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Alexander Lebed

Der Tod eines ehemaligen Hoffnungsträgers

Autor :  Carsten Penzlin
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 01.05.2002

Am 28. April ist der russische Ex-Präsidentschaftskandidat Alexander Lebed bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Ein Nachruf von Carsten Penzlin.


Knapp sechs Jahre ist es her, dass ein Ex-General den russischen Präsidenten herausforderte und bei den Präsidentschaftswahlen 1996 mit 15 Prozent der Stimmen den dritten Platz belegte. Alexander Lebed mischte in jenem Jahr das politische Establishment Russlands auf und sorgte auch im Westen für erhebliches Aufsehen.
Am 28. April ist Lebed beim Absturz seines Hubschraubers ums Leben gekommen. Der Ex-General, Ex-Präsidentschaftskandidat und Gouverneur der Region Krasnojarsk war auf dem Weg zur Eröffnung einer Skipiste bei dichtem Nebel mit dem Hubschrauber in eine Hochspannungsleitung geraten und abgestürzt.
Präsident Putin würdigte den 52-jährigen Lebed als einen der "schillerndsten" Politiker Russlands. Seine Karriere hatte in der Armee begonnen. Als Soldat kämpfte er in Afghanistan, beim Putsch gegen Gorbatschow 1991 verweigerte er den Einsatz seiner Soldaten gegen Jelzin. 1992 beendete er in Moldawien den Bürgerkrieg.

Lebed als Vorläufer Putins

Lebed war zeitlebens kein Anhänger des Kommunismus gewesen, was ihn von Jelzin und Putin unterschied. Er kann jedoch mit Recht als ein Vorläufer des heutigen Präsidenten Putin bezeichnet werden. Als er von der Armee in die Politik wechselte, musste er auf die Erfahrungen im politischen Intrigenspiel verzichten, die ein Jelzin bei seiner Karriere in der Kommunitischen Partei hatte sammeln können.
Lebed verkörperte wie Putin jenen Typus von Politiker, auf den die Russen nach den Erfahrungen mit Boris Jelzin ihre Hoffnungen setzten. Autoritär ("Ich bin General, nicht liberal.") und unkorrumpierbar sollte er der russischen Politik Moral und Durchsetzungsfähigkeit verleihen, das Land aus seiner Dauerkrise führen. Lebed (Fallschirmjäger) und Putin (Judoka) symbolisier(t)en auch im Ausland Dynamik und Stärke. Die Hoffnungen, welche viele Russen 1996 mit Lebed verbunden hatten, projezierten sie vier Jahre später auf Wladimir Putin. Der Personenkult um ihn hätte auch einem Präsidenten Lebed gelten können.

Der gescheiterte Präsidentschaftskandidat

Unter anderen Umständen wäre der Arbeitersohn Lebed 1996 vielleicht der neue Präsident Russlands geworden. Doch damals war es noch zu früh für einen Präsidenten Lebed. Der Westen fürchtete einen Sieg der Kommunisten und setzte bedingungslos auf Jelzin. Mit dem Geld aus Deutschland, den USA sowie von den Oligarchen finanzierte Jelzin seinen Wahlkampf. Das Interesse, mit dem man dem Haudegen Lebed im Ausland begegnete, konnte dieser im Inland nur bedingt in Wählerstimmen umsetzen. Er blieb Außenseiter ohne Hausmacht. Eine eigene Partei gründete er erst 1997 - auch das eine typisch russische Erscheinung. Was in Russland zählte und zählt ist der politische Führer.

Der gescheiterte Politiker

Lebed war ein Meister der militärischen Strategie, doch sein politischer Instinkt war weniger gut ausgeprägt. Nach dem verlorenen ersten Wahlgang empfahl er seinen Anhängern in der Stichwahl für Jelzin zu stimmen. Dies verhinderte den Sieg der Kommunisten, doch der Ruf eines Steigbügelhalters des ungeliebten Jelzin war Gift für die weitere Karriere. Zur Belohnung machte ihn der Präsident zwar zu seinem Sicherheitsberater (Putin wurde einer seiner Nachfolger), doch dieses Amt war er nach wenigen Monaten wieder los. Der von ihm vermittelte Frieden in Tschetschenien wurde von den meisten Russen als Schandfrieden angesehen.
Was Lebed blieb war die Provinz, seit 1998 regierte er mehr schlecht als recht die sibirische Region Krasnojarsk. Zwar ging er mit harter Hand gegen die lokalen Oligarchen vor, die ihren Reichtum aus der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen Russlands zogen. Doch fehlten ihm Kreativität und Kompetenz, um Russlands zweitgrößte Region effektiv zu regieren. Von seiner Popularität war ihm zuletzt wenig geblieben.

Zur Präsidentenwahl 2000 trat Lebed deshalb nicht mehr an. Die persönliche Tragik Alexander Lebeds besteht wohl auch darin, dass bei dieser Wahl ein Mann Präsident wurde, weil er den Krieg gegen die Tschetschenen erneut eröffnet hatte. Mit dem Tode Lebeds verliert Russland einen humanen Friedensstifter, den es in dieser Zeit so dringend gebraucht hätte.

Das Copyright des Fotos liegt bei www.ntvru.com.


   


Leserkommentar von _HawkEye_
am 17.08.2002
Lebed im Film

Ein schöner Artikel. Wer Lebed auszugsweise in einem HolyWood-Streifen sehen möchte, der sollte sich "Der Anschlag" jetzt im Kino ansehen. Worum gehts? Was passiert, wenn eine neofaschistische Gruppe in den Besitz eines nuklearen Sprengkopfes gelangt und diese bei einem US-Superbowl-Spiel zünden will? Die Urheberschaft für den Anschlag soll den Russen in die Schuhe geschoben werden, damit die beiden ehemaligen Gegner in einen Krieg getrieben werden. Dabei wird der russische Präsident eher Leded ähnlicher als Putin. Viel Spaß!

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