Neue Jokerkarte der Munich Security Conference

Die Junior Ambassadors auf der 49. Münchner Sicherheitskonferenz
Die Junior Ambassadors auf der 49. Münchner Sicherheitskonferenz.

Die Münchner Sicherheitskonferenz dient vor allem dem Austausch der Weltpolitik hinter den Kulissen. Nicht selten wird dabei die Stimme der Jugend außer Acht gelassen – doch 2013 war dies anders. Von Isabelle-Constance V. Opalinski

Alljährlich versammeln sich im Hotel Bayerischer Hof Regierungschefs und Außenminister der ganzen Welt, Vertreter von NATO (North Atlantic Treaty Organization), Europäischer Union (EU) und Vereinten Nationen (VN), Generäle, Abgesandte der Rüstungsindustrie und Wissenschaftler. Wichtige sicherheitspolitische Themen stehen zur Debatte und langfristige Perspektiven werden diskutiert – kein Wunder, dass zu so einer Veranstaltung, die bis 1991 noch „Wehrkundetagung“ hieß, nur das „Who is Who“ der Weltpolitik wie zum Beispiel Joe Biden, Vizepräsident der USA, eingeladen wird. Wen könnte man dort also weniger erwarten als junge Menschen?

Die 49. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) unterschied sich zu denen der Vorjahre jedoch nicht nur darin, dass der Frauenanteil der eingeladen Gäste und weiblichen Podiumsteilnehmer gestiegen ist, sondern vornehmlich durch die MSC Junior Ambassadors. Neben dem Munich-Young-Leaders-Programm für bereits berufstätige Nachwuchspolitiker und Diplomaten stellt das für Studenten ausgerichtete MSC-Junior-Ambassadors-Konzept nun ein weiteres Förderungsprojekt der MSC dar.

Nachwuchs für neue Impulse?

Diskussionsrunde - Mali, Syria, and Beyond: Dealing with the Current Crises (v.l.n.r. John McCain, Sheikh Hamad bin Jassim bin Jabor Al-Thani, Prof. Dr. Ahmet Davutoğlu, Prince Turki Al Faisal bin Abdulaziz Al Saud,  Nemir Kirdar, Moderator: Dr. Martin S. Indyk
Diskussionsrunde zum Thema „Mali, Syria, and Beyond: Dealing with the Current Crises“ (v.l.n.r. John McCain, Sheikh Hamad bin Jassim bin Jabor Al-Thani, Prof. Dr. Ahmet Davutoğlu, Prince Turki Al Faisal bin Abdulaziz Al Saud, Nemir Kirdar, Moderator: Dr. Martin S. Indyk)

Erstmalig setzte Botschafter a.D. Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, auf die Jugend, und so wurde ein Essay-Wettbewerb ausgeschrieben. Ziel war es, darzustellen, welche sicherheitspolitischen Brennpunkte bei der MSC zur Debatte stehen sollten. Fast 100 Studenten und Doktoranden aus 28 Ländern nahmen an diesem Wettbewerb teil und hofften so, als Beobachter beim sogenannten „Davos der Sicherheitspolitik“ in München teilnehmen zu dürfen. Drei Studenten wurden letzlich ausgewählt.

„Ich freue mich, dass sich schon bei der ersten Auflage des Programms so viele junge Leute an unserem Wettbewerb beteiligt und sich spannende Gedanken über wichtige sicherheitspolitische Herausforderungen gemacht haben“, so Ischinger zu dem Pilotprojekt der MSC.

Notwendige Reformen bei internationalen Institutionen

Zu den diesjährigen Junior Ambassadors gehört Jonathan E. Hillman (26) aus den USA. Derzeit studiert er an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University. In seinem Essay beschreibt er den Reformbedarf von internationalen Institutionen.

Zum Beispiel würde er die Abläufe im Sicherheitsrat der VN ändern und vor allem nicht mehr Indien – ein demokratischer Staat mit über 1 Milliarde Einwohnern – davon ausschließen. Die MSC ist für ihn eine Veranstaltung, die es ermöglicht, nicht nur den Fokus auf aktuelle Krisenherde der Welt zu setzen, sondern auch über die internen institutionellen Vorgänge zu diskutieren, diese weiterzuentwickeln und somit stätig zu verbessern.

Für mehr Wassersicherheit

Des Weiteren konnte sich der Deutsche Hanns Koenig (23), der an der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University in Washington, DC. studiert, qualifizieren. Sein Essay widmet sich dem Thema Wassersicherheit. Gerade weil dieser Prozess eher schleichend und latent sei und erst in 10 oder 20 Jahren kritisch werden könne, sollte Wassersicherheit bereits jetzt auf den höchsten politischen Ebenen bei der MSC diskutiert werden. „Dies ist durchaus kein akutes Thema – wie vielleicht Mali oder Syrien, bei dem jedem sofort der Gedanke aufkommt, dass dort Menschen sterben, doch die Sorge um unser Wasser ist und bleibt ein wichtiger Punkt“, so Koenig.

Seine Zukunft sieht der Student nicht unbedingt in der Politik, sondern vielmehr in der Privatwirtschaft, doch die Eindrücke von der Munich Security Conference werden ihn für sein ganzen Leben prägen: „Vor allem der informelle Austausch mit den anderen Teilnehmern während der Pausen war für mich wichtig. Außerdem erlebt man es auch nicht alle Tage, dass Frank-Walter Steinmeier oder John McCain einige Meter von einem entfernt ein Glas Rotwein trinken“.

