e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 508 )


Aristoteles

Aristoteles

Aristoteles - Konzept der Politik

Autor :  Politisches Studium
E-mail: redaktion@e-politik.de

Aufbauend auf einer Definition der Politischen Wissenschaft entwickelt Aristoteles das Idealbild der Politik.


A. Vorüberlegungen

Alles strebt nach irgendeinem Gute, daher bezeichnet man das, wonach alles strebt als das Gute.
Jede Polis, jede Gemeinschaft besteht um eines Gutes willen. Gemeinschaft zielt auf ein Gut und das ist die Polis, die politische Gemeinschaft (Politik Buch1, 1252a 1-7).

Die Wissenschaft vom höchsten durch menschliches Handeln zu erreichende Gut ist offenbar die Politik (die Politik ist aber nicht die höchste Wissenschaft an sich, da der Mensch nicht das Höchste im Universum ist. Die generell höchste Wissenschaft ist die Theologie) NE Buch1, 1094a 28-29.
Die Politik weist den anderen Wissenschaften in der Polis ihren Platz zu. Innerhalb der Polis entfaltet sich die seelische Ordnung des Menschen.

Aber: es ist besser für die Polis, das Gute zu erreichen - als für den einzelnen (da das Ganze mehr ist als das Einzelne) NE Buch1, 1094b 8-11.

Also: Politische Wissenschaft untersucht:

Politische Wissenschaft = richtiges Handeln erkennen/ Ziele des Handelns (Mensch ist zoon politikon) NE Buch1, 1097b 12.
Grundlage der Politischen Wissenschaft: naturgemäße Ziele (der jeweiligen Dinge) müssen erkannt werden.

Ergo: Untersuchung der Polis basiert auf der Untersuchung des Menschen und seines Handelns. Handeln ist bei Aristoteles immer gleich zielgerichtet: rationales Tätigsein unterscheidet den Menschen vom Tier. Ziel (telos) oder Gut (agathon), zu dessen Realisierung das Handeln dient, wird zum Einstufungskriterium in einer Hierarchie menschlichen Handelns.
 

B. Frage in der "Politik": Welche (institutionellen) Mittel braucht man, um die Tugenden in der Seele des Menschen als Bürger der Gemeinschaft zu wecken/zu festigen?

Polis besteht wegen des guten Lebens und nicht wegen des Überlebens. Die Polis ist etwas Zusammengesetztes. Um sie zu untersuchen, muß man die einzelnen Teile analysieren.

Kleinste menschliche Gemeinschaft ist die Familie, der Haushalt (und davon der Einzelteil ist der Mensch). Die Polis ist die Welt des Menschen, in der er handelt.

Die Ethik ist die Lehre vom guten Handeln des Einzelnen. Politik ist die Lehre von der guten Gemeinschaft.


Rangfolge:

1. Haus (-stand) Erhaltung des natürlichen Lebens (vorherrschende Beziehungen: Mann+Frau; Herrscher+Sklave)
2. Dorf (Kolonie der Häuser)
3. Staat (mehrere Dörfer) entsteht nicht um des bloßen Lebens willen, sondern um des vollendeten Leben willen. Selbstgenügsamkeit = autarkeia. Der Staat ist das Endziel des menschlichen Strebens.

Das Endziel jeder Sache ist die (wahre) Natur einer solchen. Also: in der Natur des Menschen ist der Staat schon angelegt - der Staat besteht von Natur aus (metaphysisch ist der Staat vor allen anderen Lebensformen existent. Bsp.: Der Samen enthält die Idee des Baumes).

Von Natur aus gibt es Herren und Sklaven (Trennung von geistlicher und körperlicher Arbeit). Herren sind die Griechen (aus natürlicher Gegebenheit heraus). Alle anderen = Barbaren = Sklaven. Frau ist zwar nicht Sklavin des Mannes, aber nur die Männer taugen zum Herrschen.
 

