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( Artikel-Nr: 1748 )Schleppender Aufbruch in Mexiko Autor : Antje Helmerich Der Regierungsantritt von Vicente Fox als Präsident galt inner- wie außerhalb Mexikos als hoffnungsvoller Beginn einer neuen Ära. Zwei Jahre später ist jedoch Ernüchterung eingekehrt. Antje Helmerich blickt zurück und zieht Bilanz. Der 2. Juli 2000 war ein historischer Tag in der jüngsten mexikanischen Geschichte. Nach 71 Jahren an der Macht unterlag die Staatspartei Partido de la Revolución Institucionalizada (PRI, Partei der Institutionalisierten Revolution) unter dem Jubel der Massen bei den Präsidentschaftswahlen.
Der strahlende Sieger Abschied eines Dinosauriers "Unternehmen Mexiko" Enttäuschung und Erkenntnis
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Der 1942 in Mexiko-Stadt geborene Fox ist kein Revolutionär, auch wenn sein Wahlsieg manchmal als kleine Revolution bezeichnet wird. Politisch ist der bekennende Katholik eher konservativ. Auch hat er nie behauptet, er werde das System von Grund auf umbauen. "Cambio" ja, aber auch viel Kontinuität. Und keine Experimente, schon gar nicht in der Wirtschaft: die neoliberale Wirtschaftsstrategie seiner Vorgänger aus der PRI hatte die PAN, die Partei des neuen Präsidenten, stets mitgetragen. Fox selbst sieht sich als Wirtschaftsfachmann. Und der ist er auch: vor seinem kometenhaften politischen Aufstieg war er lange Jahre Chef von Coca-Cola in Mexiko.
Allerdings war nicht erst unter Fox Bewegung in das lange Zeit versteinerte politische System Mexikos gekommen. Bereits 1982 waren erste Wirtschaftsreformen angelaufen. Und es war Ernesto Zedillo (1994-2000), Vorgänger von Fox im Amt des Präsidenten und Mitglied der PRI, der die Weichen für die Erneuerung Mexikos stellte - oft gegen den erbitterten Widerstand aus der eigenen Partei.
Hoch waren die Erwartungen der Mexikaner bei Amtsantritt ihres neuen Präsidenten, vielleicht zu hoch. In einem Punkt hat Vicente Fox die eigenen Ankündigungen zwar bereits weitgehend erfüllt: die Beziehungen Mexikos zu den europäischen Staaten und insbesondere zu den USA sind auf einem guten Wege, der offene, manchmal hemdsärmelige Stil des Präsidenten kommt gut an in der Welt.
Doch innenpolitisch hinken die Ergebnisse der vergangenen zwei Jahre den Erwartungen deutlich hinterher. Rasch setzte die neue Regierung erste Maßnahmen zur Armutsbekämpfung, zum Ausbau des Föderalismus und zum Kampf gegen die Korruption in Gang. Auch die Reform des Gesundheits- und Bildungswesens nahm ihren Anfang. Allerdings ist es nicht gelungen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, auch die Arbeitslosigkeit ist noch weiter gestiegen. Viel Kredit hat der einstige Hoffnungsträger Fox auch bei all denen verspielt, die glaubten, er werde den langjährigen Konflikt in Chiapas beenden. Zwar wurden unter Fox eine Friedenskommission eingesetzt und ein Gesetz verabschiedet, das den indigenen Völkern Mexikos mehr Rechte einräumen soll, eine wirkliche Lösung ist jedoch nicht in Sicht.
Weiterführende Links:
Die Mexikanische Regierung: www.presidencia.gob.mx
Partido Acción Nacional (PAN) : www.pan.org.mx