„Unsere Freundschaft ist ein großer Schatz“

Emmanuel Cohet, der französische Generalkonsul in München
Emmanuel Cohet, der französische Generalkonsul in München

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Élysée-Vertrages sprach /e-politik.de/ mit dem französischen Generalkonsul in München über den gegenwärtigen Zustand der deutsch-französischen Freundschaft. Ein Interview mit Emmanuel Cohet von Isabelle-Constance V. Opalinski

Emmanuel Cohet, seit 2011 französischer Generalkonsul in München, war vor seiner Berufung im französischen Außenministerium tätig. Er spricht sich klar für die deutsch-französische Freundschaft aus, denn sie sichere vor allem den Frieden in Europa. „Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit sind Grundwerte, welche Franzosen und Deutsche gleichermaßen ansprechen.“

Die Verbundenheit dieser beiden Nationen ist wohl das essentiellste Fundament eines vereinten Europas. Der Grundstein dazu wurde 1963 gelegt. Damals unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag. Von da an wurde Geschichte geschrieben – die deutsch-französische „Amitié“ war nicht mehr zu stoppen.

/e-politik.de/: Sehr geehrter Herr Generalkonsul Cohet, welche Bedeutung hat der Élysée-Vertrag für Sie?

Emmanuel Cohet: Der Élysée-Vertrag ist eine sehr wichtige Errungenschaft – er manifestiert die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Unsere beiden Nationen haben es geschafft, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen.

/e-politik.de/: Bräuchte man im Jahr 2013 nicht einen aktuelleren Vertrag?

Cohet: Formell gesehen, nein. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Ergänzungen, aber die Aktualität des gegenwärtigen Élysée-Vertrages ist weiterhin intakt. Im Laufe der Jahre wurden viele Institutionen, Kooperationen und Projekte ins Leben gerufen, welche die deutsch-französische Freundschaft noch mehr intensivieren sollten: zum Beispiel der Fernsehsender ARTE, das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), die Deutsch-Französische Hochschule und auch die Deutsch-Französische Brigade, um nur einige zu nennen.

/e-politik.de/: Wäre mehr Integration zwischen Frankreich und Deutschland notwendig?

Cohet: Nun, die sogenannte Lehre aus unserer 50-jährigen Freundschaft ist, dass dahinter auch immer ein politischer Wille stehen muss. So war es bei Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle, und so ist es jetzt zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident François Hollande.

Staatsbesuch des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle, Begrüßung durch Bundeskanzler Konrad Adenauer
Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, die Väter des Élysée-Vertrages, hier bei einem Staatsbesuch in Köln 1961

Anfang des Jahres, am 22. Januar 2013, gab es anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum Élysée-Vertrag in Berlin eine bedeutende gemeinsame Sitzung der deutschen und der französischen Regierung. Darüber hinaus fand ebenfalls eine gemeinsame Tagung des deutschen Parlaments und des französischen Rates statt. Im Rahmen dieses politischen Austausches ist auch die „Deutsch-Französische Erklärung“ oder „Déclaration de Berlin“ entstanden. Dort haben sich unsere beiden Nationen darauf geeinigt, die gemeinsamen Perspektiven für die Zukunft zu definieren. Im Zentrum steht hier ganz besonders die jüngere Generation von Franzosen und Deutschen, welche immer mehr mit dem massiven Problem der Jugendarbeitslosigkeit konfrontiert wird.

/e-politik.de/: Was beinhaltet die „Deutsch-Französische Erklärung“ konkret?

Cohet: Mit dieser Erklärung wurde vor allem ein neues Kapitel des Dialoges zwischen unseren beiden Völkern aufgeschlagen. Künftig gibt es viele neue Möglichkeiten und Projekte, die allen Bürgern aus Frankreich und Deutschland den aktiven Austausch beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt eröffnen. So soll es nicht mehr nur Akademikern offen stehen, nach Frankreich zu gehen, sondern auch Lehrlinge und Azubis können diesen Weg einschlagen. Selbstverständlich werden wir auch weiterhin das intensive Engagement des Deutsch-Französischen Jugendwerks fördern, schließlich haben an dessen Austausch-Programmen seit 1963 mehr als acht Millionen junge Deutsche und Franzosen teilgenommen.

Die Deutsch-Französische Hochschule ist ein weiteres Projekt, welches wir in vollem Maße unterstützen. Selbstverständlich erstreckt sich unsere geplante Kooperation auch auf andere wichtige Bereiche, wie Kultur, Wirtschaft und Forschung. Wenn man bedenkt, dass etwa 10% der Forschung auf der Welt von Frankreich und Deutschland betrieben werden, ist eine enge Zusammenarbeit mehr als relevant. Außerdem ist es uns wichtig, die Jugend unserer beiden Völker einander näher zu bringen und auch das Erlernen der Nachbarsprache zu fördern.

Das Fundament der deutsch-französischen Freundschaft, der Élysée-Vertrag
Das Fundament der deutsch-französischen Freundschaft, der Élysée-Vertrag, wird im Politischen Archiv in Berlin aufbewahrt.

/e-politik.de/: Wie haben Sie ganz persönlich die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum des Élysée-Vertrages miterlebt?

Cohet: Für mich waren die letzten Monate ganz besonders von Emotionen geprägt. Emotionen spielen ohnehin in der deutsch-französischen Beziehung eine wichtige Rolle und so ist unsere Freundschaft ein großer Schatz.

Es war auch sehr beeindruckend zu sehen, dass es anlässlich des Jubiläums so zahlreiche und vielfältige Initiativen von Gemeinden und Kommunen in Frankreich und Deutschland gab. Das zeigt, wie lebendig unsere Freundschaft ist. Nicht von ungefähr hat beispielsweise Bayern mehr als 400 Städtepartnerschaften mit Frankreich.

/e-politik.de/: Ist Bayern also die frankophilste Region Deutschlands?

Cohet: (lacht) Nun, ich fühle mich in Bayern sehr wohl! Viele deutsch-französische Familien leben in Bayern – so haben wir quasi auch persönliche Freundschaftsprojekte! Es gibt zahlreiche positive Verbindungen zwischen Frankreich und Bayern, sei es auf der historischenEbene oder bei den gegenwärtigen Akteuren der Gesellschaft, in Kunst und Kultur oder aktuell in der Wirtschaft. Allein 500 französische Firmen haben ihren Sitz in Bayern, demnach ist der Handel auch nicht zu unterschätzen.

Ich persönlich denke, dass es einfach eine sehr intensive kulturelle Affinität zwischen Franzosen und Bayern gibt, die unsere Freundschaft verstärkt!

/e-politik.de/: Mögen Sie die Deutschen?

Cohet: Ja, natürlich! Zum Beispiel habe ich Deutsch schon als Kind in der Schule gelernt. Später, in meiner Studienzeit, interessierte ich mich sehr für die deutsche Geschichte und Kultur. Ich empfinde es als eine Ehre, mein Heimatland Frankreich hier in Deutschland vertreten zu können, und bin überaus glücklich und froh, dass ich dies in meiner Funktion als Generalkonsul auch tagtäglich übernehmen kann.

/e-politik.de/: Vielen Dank für das Gespräch!


Die Bildrechte liegen bei der Autorin (Emmanuel Cohet), beim Französischen Generalkonsulat München (Élysée-Vertrag) und bei Egon Steiner / Deutsches Bundesarchiv (de Gaulle und Adenauer, Creative Commons).


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