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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1745 )Ochsentour, die 16: Bild Dir Deinen Kanzler (10. Juli 2002) Autor : Alexander Wriedt Kein Streit - nirgends. Das größte Boulevard-Blatt der Republik sekundiert beim Duell zwischen Schröder und Stoiber, doch statt aufeinander zu schießen, schmusen die beiden, beobachtet Alexander Wriedt. Vor dem Springer-Verlagshaus in Berlin standen die Kamerateams und Fotografen dicht gedrängt, um den Bundeskanzler und seinen Herausforderer abzupassen. Monatelang habe man telefonisch verhandelt, um das "historische Duell" zu organisieren schreibt die "Bild am Sonntag" über sich und ihre Kollegen von "Bild". Schon am Sonnabend wurden die Leser auf Seite Zwei der Boulevard-Zeitung auf das Streitgespräch vorbereitet, beide Kandidaten gegeneinander gestellt, als handle es sich hier um einen Gladiatorenkampf. "Wir sind doch keine Feinde, oder?" fragte Stoiber, als sie in der "mit edlen Hölzern getäfelten Bibliothek" (BamS) im 19. Stock des Berliner Verlagshauses zusammen saßen.
Die Kampfaufstellung Auflage vor dem Sommerloch Einigkeit statt Streit Blokade ist das Problem
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Die Mühe war vergebens: Ein dramatisches Duell fand nicht statt. Von einem großen Schlagabtausch war die Veranstaltung weit entfernt. Und das nicht etwa, weil die Kandidaten Berührungsängste gehabt oder sie sich hinter leeren Phrasen versteckt hätten, sondern weil sie grundsätzlich immer einer Meinung waren. Stoiber lobt die Außenpolitik des Kanzlers und der erklärt, dass das Senken der Staatsquote und der Lohnnebenkosten kein Streitgegenstand zwischen ihnen sei. Lediglich im Detail stritten die Kandidaten.
Und wie sieht es mit den Vorschlägen der Hartz-Kommission aus? "Wenn jetzt die Regierung diese Vorschläge übernimmt, werden wir diese Vorschläge unterstützen und nach der Wahl selbst durchsetzen", erklärt der bayerische Ministerpräsident. Vom Titel bis Seite Sechs der "BamS" geht das so, sachlich und mit einer ausgeprägten Liebe zum Detail, wie es sonst nur ZEIT-Leser gewohnt sind.
Vielmehr wird Schröder von den gleichen Lobbyisten blockiert, die auch Stoiber zu fürchten hat: Gewerkschaften, Berufsverbände und starke Landesverbände der eigenen Partei, die den Abbau von Subventionen verhindern. Was also bleibt ihnen übrig, als auf persönliche Sympathie zu setzen? Die Wähler langweilen sich und fahren mit dem beruhigenden Gefühl in den Urlaub: Egal wer von beiden gewinnt, die Deutschland AG geht davon nicht unter.
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