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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1873 )Netzreportage - Ein Jahr danach (11.09.02) Autor : Philip Alexander Hiersemenzel Hat "9/11" Amerika verändert? Eine Netzreportage über Amerikas Erinnerung an den Tag des Terrors. Von Philip Hiersemenzel. "Nichts wird mehr so sein wie früher". Der Rauch der eingestürzten Zwillingstürme des World Trade Centers hatte sich noch nicht verzogen, da waren sich Amerikas Politiker und Journalisten einig wie selten. Einig waren sich die Amerikaner auch in der Trauer, im Entsetzen und im Unverständnis über die Tragödie, die den "schlafenden Giganten" an jenem herrlichen Spätsommermorgen so brüsk erweckte.
Doch was bleibt heute, da sich 9/11 - "Nine-Eleven" zum ersten Mal jährt? Aufschlüsse gibt dem im fernen Europa sitzenden Beobachter die Art, in der im Internet 9/11 gedacht wird. Ungebrochene Trauer Ungebrochen ist die Einigkeit in der Trauer und im Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige. Sie steht im Mittelpunkt der Sektion A Nation Challenged, mit der die New York Times dem Tag des Terrors gedenkt. Hier finden sich auch die "Portraits of Grief", die Biographien der Opfer des Terrors, für die die Zeitung einen ihrer vielen Preise für ihre außergewöhnliche Berichterstattung nach dem 11. 9. bekam. Der Helden des 11. 9., die New Yorker Feuerwehrmänner und Polizisten, die in die Türme des WTC rannten, als alle anderen versuchten dem Inferno zu entkommen, wird dagegen wesentlich patriotischer gedacht. Auf den Seiten von FDNY (Feuerwehr) findet sich neben einer Fotoserie von den Rettungsarbeiten auch ein "Memorial" für die getöteten Retter. Ähnlich die Seite des NYPD (Polizei), auf der sich die Fotos und Namen der in den Türmen umgekommenen Polizisten finden. Ende der Einheit So gemeinsam die Trauer und das Gedenken an die Toten ist, so unterschiedlich sind die Meinungen über die Folgen der Terroranschläge. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man die Seiten der verschiedenen intellektuellen Magazine der Akademiker miteinander vergleicht. Die weitverbreitete Kritik an der Politik der Regierung Bush zeigt, wie differenziert die inner-amerikanischen Debatte wieder geführt wird. Besonders kritisch sind die Beiträge des linken Magazins The Nation. Zur Frage, ob wirklich "nichts mehr so ist, wie es einmal war", hat die Traditionzeitschrift eine Befragung ihrer Leser durchgeführt. Viele Meinungen Die Kritik beschränkt sich allerdings mitnichten auf linke Publikationen. Dabei steht in erster Linie die Einschränkung der Bürgerrechte zur Terrorbekämpfung im Mittelpunkt, aber auch andere Aspekte des Kampfes gegen den Terror werden kritisch beleuchtet. Beispiele hierfür finden sich in der Sonderberichterstattung des Online-Magazins Salon.com, aber auch bei etablierten Magazinen wie Time oder Newsweek. Wie geht es weiter? Nicht die Erinnerung, sondern das weitere Vorgehen steht dagegen bei den "Think Tanks", den "Denkfabriken", im Vordergrund. Dabei ist die Debatte wiederum so breit wie das politische Spektrum. Nachzulesen ist das auf des Seiten der liberalen Brookings Institution, der konservativen Rand Corporation, des erzkonservativen American Enterprise Insitute und des neoliberalen Cato Institute. Was bleibt? Was also bleibt ein Jahr danach? Die Frage, ob wirklich nichts mehr so ist, wie es mal war, vermag ein Streifzug durch Amerikas Erinnerung an 9/11 nicht abschließend zu klären. Zur Normalität ist Amerika wohl nicht zurückgekehrt. Zurückgekehrt ist das Land aber zu der Vielseitigkeit, die Amerika seit jeher auszeichnet. Foto: Copyright liegt bei ISIL
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