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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1741 )Schlammschlacht in den Kammerspielen Autor : Florian Baumann Der Neubau der Münchner Kammerspiele rühmt sich, das "modernste Theater Deutschlands" zu sein. Das ist das "Neue Haus" des Ensembles sicher nicht. Dafür stirbt hier Büchners "Danton" umso beeindruckender. Von Florian Baumann. Der Weg, auf die Bretter, die die Welt bedeuten ist lang und beschwerlich. Beim "Neuen Haus", dem kleinen Aufführungssaal der Münchner Kammerspiele, liegt das vor allem an der verwirrenden Architektur. Hat man den Weg zur Bühne endlich gefunden, steht man auch schon drauf und somit mitten im Schlamm. Durch eben diesen waten bereits die Schauspieler und bereiten sich auf das Stück vor. Interaktives Theater Moderne Inszenierungen ist man von den Theatern der bayerischen Landeshauptstadt gewöhnt. Aber modern ist nicht immer gut. Im Fall von Dantons Tod ist dem Regisseur Lars-Ole Walburg jedoch eine sehenswerte Inszenierung gelungen. Dabei wird der Zuschauer aktiv am Stück beteiligt. Die beiden Moderatoren Stefan (Merki) und Wilhelm (Eilers) unterbrechen immer wieder die Handlung, um das Publikum zu befragen oder eine kurze Szene zu proben. Die Revolution frisst ihre Kinder So schlicht das Bühnenbild von Barbara Ehnes ist, so tiefgreifend ist das Stück. Die Handlung ist schnell erzählt: Danton (Michael Neuenschwander) und Robespierre (Paul Herwig), zwei der wichtigsten Führer der französischen Revolution, sind sich über deren Fortgang nicht mehr einig. Robespierre sieht seine Aufgabe darin, alle Feinde der Republik guillotinieren zu lassen. Für Danton ist mit dem Zusammenbruch der Monarchie auch der Umsturz zu Ende. Er möchte fortan das Leben genießen. Doch darin sehen Robespierre und sein ständiger Gefährte Saint Just (Wolfgang Pregler) eine Schwächung der Revolution. Gefangen in seinem revolutionären Eifer lässt Robespierre in einem Prozess, dessen Ausgang schon vorab klar ist, Danton und seine Freunde Legendre (Matthias Bundschuh) und Camille Desmoulins (Martin Butzke) zum Tode verurteilen. Von Danton zu Baader-Meinhof Die Tatsache, dass das Stück mit einem Gedicht von Ulrike Meinhof beginnt, dürfte noch kaum jemand im Publikum bemerkt haben. Doch beim Prozess gegen Danton und seine Gefährten, wenn der Büchnertext stellenweise gegen das Gerichtsprotokoll der Baader-Meinhof Verhandlung ausgetauscht wird, ist klar, dass hier etwas nicht stimmt. Es stellt sich die Frage, was erschreckender ist: Wie unauffällig sich das Meinhof-Zitat in ein Theaterstück über die französische Revolution schummeln lässt oder die Parallelen zweier Gerichtsverhandlung, die knapp 200 Jahre auseinander liegen. Dahinter steht die eigentliche, bis dato unbeantwortete Frage, wie weit der Revolutionär gehen darf. Danton sah die Revolution als beendet an, Robespierre wollte sie bis zum bitteren Finale fortsetzen. Selbst im 21. Jahrhundert ist häufig noch unklar, wer Freiheitskämpfer und wer Terrorist ist. Auch die RAF hatte Ziele, die noch heute von vielen positiv bewertet werden. Aber: Heiligt der Zweck wirklich die Mittel?
E-mail: redaktion@e-politik.de
Bild: Copyright liegt bei den Münchner Kammerspielen
Weiterführende Links:
Homepage der Münchner Kammerspiele: http://www.muenchner-kammerspiele.de
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