e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 2165 )


Innenpolitik der USA

Thurmond

Tod einer Legende

Autor :  Michael Kolkmann
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Mit dem amerikanischen Politiker Strom Thurmond ist ein politisches Urgestein gestorben. Von Michael Kolkmann.


Ganz überraschend kam die Nachricht nicht: Im Alter von 100 Jahren ist am 26. Juni 2003 der US-Politiker Strom Thurmond verschieden. Damit ist eine umstrittene Legende der amerikanischen Politik gestorben. Als Thurmond vor wenigen Monaten im Januar 2003 aus dem Amt schied, war er der mit Abstand älteste Senator sowie der Senator mit der längsten Amtszeit in der Geschichte der amerikanischen Republik.

Lange Krankheit

In den letzten Jahren war seine Arbeitsfähigkeit bereits deutlich eingeschränkt. Im Jahre 1996 wurde er aber trotzdem von den Wählerinnen und Wählern South Carolinas auf eine letzte Ehrenrunde in Washington geschickt. In dieser Zeit konnte er sich nur mit einem Rollstuhl fortbewegen, und mehr als einmal mussten eifrige Mitarbeiter bei Abstimmungen im Senat seinen Arm heben, da er selber nicht mitbekam, über was beraten und abgestimmt wurde. Aber einen vorzeitigen Rücktritt lehnte er ab, er wollte unbedingt seine Amtszeit in Würde zu Ende bringen.

Eine lange Karriere

Nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem Thurmond als mit Auszeichnung geschmückter Fallschirmspringer heimkehrte, gewann er 1946 die Wahl zum Gouverneur von South Carolina. Für landesweites Aufsehen sorgte er erstmals im Jahre 1948, als er für die eher unbekannte, ultrakonservative Südstaaten-Partei „Dixiecrats“ bei der Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Harry Truman antrat und deutlich verlor. Doch immerhin konnte er in diesem Wahlkampf über eine Million Stimmen gewinnen und sorgte so mit dafür, dass die Überlegenheit der Demokratischen Partei in den Südstaaten der USA sukzessive an ein Ende kam. Im Wahlkampf 1948 und auch später im Senat, in den er 1954 gewählt wurde, machte Thurmond vor allem durch rassistische Sprüche von sich reden und wurde dadurch USA-weit bekannt. So kritisierte er wiederholt Urteile des Obersten Gerichtshofs zur Beendigung der Rassentrennung. Auch zog er viel Kritik auf sich, als er im Wahlkampf 1948 sagte: „alle Gesetze Washingtons und alle Bajonette der Armee werden nicht ausreichen, um die Neger in unsere Häuser, in unsere Schulen, unsere Kirchen und unsere Freizeiteinrichtungen hineinzulassen“.

Gegner der Bürgerrechtsgesetze

Thurmonds Kampf gegen die Bürgerrechte gipfelte 1957 vor dem Senat in einer Filibuster-Rede von 24 Stunden und 18 Minuten gegen die geplante Bürgerrechtsgesetzgebung, die die Rassentrennung beenden sollte. Konsequenterweise wechselte er im Jahre 1964 zur Republikanischen Partei. Akzeptiert hatte Thurmond die neuen Bürgerrechtsgesetze erst, als er Anfang der siebziger Jahre dazu keine Alternative sah; schließlich galt es nun, unter den Schwarzen neue Wählerschichten zu erschließen. Trotzdem erhielt er in seinen Wahlen nie mehr als 20 Prozent der schwarzen Stimmen. Anfang der siebziger Jahre war Thurmond dann der erste Senator, der schwarze Mitarbeiter anstellte.

Ein Mann der Ladies

Thurmond pflegte einen illustren Lebensstil. Im Jahre 1946 machte er einer Mitarbeiterin per Büromemorandum einen Hochzeitsantrag, den sie, ebenfalls per Memorandum, akzeptierte. Sie blieben verheiratet, bis seine Frau Jean im Jahre 1960 starb. Wenige Jahre später heiratete Thurmond eine ehemalige Miss South Carolina, die ganze 43 Jahre jünger war als er. Sie schenkte ihm in den folgenden Jahren vier Kinder, von denen heute einige ebenfalls politisch aktiv sind. Auch war Thurmond dafür bekannt, in den Fahrstühlen des Kapitols gerne fremde Frauen zu tätscheln, bis er eines Tages aus Versehen an eine Senatoren- Kollegin geriet, sehr zu seiner Verwunderung.

Ein Vollblutpolitiker

Trotz seiner mitunter scharfen politischen Rhetorik zeigte sich Strom Thurmond am Ende seiner Laufbahn an der Verbesserung der Beziehungen zur Demokratischen Partei bemüht. So sorgte er abermals für Aufsehen, als die Demokratische Neu-Senatorin Hillary Rodham Clinton im Januar 2001 vor dem Senat vereidigt werden sollte. Als Hillary nach der Vereidigung auf ihren Platz zurückeilte, stellte sich ihr Thurmond, der bereits von Mitarbeitern gestützt werden musste, in der Weg und fragte vor laufenden Fernsehkameras, ob er „die Lady“ küssen dürfe. Er durfte.




Weiterführende Links:
   Wissenswertes rund um den US-Senat: http://www.senate.gov
   Aktuelle Informationen aus der Kongresszeitung : http://www.rollcall.com


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