e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 2128 )


Landtagswahlen 2003

Jürgen Rollmann will auch von Motorradfahrern gewählt werden.

Wenn ich das 4:3 schaffen will, brauche ich gute Vorlagen

Autor :  Nikolaus Röttger
E-mail: nroettger@e-politik.de

Jürgen Rollmann war Fußballprofi, jetzt will er für die SPD in den bayerischen Landtag. Obwohl er selber sagt, dass er in seinem Wahlkreis schon jetzt 0:3 hinten liegt. Nikolaus Röttger sprach mit Jürgen Rollmann über die Chance, das Spiel noch zu drehen.


Als Torwart des SV Werder Bremen gewann Jürgen Rollmann 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Zwischen 1994 und 1997 war er Präsident der Spielergewerkschaft VdV. Nach seinem Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaften in München wurde er im Jahr 2000 Pressesprecher der Bayern-SPD. Für diese kandidiert der 36-Jährige nun im Wahlkreis Dachau für die bayerischen Landtagswahlen im September.

e-politik.de: Herr Rollmann, am 9. Mai ist Landesparteitag der Bayern-SPD. Der Anstoß zum Landtagswahlkampf?

Jürgen Rollmann: Das eigentliche Startdatum war bereits vor ein paar Wochen, als Franz Maget zum SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominiert wurde. Am 9. und 10. Mai werden wir unser Wahlprogramm verabschieden und den Vorstand neu wählen.

e-politik.de: Welche Position wird Franz Maget als Spitzenkandidat auf dem politischen Spielfeld übernehmen? Trainer, Stürmer, Mittelfeldregisseur?

Rollmann: Er sollte offensiver Spielertrainer sein.

e-politik.de: Das heißt?

Rollmann: Eigentlich ist er eher Stürmer, muss offensiv die Punkte machen. Trotzdem sollte er auch das Gesamte im Auge haben. Daher ist er wohl auch mit einem Trainer vergleichbar.

e-politik.de: Und Sie sind der Torwart, der als Pressesprecher der SPD den Kasten sauber halten muss?

Rollmann: Eigentlich habe ich zwei Rollen. Als Pressesprecher muss ich auch verteidigen und abwehren. Nicht alles, was parteiintern diskutiert wird, darf rausgehen. Als Kandidat muss ich mich aber an den Bedingungen orientieren. Ich trete in Dachau in einem tiefschwarzen Landkreis an. Da muss ich Mittelstürmer sein.

e-politik.de: Haben Sie in einem tiefschwarzen Wahlkreis überhaupt eine Chance?

Rollmann: Betrachtet man die Ausgangsbedingungen, muss man klar sagen: In Dachau liege ich 0:3 zurück. Aber es sind schon viele Spiele gedreht worden.

e-politik.de: 0:3 ist aber doch ein ziemlich großer Rückstand.

Rollmann: Wenn ich das 4:3 schaffen will, brauche ich gute Vorlagen, eine gute Abwehr, eben ein super Team - und auf keinen Fall Eigentore.


Kein Super-Star


e-politik.de: Wird der Streit um die Agenda 2010 zum Eigentor?

Rollmann: Die Menschen mögen kein parteiinternes Gezänk. Am 1. Juni muss mit dem SPD-Sonderparteitag in Berlin ein demonstrativer Schlusspunkt gesetzt, das Mitgliederbegehren zurückgezogen und wieder größtmögliche Geschlossenheit hergestellt werden. Kommt das alles nicht, wird es schwer.

e-politik.de: Wieso war der Teamgeist auf der Regionalkonferenz Süd zur Agenda 2010 plötzlich wieder da? Weil der Wahlkampf in Bayern jetzt losgeht?

Rollmann: Wer angesichts der wirtschaftlichen Lage, der aktuellen Arbeitslosenzahlen und weiterer Konjunkturdaten Traumschlösser baut, hat die Realität nicht begriffen. Diese Einsicht setzt sich durch.

e-politik.de: Wie sieht es mit Ihrem Team in Dachau aus?

Rollmann: Ich habe große Unterstützung. Der Wahlkampf geht jetzt richtig los, wir haben ein Programm erarbeitet, das jetzt unter die Leute gebracht werden muss. Franz Maget kommt zu einer Veranstaltung, Otto Schily ebenso eine Woche vor der Landtagswahl.

e-politik.de: Ist es ein Vorteil, dass Sie mal Fußballprofi waren? Hört sich doch toll an: Ex-Bundesliga-Torwart wird Politiker.

