Sie sind die Besten!

Fernando Torres, Juan Mata und Sergio Ramos jubeln über ihren Sieg bei der EM 2012.

20 deutsche Nationalspieler überwintern mit ihren Vereinen in der Champions League – so viele wie selten zuvor. Schade, dass im nächsten Jahr keine EM stattfindet. Dort hätte Deutschland gute Chancen, sagt zumindest die Statistik. Von Tim Frohwein 

Fußballexperten sind sich einig: Die Champions League ist der wichtigste und bestbesetzte Pokal im internationalen Vereinsfußball. Wer mit seiner Mannschaft in der K.o.-Phase dieses Wettbewerbs antreten darf, zählt unzweifelhaft zu den besten Fußballern auf dem Kontinent – wer gar das Finale erreicht, zu den besten der Welt. Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr ist es nun her, dass Juan Mata mit dem FC Chelsea das Champions-League-Endspiel in der Allianz Arena in München bestritt. 120 Minuten stand der Spanier damals auf dem Platz, schließlich setzte sich seine Mannschaft im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern durch – Mata reckte kurz darauf den Champions-League-Pokal in den Münchner Nachthimmel.

Derselbe Juan Mata erzielte nur wenige Wochen später den Treffer zum 4:0-Endstand im Finale der Fußball-Europameisterschaft 2012 gegen Italien, die spanische Auswahl holte den zweiten EM-Titel in Folge. Auch Fernando Torres, Matas Vereinskamerad beim FC Chelsea und beim Champions-League-Sieg in München eingewechselt, hatte ein Tor zu diesem historischen Triumph beigesteuert. Zur Startelf der Spanier im Finale von Kiew zählten zudem neun weitere Spieler, die mit ihren Vereinen mindestens im Champions-League-Halbfinale standen. Ein Zufall?

Champions-League-Protagonisten in Topverfassung

Dr. Andreas Groll: „Wer in der Champions League weit kommt, befindet sich fußballerisch und körperlich in einer Topverfassung“.

Dr. Andreas Groll, Forscher am Mathematischen Institut der LMU München, und seine Kollegin Jasmin Abedieh glauben nicht daran. „Wer in der Champions League weit kommt, spielt bis zuletzt auf höchstem Niveau und befindet sich fußballerisch und körperlich in einer Topverfassung“, nimmt Groll an. Diese Annahme hat ihn letztlich dazu bewogen, die Daten der vergangenen drei Europameisterschaften auszuwerten. Zusammen mit seiner Kollegin untersuchte er dabei, ob Spieler, die in der Champions League mit ihren Vereinen weit vordringen konnten, auch kurze Zeit später bei der Europameisterschaft erfolgreich abschnitten.

„Es deutet alles darauf hin, dass ein statistischer Zusammenhang zwischen dem Abschneiden in der Champions League und dem Abschneiden bei der Europameisterschaft besteht“, erklärt Groll. So schaffte es Gastgeber Portugal 2004 bis ins EM-Finale, musste sich dort aber überraschend Griechenland geschlagen geben – sechs Portugiesen hatten noch kurz zuvor mit dem FC Porto die Champions League gewonnen. 2008 holten die Spanier gegen Deutschland den EM-Titel, darunter sieben Spieler des FC Barcelona, die einige Wochen vorher nur knapp im Halbfinale der Champions League gegen Manchester United unterlagen.

„Spielermarktwert“ hat keine bessere Vorhersagekraft

Der entdeckte Mechanismus war in besonderer Deutlichkeit auch bei der EM 2012 wieder zu beobachten: Mit Deutschland, Portugal und Spanien standen drei Mannschaften im Halbfinale des Turniers, die zehn, sechs bzw. vierzehn Spieler zu ihrem Kader zählten, die kurz zuvor noch mindestens das Halbfinale der europäischen Königsklasse erreicht hatten. Ein offensichtlicher Zusammenhang, den Groll und Abedieh nun anhand ihres Modells auch statistisch nachweisen können. „Das Modell zeigt, dass die Champions-League-Variable eine adäquate oder gar bessere Alternative zu anderen Variablen darstellt“, erklärt Groll und fügt hinzu: „Selbst ein Modell, das auf der Wettquote basiert, kann unser Modell nicht übertreffen.“

Forscherin Jasmin Abedieh glaubt nicht an den Zufall bei Fußballergebnissen.

Dem Marktwert der Spieler – diese Variable galt bislang als zuverlässigstes Vorhersagemaß für den Verlauf einer EM – ist die Champions-League-Variable zumindest ebenbürtig: „Nimmt man an, dass man den Marktwert nicht kennen würde, erweist sich die Champions-League-Variable als hoch signifikant und leistet nahezu denselben Erklärungsbeitrag hinsichtlich der Anzahl an Toren, die die Nationalmannschaften in ihren Spielen bei der darauffolgenden Europameisterschaft erzielen“, erläutert der Mathematiker. Klappt es für die Deutsche Nationalelf also bei der nächsten EM endlich mit dem Titel? Sollten sich der FC Bayern und Borussia Dortmund im Sommer 2016 im Champions-League-Finale gegenüber stehen, ist es zumindest wahrscheinlich.

Das Arbeitspapier „A Study on European Football Championships in the GLMM Framework with an Emphasis on UEFA Champions League Experience” finden Sie hier.


Die Bilderrechte liegen bei den abgebildeten Personen (Dr. Andreas Groll; Jasmin Abedieh) sowie bei Станислав Ведмидь (Spielerfoto, Creative Commons 3.0).


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:

Die falschen Pferde

 

Von Fußball und Wissenschaft

Das größte Eigentor des Philip Lahm