Zug um Zug wieder nach oben

Warren BuffettDie US-Wirtschaft stand Anfang des Jahres vor der größten Krise seit der Weltwirtschaftskrise 1930. Mit Optimismus und einem Milliardenschweren Rettungspaket hat Präsident Obama im Frühsommer 2009 gegen den Willen der Opposition eine vorsichtige Sanierung angestoßen. Nun hat einer der reichsten Männer der Welt, der US-amerikanische Multimilliardär Warren Buffett, dieses Signal aufgenommen und mit dem bislang für ihn größten Abschluss unterstützt. Schon allein diese Botschaftshandlung des legendären „Orakels von Ohama„ beflügelt den Aktienmarkt. Von Nina Ricca

Es war schon wieder eine Überraschung für den Börsenmarkt. Dafür ist Warren Bufett bekannt. Als seine Investment Firma Berkshire Hathaway im Jahr 2007 die Marmon Holdings übernahm, wurde der Deal erst bekannt, als er vollbracht war. So lief es auch diesmal. Bemerkenswert ist das deshalb, weil die Übernahme der Burlington Northern Santa Fe Eisenbahn mit 44 Milliarden Dollar nicht nur Berkshire Hathaways bislang größter Abschluss ist. Sondern auch, weil Buffett dazu die Zustimmung von 2/3 seiner Aktionäre benötigt hat, und es ihm dennoch gelang, alles bis zum Ende geheim zu halten.

In Anbetracht der steigenden Energiepreise sei die Eisenbahn langfristig gesehen ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung der USA. „[Der Abschluß] ist damit wie eine Wette auf die wirtschaftliche Zukunft Amerikas“ ließ Buffett via Pressemitteilung bekannt geben. Damit bleibt er seinem Erfolgskonzept treu. Der 79jährige Investor wird neugierig von Unternehmern weltweit beobachtet, weil er seine Projekte mit Blick auf das große Bild auswählt. Von Nahem betrachtet, ist die verschuldete Eisenbahnlinie erstmal kein vielversprechender Einkauf. Dafür ist sie jetzt zu einem Hoffnungsträger geworden: Bei der Bekanntgabe der Fusion Ende Oktober 2009 stiegen die Aktien der Eisenbahngesellschaft um 28 Prozent.

Warren Buffett – Der Mann mit dem goldenen Riecher

Dieser Anstieg der Aktienanteile gehört zu Buffetts Jagdstil. Wie bereits bei vergangenen Unternehmen und Unternehmensgruppen hat er auch bei der Burlington Northern als Teilaktionär verfolgen können, wie die Aktien in den letzten 12 Monaten um 13 Prozent gefallen waren. Das lag zum Teil an der Wirtschaftskrise, aber auch am Ölpreis; eine Entwicklung, die Buffett bereits 2007 erahnt hatte. Mit der Erkenntnis, dass der Ölpreis den Güterverkehr auf den Straßen noch viel mehr belasten würde, stieg der legendäre Investor damals bereits bei der Eisenbahnlinie ein und sicherte sich ein Drittel des Unternehmens.

Buffett ist nicht nur an der New Yorker Börse bekannt dafür, zielsicher den so genannten Enterprise Value eines Unternehmens einschätzen zu können. Der Begriff benennt den schuldenfreien Wert eines Unternehmens. Fällt dann die Aktie der Firma, greift er zu. Seine Ratschläge, Interviews und Hinweise, vor allem aber seine Investitionen, haben laut dem Forbes-Magazin bereits unzählige Unternehmen, Arbeitsplätze und Dollar gerettet. Mit einem laut Forbes geschätzten Privatvermögen von 37 Milliarden US-Dollar gilt er als der zweitreichste Mann der Welt.

Das Schwert des Kriegers – Berkshire Hathaway

Boerse_01_KMJBuffets Lieblingsspielzeug, gleich nach der Eisenbahn, ist die Aktiengesellschaft Berkshire Hathaway , einst 1955 aus einer Fusion zweier Textilfirmen entstanden. Er erstand die Mehrheit der Anteile zehn Jahre später. Er erkannte jedoch bald, dass der Textilhandel wenig Zukunft hat, und investierte stattdessen in andere Marktbereiche aller Art. Die Gesellschaft erwarb Unternehmen entweder komplett, wie das Möbelhaus Nebraska Furniture Mart, die Haushaltswarenkette Scott Fetzer oder die Bekleidungshersteller Fruit of the Loom. Alternativ zu einem Aufkauf beteiligt sich Berkshire hathaway gern bei Unternehmen wie Coca Cola, Gillette oder der Washington Post.

Nach fast 45 Jahren Erfolgsgeschichte zählt Berkshire Hathaway zu den 25 größten Unternehmen der USA und gilt als einer der höchsten Steuerzahler des Landes. Die A-Aktien der gesellschaft waren zwar im März auf „nur“ 73.000 Dollar gefallen, gehen aber inzwischen bereits wieder mit etwa 104 000 Dollar an den täglichen Börsenstart. Dabei hatte selbst dieser Gigant mit der Finanzkrise zu kämpfen: laut dem berühmten, skurrilen Aktionärsbrief Buffetts an seine Aktionäre schaffte es Berkshire Hathaway Anfang des Jahres 2009 nur mit großen Mühen in die schwarzen Zahlen. Laut Handelsblatt gehört das zur Vergangenheit: Bei der Quartalsabrechnung drei Tage nach dem Eisenbahndeal glänzte die Holding dank Gewinnen bei Aktienkursen, Versicherungsdeals und guten Kreditverträgen mit einem verdreifachten Anstieg zu einem Ergebnis von 3,2 Millarden Dollar.

Ende gut, alles gut

Wie man an dem milliardenschweren Eisenbahndeal sehen kann, hat sich die Gesellschaft weitgehend erholt, und kann nun auch weiterhin Unternehmen rettend unter die Arme greifen. In dem 44 Milliarden-Dollar-Deal sind zehn Milliarden ausstehende Schulden der Eisenbahner enthalten. Die Vermeidung und wenn nötig sofortige Tilgung von Schulden gehört mit zu den Grundregeln von Buffetts Erfolgskonzept. Die endgültige Fusion ist für das erste Vierteljahr von 2010 geplant. Und hat bereits jetzt die Wirtschaft beflügelt: denn außer den Aktien der Burlington Northern Santa Fee stiegen auch gleich die Aktien der zwei Hauptkonkurrenten um das Transportnetz auf Schienen, die Union Pacific um 8,1 Prozent, die CSX um 8,5 Prozent. Sieht so aus, als könnte Buffett seine Wette auf die Erholung der US-amerikanischen Wirtschaft gewinnen.


Die Bildrechte Liegen bei Mark Hirschey (Portrait Buffet) und KMJ (Börse) und sind lizensiert unter Creative Commons und unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation.


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