An deutschsprachigen politikwissenschaftlichen Einführungen in das politische System der USA herrscht wahrlich kein Mangel. Doch nicht alle sind so aktuell und gut lesbar geschrieben wie der Klassiker des Münchner Politologen Emil Hübner. Sein im Jahre 1989 erstmals erschienenes Buch "Das politische System der USA. Eine Einführung" ist kürzlich in vierter, vollständig überarbeiteter und aktualisierter Auflage erschienen.
Anfänge und Traditionen
Breiten Raum räumt Hübner einleitend der geschichtlichen Entwicklung der USA ein. Beginnend bei den Urkolonien, beschreibt er den Unabhängigkeitskrieg, die Unabhängigkeitserklärung sowie die Auseinandersetzungen über die amerikanische Verfassung. Anschließend schildert er in groben Zügen den Weg der USA von den ersten 13 Bundesstaaten bis hin zur heutigen Weltmacht. Hübner fasst den Begriff des politischen Systems in seinem Buch recht weit, was dem Buch sehr zum Vorteil gereicht. So finden sich auch Kapitel zu den Medien, zum Föderalismus sowie zu den Besonderheiten der amerikanischen politischen Kultur.
Mehr Licht als Schatten
Ein Manko des Buches ist allenfalls, dass die zentralen Institutionen des amerikanischen Regierungssystems, die Exekutive mit dem Präsidenten an der Spitze sowie der Kongress als Legislative, in einem einzigen Kapitel abgehandelt werden. Zwar wird an anderer Stelle auf die amerikanischen Parteien sowie auf Wahlen und Wähler eingegangen, aber eine etwas ausführlichere Beschreibung der wichtigsten politischen Institutionen wäre wünschenswert gewesen. Das Buch ist dafür sehr aktuell: Ereignisse bis zum Frühsommer des Jahres 2001 sind berücksichtigt. So fehlt etwa nicht der Austritt des Senators Jim Jeffords aus der Republikanischen Partei im Mai 2001 und die damit verbundenen politischen Konsequenzen für die amerikanische Innenpolitik, verloren die Republikaner damit doch ihre Mehrheit im amerikanischen Senat.
Standardwerk
Hübner hat ein überzeugendes Einführungswerk in die Politik und Gesellschaft der Vereinigten Staaten geschrieben. Die Schilderung von wichtigem Basiswissen geht einher mit treffsicherem, souveränem Urteil des Autors. Auch der Umfang des Buches besticht: mit 200 Seiten ist es gerade ausführlich genug, um einen soliden Überblick über die verschiedenen Gebiete der amerikanischen Gesellschaft und Politik zu gewinnen. Wer jedoch an umfassenderen und weiter führenden (und auch: wissenschaftlichen) Informationen zum politischen System der USA interessiert ist, findet in Hübners Buch zwar Grundlegendes, sollte aber anschließend zu umfangreicheren, beziehungsweise detaillierteren Werken greifen. Anregungen dazu findet der Leser in einem ausführlichen Literaturverzeichnis am Ende des Buches.
Emil Hübner: "Das politische System der USA. Eine Einführung"
Vierte, vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage
Verlag C.H. BECK, 2001, 200 Seiten
9,90 Euro
ISBN 3-4064-757-87