Rollmann: Da ich früher kein Super-Star war, kennt mich keineswegs noch jeder. Als Pressesprecher erleichtert es schon ab und zu die Kontaktaufnahme, wenn beispielsweise ein Wolfgang Clement am Rande einer Veranstaltung mich fragt, ob ich noch irgendwo Fußball spiele, weil er mich noch von früher kennt. Als Kandidat hoffe ich natürlich, dass vor allem die Sportler und Vereinsverantwortlichen im Landkreis Dachau mir eine Chance geben und mich wählen.

e-politik.de: Nach Ihrer Fußballkarriere haben Sie in München studiert - und sind dann als Pressesprecher zu SPD. Zufall? Oder wollten Sie schon immer in die Politik?

Rollmann: Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre haben Philosophie und Politik begonnen, mich zu faszinieren. Das ewige Gemeckere an Politik und Politikern ging mir auf die Nerven...

e-politik.de: ... und Sie haben sich dann politisch engagiert.

Rollmann: Als 1991 die rechtsextreme DVU in die Bremer Bürgerschaft einzog und das Thema Rassismus plötzlich da war, bin ich in die SPD eingetreten und wollte selber etwas tun. Und dann habe mich Stück für Stück mehr engagiert: Ich war 1994 Schirmherr des SPD-Fußball-Turniers ,,Fairplay für Europa'' und habe Wahlkampfveranstaltungen unter anderem für Kurt Beck moderiert.


Aufs politische Spielfeld


e-politik.de: Wie ist es weitergegangen?

Rollmann: Ich wollte etwas bewegen, politisch etwas verändern - langsam aber stetig ist in mir die Einsicht gewachsen, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als Profi-Fußball. Als klar war, dass ich wohl nicht mehr meinen Jugendtraum erfüllen kann und Nationalspieler werde, habe ich mich 1995 für ein Studium und gegen den Profi-Fußball entschieden. Um zu lernen, mich zu orientieren und eine politische Aufgabe nach Ende des Studiums anzunehmen. 2000 wurde ich Pressesprecher der Bayern-SPD.

e-politik.de: Pressesprecher ist aber nicht unbedingt eine Position, in der man etwas bewegen kann.

Rollmann: Ich fand die Chance interessant. Das war etwas, das ich mit meiner Erfahrung und Ausbildung an der Journalistenschule leisten konnte. Gleichzeitig konnte ich etwas dazu lernen. Ich wusste aber, das wird nur ein Übergangsjob.

e-politik.de: Das heißt: Sie wollten eigentlich aktiv Politik machen und selber aufs politische Spielfeld?

Rollmann: Ja. Natürlich. Im Jahr 2001 habe ich mit Franz Maget und dem Landesvorsitzenden Wolfgang Hoderlein gesprochen. Beide haben mein Interesse bei der Landtagswahl anzutreten sehr begrüßt...

e-politik.de: ...und haben Sie jetzt eingewechselt. Was versprechen Sie den Fans am Spielfeldrand?

Rollmann: Eine bessere Politik für Bayern und den Landkreis Dachau.

e-politik.de: Das würde jeder sagen. Was sind Ihre Wahlkampfthemen?

Rollmann: Ich will mich in den Themenfeldern engagieren, in denen ich etwas verändern kann: Umweltschutz, zum Beispiel die Förderung erneuerbarer Energien, Schule und Bildung - und natürlich Sport.


0:8 oder 0:3?


e-politik.de: Das reicht, um sich gegen Ihren CSU-Gegenkandidaten, Blasius Thätter, durchzusetzen? Bei der Landtagswahl 1998 hat er 52,99 Prozent der Stimmen bekommen. Das hört sich eher so an, als ob Sie 0:8 und nicht 0:3 hinten liegen.

Rollmann: Direkt werde ich den Stimmkreis wohl nicht gewinnen. Das bayerische Wahlsystem ist aber eine doppelte Persönlichkeitswahl. Das heißt, Erst- und Zweitstimme werden addiert. Ich stehe auf Platz 11 der Bezirksliste und bin in ganz Oberbayern mit der Zweitstimme wählbar. Diese Chance habe ich und will ich nutzen.

e-politik.de: Dann müssen Sie aber auch in ganz Oberbayern Wahlkampf machen.

Rollmann: Meine Freunde, Bekannten, Kollegen und Nachbarn müssen wissen, dass sie mich auch wählen können, wenn sie nicht in Dachau wohnen. Ich brauche Unterstützergruppen, die ich in den nächsten Wochen aktivieren werde, zum Beispiel "Sportler wählen Sportler" oder "Motorradfahrer wählen Motorrad-Fahrer".

e-politik.de: Und diese Möglichkeit macht ein 0:8 zu einem 0:3?

Rollmann: Ich glaube gar nicht, dass es 0:8 steht, sondern lediglich im Stimmkreis 0:3. Wenn ich dort auf 2:3 verkürzen kann und viele Zweitstimmen einsammele, kann es klappen. Ich werde sehen, das ist ja für mich auch der erste Wahlkampf.





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