Ochsentour, die 6.: Haariger Streit (15. April 2002)
Autor : Alexander Wriedt und Sead Husic E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 16.04.2002
Die Union diskutiert über Schröders Haarfarbe, während ihr Kanzlerkandidat in Washington stottert. Von Alexander Wriedt und Sead Husic.
Berlin im April. Wenn vormittags die Halogenlampen im Kanzleramt noch
leuchten und sich das Kunstlicht in den Haaren von Gerhard Schröder bricht, dann
schimmern sie angeblich kastanienbraun. Manche Mitarbeiter wollen einen Stich
ins rötliche gesehen haben. Dass in des Kanzlers Haaren unterschiedliche
Farbnuancen erkannt werden, komme schlicht daher, dass Schröder mal mehr, mal
weniger mit einer Tönung nachhelfe, sagt die CDU/CSU-Opposition. "Ein
Bundeskanzler, der sich die Haare färbt, färbt auch die Statistik", sagt der
CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Josef Laumann. Begeistert klatscht Medienberater Michael Spreng dabei in die Hände. Gerhard Schröder sei nicht ehrlich und flunkere,
wenn es um seine Haarfarbe gehe, und so einer mache auch keine ehrliche
Politik.
Kantig ist er auch nicht. Er will es allen recht machen. Den Gutmenschen,
den Kirchen wie den Gewerkschaften, den Bossen wie den Arbeitslosen. Und auch
von Erfolg kann bei Schröder keine Rede sein, bei 4,3 Millionen fehlender
Jobs.
All das was Schröder nicht ist, ist aber Sprengs Klient Edmund Stoiber:
Ehrlich, kantig, erfolgreich. Das kann den Wahlkampfstrategen der SPD in der
"Kampa02" nicht recht sein. Die Wähler sollen nicht den Eindruck gewinnen,
zwischen einem sich Haare färbenden und damit unehrlichen Kanzler und einem
vielleicht etwas unbeholfenen aber dafür zupackenden Herausforderer wählen zu
können. Die Geschichte von den gefärbten Haaren muss deshalb so schnell wie möglich
aus der Welt geschafft werden. Dafür geht Schröder sogar vor Gericht.
Solche Probleme hat der weißhaarige Christenkandidat nicht. Der kämpft
darum, von seinem Image als "Stotter-Edi" wegzukommen. Ein Besuch beim mächtigsten
Mann der Welt ist die beste Gelegenheit, um Weltläufigkeit zu demonstrieren.
Dabei passt es gut, dass George W. Bush selbst oft sprachliche Aussetzer hat,
wofür der Begriff des "Bushism" erfunden wurde. Bushism trifft auf
Stotter-Edi. Die größte und drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt repräsentiert von
einem intellektuellen Tiefflieger aus Texas und einem bayerischen Technokraten,
der mit den Worten ringt - für viele Journalisten ein faszinierender
Anblick.
Stoiber nannte Colin Powell "John" und "George", ehe ihm der richtige Name
zugeflüstert wurde. Aus "Ground Zero" machte Stoiber "Grand Zero".
Als er sich vor dem Weißen Haus den Fragen der Journalisten stellte, stieg
er wieder mit der deutschen Sprache in den Ring. Nachdem der Kampf beendet
war, wurde zumindest eines deutlich: An Gerhard Schröder ließ er kein gutes
Haar.
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Leserkommentar
von
Svenja
am 19.04.2002
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Was ist die Ochsentour?
Auf die Haargeschichte mußtet ihr wohl eingehen. Schade! Was ist das eigentlich für eine Serie?
Letztes Mal mit den Leuchtkugeln dachte ich, es wäre eine Glosse, und fand es gut und lustig. Jetzt ist es wieder so ein Wischi-waschi-unkomisch-Artikel...? Aber sonst die Seite ist cool, ich mag eure Artikel total gerne. Weiter so!
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