Was in aller Welt meint „Nachhaltigkeit“?

Nachhaltigkeit ist en vogue. Banken bieten nachhaltige Investments und sogar seine Hemden kann man nachhaltig reinigen lassen. Aber was in aller Welt meint „Nachhaltigkeit“? Von Iris Pufé

Heute, am 31. Oktober 2011, begrüßen wir den sieben Milliardsten Bürger auf unserem Planeten. Was nach einem freudigen Jubiläum klingt, bedeutet in Wirklichkeit aber auch: zunehmender Ressourcendruck unter einer steigenden Weltbevölkerung, die unsere Biosphäre und unser Wirtschaftssystem an ihre Grenzen bringen. Genau darum geht es beim derzeit vieldiskutierten Thema Nachhaltigkeit – intra- und intergenerationelle Gerechtigkeit.

Nachhaltigkeit ist en vogue, und seit Fukushima noch mehr. RWE wirbt damit, Danone und Puma. Banken bieten nachhaltige Investments und auch seine Hemden kann man nachhaltig reinigen lassen. Nachhaltigkeit provoziert zweierlei: Wohlbehagen, weil etwas Positives, Erhaltenswertes, Langfristiges damit verbunden wird; Unbehagen, weil man nicht weiß, was damit gemeint ist und man sich selbst im Verdacht sieht, es nicht zu sein.
Oder: weil man eigentlich nicht so genau weiß, was damit gemeint ist und man fürchtet, selbst nicht nachhaltig zu leben.

Tippt man den Begriff Nachhaltigkeit bei Google ein, stößt die Suchmaschine auf 3,6 Millionen Treffer, mit dem englischen Begriff „sustainability“ gelangt man gar auf 47,4 Millionen Seiten, die sich mit dem Thema befassen.

Nachhaltigkeit – Trend- oder Dauerthema?

Die Ratlosigkeit in der Bevölkerungzeigt auch das kurze YouTube-Video „Was ist eigentlich Nachhaltigkeit?“, für das Passanten auf der Straße befragt wurden. „Außer vielen „Öhs“ und „Ähms“ können die auf der Straße befragten Menschen nicht viel zu dem Thema sagen.

„Der Begriff wird vergewaltigt wie kein zweiter. Vor allem in Deutschland ist man im Vergleich zu England deutlicher hinterher, was man darunter versteht und wie man ihn umsetzt“, sagt Alexander Leitner, der an der University of Oxford in England zum Thema Nachhaltigkeit(sstrategien) in Technologieunternehmen promoviert hat.

Die Bekanntheit des Begriffes steigt

Glaubt man dem SPIEGEL, so sind heute Gesundheit, Ökologie und Nachhaltigkeit die neuen Schlagwörter, wobei letzterer als Schlüsselwort des 21. Jahrhunderts tituliert wird. Bezieht man sich auf Umfragen, ergibt sich laut Aussage auf www.bundesregierung.de folgendes Bild: „43 Prozent der Bevölkerung kennen den Begriff Nachhaltigkeit. Damit hat sich die Bekanntheit dieses Leitprinzips innerhalb von zehn Jahren verdreifacht. Auch das Umweltbewusstsein ist weiter gestiegen. Umweltschutz steht nun auf Platz drei des Rankings der politischen Prioritäten“, heißt es dort.

Die Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland“ wird alle zwei Jahre vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt durchgeführt. „Trotz Finanzkrise haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen für Umwelt- und Klimapolitik somit sogar verbessert“, freut sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

Das große Interesse könnte an der großen Hoffnung liegen, die mit Nachhaltigkeit als Innovations- und Wirtschaftsmotor verbunden ist. Eine neue Untersuchung des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers im Rahmen des Projektes „Vision 2050“ des World Business Council for Sustainable Development geht davon aus: bis 2050 steigen die zusätzlichen globalen Geschäftsmöglichkeiten aus nachhaltigen Aktivitäten zwischen drei und zehn Billionen Dollar gegenüber den heutigen Werten und das durch Investitionen in Bereiche natürliche Ressourcen, Gesundheit und Bildung ergeben.

Die Summe und ihre Teile

Hype oder Handlungsanleitung? Mit der Nachhaltigkeits-Reihe versucht /e-politik.de/ Klarheit zu schaffen. Es wirft ein Schlaglicht auf wichtige Aspekte im Nachhaltigkeitsdunkel und versucht dadurch, die ganze Thematik zu beleuchten. Es richtet sich an alle, die unkompliziert erfahren möchten, was aktuell unter Nachhaltigkeit verstanden wird.

Über die nächsten Monate stellt /e-politik.de/ das Thema Nachhaltigkeit, seine Bedeutung und seine Anwendung vor. Die Beispiele aus Bereichen wie Produktion, Energie, Bildung, Mobilität und Tourismus sollen dabei dessen Querschnittscharakter veranschaulichen.

Dieser Artikel ist Teil des /e-politik.de/-Dossiers „Nachhaltigkeit – Wunsch und Wirklichkeit“. Lesen Sie hier die weiteren Beiträge.

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Nachhaltigkeit – Wunsch und Wirklichkeit

Was in aller Welt meint „Nachhaltigkeit“?

Mitte Oktober begrüßen wir den sieben Milliardsten Bürger auf unserem Planeten. Was nach einem freudigen Jubiläum klingt, bedeutet in Wirklichkeit aber auch: zunehmender Ressourcendruck unter einer steigenden Weltbevölkerung, die unsere Biosphäre und unser Wirtschaftssystem an ihre Grenzen bringen. Genau darum geht es beim derzeit vieldiskutierten Thema Nachhaltigkeit – intra- und intergenerationelle Gerechtigkeit.

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Weiterführende Links:

Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland

Lexikon der Nachhaltigkeit

Rat für nachhaltige Entwicklung


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