Unterscheidung Mensch (zoon politikon) und Tier (Barbar) oder Gott:
Wer außerhalb der Polis lebt ist entweder Tier oder Gott (höher oder niedriger als der Mensch). Der Mensch ist das Mittelmaß (wie überhaupt alle anscheinend toll ist, was eine Mitte bedeutet). Außerdem trennt die Sprache den Menschen von den Tieren. Mit ihr kann er zwischen gerecht und ungerecht unterscheiden und sich darüber austauschen (Über diesen Austausch entsteht dann auch wieder die Polis).
 

Unterscheidung: oikos (Haus) - polis (Stadt)
Haus: privat - Herrschaft über Sklaven
Stadt: öffentlich - Herrschaft eines "Monarchen" Herrschaft über Freie und Gleiche
 

Politische Philosophie ist die Lehre von menschlichen Gemeinschaften Ökonomie (oikos + nomos) ist die Wissenschaft von der Führung des Haus (- haltes).
 

Haus besteht aus:

alle drei Verhältnisse basieren auf Ungleichheit und haben dieselbe Bezugsperson: Vater und Herren.
Ohne Sklaverei keine politische Freiheit des Bürger (--> der wo nix mehr schafffen muß und somit Muße für die Politik hat).
 

C. Formen der Herrschaft:

Zunächst bestimmen wir das Einzelelement des Staates- den Bürger: Erwachsene Männer, die Zugang zu den öffentlichen Ämtern haben. Muß regieren und regiert werden können. Er bedarf der höchsten Tugend, der Gerechtigkeit (gerecht = was im Staat hervorbringt und es bewahrt- Gerechtigkeit anderen antun ist die höchste Tugend!!).

Form der direkten Herrschaft: Aristoteles kennt keine Repräsentativsysteme (nur überschaubaren Stadtstaat mit Umland).

Das Gesicht (Identität) der Polis ist die Verfassung. Die Gesetze müssen sich nach dieser richten. Die Verfassung ist die Ordnung der Regierungsämter (Kompetenzenverteilung).
Gesetze bestimmen dann, wie regiert werden soll und wie "Übertretungen" abgewehrt werden sollen.

2 Kriterien zur Verfassungsunterscheidung:

Gut:

Schlecht:

Einer:

Monarchie

Tyrannis

Wenige:

Aristokratie

Oligarchie

Merhzahl:

Politea

Demokratie

Ergänzendes Kurz-Skript:

Was meint Aristoteles, wenn er den Menschen als zoon politicon bezeichnet?

A. Was ist ein "zoon politicon":

Begriff: zoon politicon = von Natur aus zur Gemeinschaft strebend

Polis ist die umfassendste Ordnung des menschlichen Handelns!

Historisch gesehen ist der Staat zwar jünger, logisch jedoch ist er in jedem Menschen angelegt und damit schon immer da.

Ä Der Mensch ist angewiesen auf die Gemeinschaft, und strebt von Natur dazu. Andernfalls ist er überhaupt kein Mensch.
 

B. Zusammenhang:

Aristoteles führt diesen Begriff im Zusammenhang mit den verschiedenen Stufen der Gemeinschaft ein:

1. Hausstand: Beziehung Mann - Frau zur Fortpflanzung/ Herr - Sklave zum Überleben
2. Dorf (Kolonie der Dörfer): Besteht nicht mehr nur um des primitiven Überlebens willen.
3. Staat: Selbstgenügsamkeit/ Endziel des menschlichen Strebens/ Gutleben (damit kann der Mensch in dieser Gemeinschaft die Glückseligkeit erreichen)

Diese Reihenfolge ergibt sich aus der Teleologie Aristoteles’. Demnach strebt der Mensch nach Gütern, es muß ein höchstes Gut geben und dieses höchste Gut ist der Staat.

Dieses studentische Skript erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist keine Garantie zum Bestehen irgendwelcher Prüfungen. e-politik.de ist bemüht, die Skripten ständig zu aktualisieren und inhaltlich zu bearbeiten.

Bildbearbeitung: Claudia Kober





© 2003 - e-politik.de - Der Artikel ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.