PDS eine Tolerierung der
rot-grünen Koalition zwar anstrebt, aber auf einer grundlegend
veränderten (Außen-)Politik besteht, dürfte eine Fortsetzung
dieser Außenpolitik schwierig werden. Das Vertrauen bei den
Verbündeten, das sich Deutschland in den letzten Jahren durch aktives
Engagement wie im Kosovo oder in Afghanistan erworben hatte, stünde
wohl auf dem Spiel. Die PDS lehnt Einsätze der Bundeswehr im Ausland
kategorisch ab.
Idealistische Rhetorik als Politik-Ersatz und die
Weigerung internationale Verantwortung zu übernehmen würden aber
einen Rückfall in die deutsche Außenpolitik der 80er und 90er
Jahre bedeuten, von Hans-Peter Schwarz einmal als "schwächliche
Impertinenz" bezeichnet.
E-mail: redaktion@e-politik.de
Die außenpolitischen Positionen der PDS, die im
Parteiprogramm und in Verlautbarungen führender PDS-Politiker deutlich
werden, werfen jedoch Probleme auf.
Auch mit persönlichen Angriffen gegen Spitzenpolitiker der Koalition hielt man sich in den letzten vier Jahren nicht zurück. Noch vor einem Jahr warf man Rudolf Scharping
"Lügenpropaganda" im Kosovo-Konflikt vor. Joschka Fischer
begegne heute seiner Rolle im Straßenkampf der 70er Jahre durch die
"Befürwortung einer gewaltbereiten Außenpolitik".
"Aus der Geschichte Deutschlands, aus seiner geografischen Lage und seinen Potenzen
erwächst eine besondere Friedensverantwortung, erwächst
Friedenspflicht", heißt es im PDS-Programm. Kriege sollen
geächtet, die Streitkräfte schrittweise abgeschafft
werden.
Kategorisch fordert die PDS: "Alle Gewalthandlungen, Terroranschläge, Blockaden
und Zerstörungen werden unverzüglich eingestellt." Die
Einhaltung eines Waffenstillstandes soll durch internationale Beobachter
überwacht werden, wobei eine deutsche Beteiligung aus "historischen
und aktuellen Gründen" abgelehnt wird.
So ginge es den "Bush-Kriegern" nicht darum die Welt vom Terrorismus zu befreien, sondern die Welt den USA Untertan zu machen. US-Präsident Bush sei skrupellos bereit, die
Welt in eine nukleare Katastrophe zu stürzen (so die
PDS-Europaabgeordnete Sylvia-Yvonne Kaufmann).
Das Forum der Neuen Europäischen Linken lehnt "unprovozierte"
Militärschläge gegen Nordkorea oder den Irak schon aus völkerrechtlichen Gründen ab. Millionen Unschuldiger würden den Militäraktionen zum Opfer fallen.
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