e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 1102 )


Partizipation im Netz

Third Global Forum

E-Government als Antwort auf den Nord-Süd-Konflikt

Autor :  Jochen Groß
E-mail: redaktion@e-politik.de

Vom 15. bis zum 17. März findet in Neapel das dritte "Global Forum" der UNO, OECD und Weltbank statt. Jochen Groß hat sich vorab informiert, wie Demokratisierung und Entwicklung mittels E-Demokratie erreicht werden sollen.


Das von der UNO initiierte "Global Forum" geht dieses Jahr in die dritte Runde. Nach der Auftaktveranstaltung in Washington, D.C. 1999 und dem letztjährigen Kongress in Brasilien, ist nun Italien Schirmherr der Veranstaltung. Dabei soll das Global Forum weit mehr sein als nur ein "Debattierklub". Vielmehr haben sich die ausrichtende Weltbank und die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) viele sehr konkrete und bestimmt nicht in vollem Umfang erreichbare Ziele vorgenommen. Eine wichtige Fragestellung wird die Ausbaumöglichkeit von Entwicklung und Demokratisierung durch den Einsatz neuer (Informations-)Technologien sein.

Etablierung einer neuen internationalen Großkonferenz

Die italienische Regierung hat für die drei veranschlagten Kongresstage ein strammes Programm vorgelegt, in denen vorrangig Probleme des "digital divide" zwischen Nord und Süd eruiert und angegangen werden sollen. Experten und Führungspersonen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft werden in Neapel die Grundsteine für eine globale E-Government-Politik diskutieren und festlegen. Die Delegierten werden hier insgesamt sechs Themen zu behandeln haben: Parallel wird diskutiert über (1) aufkommende Inputs an das administrative System durch die zunehmende Zahl der netizens, (2) Auswirkungen von modernen Informationstechnologien auf die Regierungsorganisation, (3) die Implementierung von E-Government, (4) dadurch bedingte und ermöglichte Dienstleistungen für die Bürger und (5) die Unternehmen und schließlich (6) über internationale Kooperationsmöglichkeiten zur Überwindung des "digital divide".

International Kooperation und "Digital Divide"

Vor allem dem letzten Thema messen die Organisatoren besondere Bedeutung zu. So gehen dem Kongress "high level training Seminare" voraus, die speziell für Führungskräfte aus Entwicklungsländern angeboten werden. Experten aus Unternehmen und der UN-DESA (Organisation für ökonomische und soziale Entwicklung) wollen darin den Teilnehmern in Intensivkursen in einem ersten Schritt die Potenziale von E-Government zur Erhöhung von Transparenz, Effektivität und Vertrauen nahe bringen. Im zweiten Schritt sollen dann mögliche Implementierungsstrategien für einzelne Entwicklungsländer aufgezeigt werden. Besonderes Interesse dürften die Seminare über mögliche Anwendungsgebiete und Umsetzungslösungen von E-health-services für Entwicklungsländer hervorrufen. Damit möchten die Referenten und Organisatoren praktische Hilfe zur Selbsthilfe im Informationszeitalter geben und darstellen, wie das Internet und E-Governance-Lösungen ein Gesundheitssystem für die breite Bevölkerung aufbauen könnten.

Etablierung neuer decision-making-Prozesse für die globalisierte Welt?

Mit diesem intensiven Programm stellen die Organisatoren eindrucksvoll neue Möglichkeiten von internationaler Zusammenarbeit vor. In Neapel wird nicht nur einfach ein weiterer Polit-Kongress zum sich Präsentieren abgehalten, sondern die Inhalte sollen mit entschiedenen Zielvorstellungen bearbeitet werden. Das Global Forum könnte in dieser Art zu einer bisher nur selten genutzten Chance der Politik werden, politische und administrative Antworten auf neo-liberale Globalisierungstendenzen zu finden. Die Verständigung und Entwicklung internationaler Standards und Strategien zur Implementierung von E-Governance ist jedoch schon fast überfällig und hier bietet sich vielleicht die größte und letzte Möglichkeit, vorbei an bornierten territorial geprägten Staatschef-Treffen, auf höchster Experten- und Administrationsebene globale und zukunftsweisende Entscheidungsmodelle zu etablieren.

Es muss zudem gehofft werden, dass der überbordende Optimismus der Organisatoren etwas gedämpft wird. Denn ob mit der Einführung von E-Government zwangsläufig auch Demokratisierung, Transparenz und Korruptionsreduktion einhergeht, darf ernsthaft bezweifelt werden. Die Chancen sind zwar verlockend, doch dabei dürfen die Risiken und vor allem national geprägte Schwierigkeiten und Interessen nicht blauäugig übergangen werden.

Logo: Copyright liegt bei www.globalforum.it

Weiterführende Links:
   Homepage der OECD
   UNO Website - Economic and Social Development
   Homepage der World Bank Group





© 2003 - e-politik.de - Der Artikel ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.