Profite mit gutem Gewissen – Die Ethik der Geldanlage in einer globalisierten Welt

Besonders ausgeprägt ist der Trend zur Geldanlage "mit gutem Gewissen“ in Großbritannien. So stieg auf der Insel das in Aktienfonds, die sich bei der Wahl ihrer Beteiligungen nicht nur an wirtschaftlichen, sondern auch an "ethischen“ – will sagen an ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen – Gesichtspunkten orientieren, investierte Kapital von 200 Millionen Pfund 1989 auf mittlerweile 3,7 Milliarden Pfund an. Noch aber ist selbst hier das Volumen der Ethik-Fonds nur ein Tropfen, der im Meer der 700 Milliarden Pfund Gesamtvolumen des britischen Fondsmarkts untergeht. Doch das Tröpfeln nimmt weiter zu. Glaubt man entsprechenden Umfragen, wollen noch weit mehr Anleger als bisher mit "gutem Gewissen“ investieren, wissen aber nicht wie.

Meilenstein

Die Einführung des "FTSE4Good“ Index vom 31. Juli dürfte deshalb ein Meilenstein für das sogenannte "socially responsible investing“ (SRI) sein. Der neue Index komme der wachsenden Nachfrage nach einer unabhängigen Messlatte für Anlagen in Aktien sozialverträglich wirtschaftender Unternehmen nach, freut sich der Vorstandsvorsitzende der FTSE Gruppe, Mark Makepeace. Denn, die in Zusammenarbeit mit dem "Ethical Investment Research Service“ (EIRIS) ausgewählten und im FTSE4Good vertretenen Unternehmen entsprechen in ihrer Wirtschaftsweise gewissen "ethischen“ Mindestanforderungen. So müssen Betriebe, die durch ihre Tätigkeit Einfluss auf Umweltfaktoren haben, unter anderem zur "nachhaltigen Entwicklung“ beitragen. Ähnliches gilt in bezug auf innerbetriebliche Sozialstandards und Wahrung der Menschenrechte. Außerdem sind Unternehmen aus einigen Industriebereichen von vorne herein ausgeschlossen, etwa Hersteller und Betreiber von Atomkraftwerken, sowie Massenvernichtungswaffen- und Tabakproduzenten.

Keine Chance für Kyoto-Gegner Exxon

Auf ein ungeteilt positives Echo stößt die Einführung des FTSE4Good dennoch nicht. Obwohl sie die Einführung des neuen Index prinzipiell begrüßen, sind viele Aktivisten doch nicht vollkommen zufrieden. Besonders die Aufnahme von BP und Shell in den FTSE4Good erregt die Gemüter. Gerade diese Firmen, argumentiert Amnesty International, nähmen Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien und Afrika wissentlich in Kauf, um ihre Geschäfte nicht zu gefährden. Makepeace verteidigt seinen Index: BP und Shell seien vertreten, weil sie "in die richtige Richtung“ gingen. Man habe dort die Probleme erkannt, nehme sie ernst und sei nun dabei, sich zu bessern. Ein Unternehmen, welches wie Exxon das Kyoto Protokoll ablehne, habe hingegen keine Chance in den Index aufgenommen zu werden.

Unstrittig ist jedoch, dass der neue Index helfen wird, alte Vorurteile gegenüber SRI auszuräumen, besonders jene weitverbreitete Meinung, derzufolge Ethik zwangsläufig zu Lasten des Profits ginge. Denn in den letzten fünf Jahren lag die virtuelle Wertentwicklung des FTSE4Good UK 50 über der des FTSE 100 oder der des FTSE All Share. Kein Einzelfall. Studien bescheinigen auch der breiten Masse der Ethik-Fonds eine über-durchschnittliche Wertsteigerung gegenüber Vergleichsindices wie dem Dow Jones Industrials oder dem S&P500.

Zwischen Ethik und Profit

"Insgesamt wirken sich betriebliche Maßnahmen zur Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung positiv auf den Unternehmenserfolg aus“, so die Schlussfolgerung der US-amerikanischen SustainAbility Group. Allerdings geben auch die Umweltschützer zu, dass man noch nicht wisse, ob sozialverantwortliche Betriebe größeren Gewinn machten oder aber Betriebe mit hohen Gewinnen sozial-verantwortungsvoller wirtschafteten.

Ungeachtet des Ergebnisses dieser theoretischen Debatte, nimmt die Attraktivität der Ethik-Fonds weiterhin zu. So kündigte der weltgrößte Pensionsfonds, ABP, Anfang Juli an, man plane diesen Sommer fast US$ 200 Millionen auf "sozial verantwortliche“ Weise zu investieren.


Weiterführende Links:

Alles über den neuen Index  

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