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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1174 )Michael Tomasky: Hillary's Turn Autor : Michael Kolkmann Ein neues Buch beleuchtet die Wandlung Hillary Clintons von der First Lady zur Senatorin. Michael Kolkmann hat es gelesen.
Sie ist eine umstrittene Persönlichkeit in der amerikanischen Politik, und sie ist zugleich die erste First Lady, die für ein politisches Amt kandidierte – und gewann. An Hillary Clinton scheiden sich die Meinungen, und das nicht erst, seit sie im Winter 1999 ankündigte, von New York aus für den Senat der USA zu kandidieren.
Warum der Senat? Warum New York? Während der gesamten Wahlkampagne sah sich Hillary Clinton der Frage ausgesetzt, warum sie überhaupt für den Senat kandidieren wolle. Laut dem jüngst erschienenen Buch Hillary's Turn des New Yorker Journalisten Michael Tomasky war ihre Antwort konsequent: Sie habe sich die Frage gestellt, in welcher Institution sie am besten für die ihr am Herzen liegenden Anliegen wie Reformen im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie für die Interessen der Kinder kämpfen könnte, und das sei nun mal – mehr als Stiftungen oder gesellschaftliche Gruppen – der Senat gewesen. Auch wird in der interessierten Öffentlichkeit oft übersehen, daß Hillary sich den New Yorkern nicht aufgedrängt hat (was ihr aber regelmäßig zum Vorwurf gemacht wurde), sondern von ranghohen Vertretern der Demokratischen Partei in New York zur Kandidatur gebeten, ja geradezu aufgefordert worden war. Probleme und Gegner Hillary's Turn zeigt, wie Hillary Clinton von Anfang an mit einem vorwiegend negativen Stimmungsbild gegenüber ihrer Kandidatur leben musste. Daher waren sich während des gesamten Wahlkampfes die Berater Hillarys über die Wahlkampfstrategie uneinig: sollte Hillary sich ausschließlich auf inhaltliche Themen konzentrieren und so die eigene umstrittene Persönlichkeit aus dem Wahlkampf heraushalten oder sollte sie offensiv mit ihren negativen Umfragewerten umgehen und diese dadurch zu verbessern versuchen? Während Hillary gegen den New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani kandidierte, einen Mann mit vergleichbar großem Ego, konnte sie sich darauf verlassen, dass ihr viele Stimmen alleine aus Ablehnung des republikanischen Bürgermeisters zukamen. Als dieser im Frühjahr 2000 aufgrund einer Krebserkrankung und einer außerehelichen Affäre aus dem Wahlkampf ausschied und dafür der relativ unbekannte Kongreßabgeordnete Rick Lazio an seiner Stelle für die Republikaner antrat, wurde ihre gesamte Strategie über den Haufen geworfen: nun reichte es nicht mehr aus, gegen jemanden zu sein, nun musste positiv formuliert werden, wofür man eigentlich steht. Nach einem mühevollen Start mit vielen vermeidbaren Fehlern gelang ihr im Sommer 2000 die Wandlung hin zu einer professionellen Kandidatin, die ihren Gegner Rick Lazio ein ums andere Mal blass aussehen ließ. Am Ende fiel das Wahlergebnis für Hillary besser aus als von Beobachtern erwartet: mit 12 Prozentpunkten Vorsprung setzte sie sich gegen Lazio durch.
Wahlkampf in Amerika Das Buch von Michael Tomasky geht über den Wahlkampf Hillarys hinaus. Es zeigt am Beispiel Clinton anschaulich und ausführlich die choreographische Gesamtleistung eines erfolgreichen Wahlkampfes: bis hin zu Kleidung, Frisur und Wortwahl wird nichts dem Zufall überlassen. Eindrucksvoll werden die Besonderheiten des amerikanischen politischen Systems deutlich, und es wird demonstriert, was in Amerika für eine erfolgreiche Kandidatur – unabhängig vom konkreten Amt – notwendig ist: ein Team von erfahrenen und abgebrühten Beratern, die Reduzierung der eigenen politischen Überzeugungen auf eine möglichst knappe öffentliche „message", Fußvolk, das vor Ort die Werbetrommel für den Kandidaten rührt und sich auch nicht zu schade ist zum Flugblattverteilen und Türklingeln, und schließlich Geld, Geld und nochmals Geld. Allein Hillary Clinton sammelte für ihre Wahlkampagne mehr als 20 Millionen Dollar. Und was macht Hillary in Zukunft? Klar, dass sich – vor allem nach der knappen Niederlage von Al Gore in der Präsidentschaftswahl – viele Hoffnungen in der Demokratischen Partei auf Hillary Clinton richten, wenn es um die Präsididentschaftskandidatur 2004 geht. Doch hat Hillary bereits kurz nach ihrer Wahl angekündigt, ihre sechsjährige Amtszeit komplett zu absolvieren. Außerdem dürfte ihr Ehemann Bill mit seinen Skandalen der letzten Amtstage ihre guten Umfragewerte und damit ihre gute Ausgangsposition verdorben haben. Michael Tomasky:
E-mail: redaktion@e-politik.de
Hillary's Turn. Inside her Improbable, Victorious Senate Campaign
New York: Free Press 2001, 309 Seiten, $25.
Weiterführende Links:
Homepage der Senatorin Clinton: http://clinton.senate.gov
Lebenslauf der First Lady: http://www.whitehouse.gov/history/firstladies/hc42.html
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