Gegen das organisierte Verbrechen

Nachdem die MSC 2013 auch unter dem Motto stand, Frauen in die Sicherheitspolitik stärker einzubeziehen, wurde für das MSC-Junior-Ambassadors-Programm auch eine Studentin aus Argentinien nominiert. Melina Meneguin-Layerenza (24) studiert am Institut d’Etudes Politiques in Paris und ihr Essay befasst sich mit dem organisierten Verbrechen.

Diese Problematik hat nicht nur eine nationale, sondern gegenwärtig vor allem eine internationale Dimension. So sei es wichtig, dass sich bei einem Forum wie der MSC Entscheidungsträger der ganzen Welt darüber Gedanken machten, wie man bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens gemeinsam vorgehen und kooperieren könne. Die Rolle der Frauen in der Sicherheitspolitik liege ihrer Meinung nach vor allem im Gebiet der Friedens- und Konfliktforschung. Auch selbst möchte sie sich in Zukunft in diesem Bereich engagieren. „The years go by and we will continue to see changes , so I hope to be a part of it”, so Meneguin-Layerenza.

Young professionals treffen sicherheitspolitische Akteure

Der Young Leader Ruslan Pukhov: Europa sei nicht der wichtigste Fokus für Russland.
Der Young Leader Ruslan Pukhov: Europa sei nicht der wichtigste Fokus für Russland.

Aber haben angehende Politiker und Experten überhaupt die Möglichkeit, sich aktiv an der Munich Security Conference zu beteiligen? Innerhalb des Young-Leaders-Netzwerkes der MSC und der Körber-Stiftung durchaus. Das Munich-Young-Leaders-Programm bietet jüngeren Entscheidungsträgern aus Deutschland, NATO-Mitglieds- und Partnerstaaten sowie aus G20-Staaten im asiatisch-pazifischen Raum nicht nur die Partizipation an der Münchner Sicherheitskonferenz an, sondern auch Diskussionsforen mit hochrangigen Teilnehmern und Rednern der MSC.

2013 repräsentierten die Munich Young Leaders knapp 20 Nationen. Neben Gesprächen mit Botschafter a.D. Wolfgang Ischinger und Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière fand auch eine Diskussionsrunde mit dem polnischen Außerminister Radosław Sikorski statt.

Dabei wurden die aktuelle Europapolitik und die EU-Krise analysiert. Themen wie das Weimarer Dreieck, die EU Battle Groups und der EU-Erweiterungsprozess standen auf der Tagesordnung. Zu den Herausforderungen einer europäischen Verteidigungspolitik äußerte sich der polnische Außerminister warnend. Mit den Konflikten in Mali und Syrien klopfe die Gewalt nun auch an die europäische Haustür. Die Wirtschaftskrise treffe Europa unvorbereitet – es gebe keine institutionellen Mechanismen, die den Eurozonen-Mitgliedern eine sofortige Hilfe garantierten.

Interne Expertenbühne gibt Aufschlüsse

Einige Young Leaders übernahmen aber selbst die Rolle des Referenten im Rahmen der MSC, zum Beispiel Ruslan Pukhov, Direktor des privaten Moskauer Think Tanks Centre for Analysis of Strategies and Technologies.

Die Russische Föderation sei zwar ein wichtiger Pol für die europäische Stabilität, doch habe der Staat selbst viele andere sicherheitspolitische Herausforderungen zu meistern, die sich über den gesamten asiatischen Raum erstreckten: Japan, China oder der Iran bis hin zu Georgien – Russland sei viel mehr mit den Gefahren von der anderen Seite des Globus beschäftigt als mit Europa.

Außerdem habe das Land gravierende innerstaatliche Probleme zu lösen, wie Korruption und Demographie. Europa sei darüber hinaus noch zu instabil für Russland, so dass auch Verhandlungen weiterhin bevorzugt auf bilateraler Ebene geführt würden. Klar äußerte sich Pukhov zu Syrien:

“For us Assad is not a bloody dictator, he is not better nor worse than the rulers of Qatar or Saudi Arabia. Between a civil dictator and Islamistic power we prefer a civil dictator, between evils we chose the miner one. … Europeans are very often under the pressure of human rights groups, and the media. That’s why it’s sometimes difficult to take unpopular strategic decisions, they must please the voters and this is different in Russia.”

Projekt mit Zukunft

Die 49. Münchner Sicherheitskonferenz hat mit den MSC Junior Ambassadors und dem Munich-Young-Leaders-Programm eine klare Perspektive für junge, politisch engagierte Menschen gesetzt. Nur indem man den Nachwuchs explizit fördert, ihn schon früh an die Komplexität der Sicherheitspolitik heranführt und zeigt, dass bei einer Konferenz wichtige Entscheidungen für die Zukunft entwickelt werden können, wird Wissensdrang gefördert.

Ob man die MSC Junior Ambassardors und das Munich-Young-Leaders-Programm bereits als Denkschmieden für zukünftige Diplomaten und Politiker bezeichnen kann, bleibt dahingestellt. Doch eins ist sicher: Das Interesse der Jugend an sicherheitspolitischen Themen wird durch solche gezielten Initiativen maßgeblich gesteigert. Nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt.


Die Bildrechte liegen bei der Autorin.


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