Klimawandel in Karten und Fakten

Die Jahre, in denen die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Problem des Klimawandels entweder durch alarmierende Katastrophenwarnungen von Umweltaktivisten oder aber durch ignorante Äußerungen interessengeleiteter Skeptiker bestimmt wurde, sind vorbei. Der Weltatlas des Klimawandels bietet Interessierten eine aktuelle und seriöse Quelle zur unideologischen Auseinandersetzung mit der Thematik. Von Daniel Hönow

Spätestens seit dem G8-Gipfel in Heiligendamm scheinen die Gefahren, die sich aus der Veränderung des globalen Klimas ergeben, allen relevanten Akteuren unmissverständlich klar zu sein. Es bestehen nicht zu widerlegende Wirkungszusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und den bereits heute beobachtbaren klimatischen Veränderungen.

Ein Beispiel dafür ist der Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und weltweitem Temperaturanstieg (siehe Grafik links unten). Der Mensch ist momentan dabei, seinen Lebensraum umfassend und dauerhaft zu verändern, indem er mit noch nie dagewesenen technischen Kapazitäten das globale, natürliche System massiv beeinflusst. Das daraus resultierende Problem der Klimaveränderung ist ebenso vielschichtig wie kompliziert und in der Vielzahl seiner Auswirkungen schwer zu überblicken.

Unbequeme Wahrheiten: Klimawandel in der populären Wissenschaft

In den vergangenen Jahren bemühte man sich deshalb, auch angesichts der Dringlichkeit des Problems, um eine allgemeinverständliche Aufbereitung. Es entstanden preisgekrönte Dokumentationen wie Al Gores „Inconvenient Truth“ oder die „Planet Earth“-Reihe der BBC. Der Weltatlas des Klimawandels kann als Fortsetzung und Vertiefung dieser Publikationsserie betrachtet werden. Den Autoren Kristin Dow und Thomas E. Downing ist es gelungen, den komplexen wissenschaftlichen Sachverhalt sehr anschaulich und dabei ebenso allgemeinverständlich darzustellen, ohne dabei auch nur im Geringsten populärwissenschaftlich daherzukommen. Sie beschäftigen sich seit Jahren mit den Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Menschen und ihre Lebensgrundlagen. Der Atlas ist ebenso Ausdruck ihres umfassenden Fachwissens wie Beleg ihrer Erfahrung im Umgang mit der Vermittlung des Problems.

Übersichtliche Argumentation mit neuesten Forschungsergebnissen

Der Aufbau des Atlas ist schlüssig, seine Gestaltung bemerkenswert. Die verschiedenen Problemkomplexe der Klimaveränderung werden unabhängig voneinander erklärt und dargestellt. Trotzdem geht der Gesamtzusammenhang des Problems nie verloren. Die segmentierte Betrachtung der verschiedenen Problemfelder trägt zur Übersichtlichkeit des Atlas bei. Der Klimawandel, wie er sich der heutigen Generation darstellt, erklärt sich in der systematischen Abfolge der erläuterten Probleme gewissermaßen von selbst. Ausgehend von den beobachtbaren Warnzeichen der Natur wie polaren Veränderungen, Gletscherrückgang und Temperaturextremen werden die Ursachen des Klimawandels (Emissionsentwicklungen, Treibhauseffekt) und schließlich deren Auswirkungen dargestellt.

Karten, Fakten und Schlussfolgerungen basieren auf den neuesten, verbesserten Forschungsmodellen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change o.a. Weltklimarates). Diese neuen Ansätze brachten in den vergangenen Monaten einen immensen Zuwachs an Forschungsergebnissen, die es den Wissenschaftlern ermöglichten, erstmalig sehr konkrete regionale Auswirkungen des Klimawandels zu prognostizieren. Auch diese Ergebnisse mit sehr regionalem Bezug finden sich in den Karten wieder.

Regionale Horrorszenarien

Scheinbar radikal wirkende Darstellungen der Auswirkungen des Klimawandels wurden in der Vergangenheit nicht selten mit dem Vorwurf des Populismus und der Panikmache konfrontiert. Doch gerade mit Blick auf die regionalen Folgen der Klimaveränderung scheinen diese Horrorszenarien bittere Realität werden zu können. Die Vorhersagen der Forscher bewahrheiten sich. Das Schmelzen der polaren Eiskappen, das Auftauen der nördlichen Permafrostböden und der Rückgang von Gletschern passen zu den erwarteten – besonders starken – Auswirkungen auf die Polarregionen.

Die Bewohner Alaskas sind in den vergangenen Jahren Zeugen einer Erwärmung um bis zu 4 °C geworden. Gebäude versinken, da der Boden, auf dem sie stehen, zum ersten Mal seit Menschengedenken im Tauen begriffen ist. Das häufige Auftreten von Dürren und Hitzewellen deckt sich mit der Voraussage einer Veränderung der durchschnittlichen Temperaturvariabilität. Extremere Wetterlagen scheinen mehr und mehr zur Regel zu werden, während überall auf der Welt Vögel, Schmetterlinge und andere Spezies ihre Aktionsradien in Reaktion auf die klimatischen Signale verändern. Die Anzeichen für den Klimawandel sind weltweit nur allzu deutlich und der Zusammenhang zwischen ungewöhnlichem Wetter und Klimawandel wird mehr als offensichtlich.

Klimaschutz braucht mutiges Handeln

Die Autoren vertreten den Standpunkt, dass man in der Politik lange genug wisse, dass entschlossenes Handeln notwendig sei und dass weitere Verzögerungen zu immer schwerwiegenderen Folgen führen würden. Eine wirkungsvolle Klimapolitik sei zwingenderweise mit spürbaren Veränderungen im Lebensalltag der Menschen verbunden. Klimaschutz sei die dezidierte Aufgabe der Umweltpolitik. Es gehöre jedoch ebenso dazu, wirtschaftlichen Aufschwung gerecht zu gestalten und faire Rahmenbedingungen für den Welthandel zu vereinbaren. Denn letztlich könne man nur durch die wirksame Bekämpfung der Armut, verbunden mit der Umsetzung der sogenannten Millenniumsziele bis 2015, wirksame Klimaschutzpolitik betreiben.

Der Weltatlas des Klimawandels beschreibt in überaus anschaulicher und verständlicher Weise eines der dringlichsten Probleme unserer Zeit. Der Atlas bietet wichtige Hintergrundinformationen, um zu einer unabhängigen Einschätzung der Probleme zu gelangen und um das Handeln von Regierungen und internationalen Organisationen realistisch bewerten zu können. Nur mit der Unterstützung einer gut informierten Öffentlichkeit, die die Notwendigkeit mutiger politischer Entscheidungen versteht und akzeptiert, ist es möglich, die erforderlichen Kurskorrekturen in der politischen Agenda durchzuführen. Das bessere Verständnis des Problems in seiner ganzen Vielschichtigkeit wird unserer Gesellschaft dabei helfen, den Gefahren des Klimawandels energisch zu begegnen.

Kirsten Dow, Thomas E. Downing,
Weltatlas des Klimawandels. Karten und Fakten zur globalen Erwärmung,
(2007), Europäische Verlagsanstalt Dr. Götze Land und Karte, Hamburg
112 Seiten, ISBN: 978-3-434-50606-5, 19,90 Euro


Die Bildrechte liegen bei der Europäischen Verlagsanstalt/Myriad Editions Ltd.


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