WeltTrends 74: Vergessene Konflikte

Vergessen gehört zur menschlichen Natur. Es ist kein Attribut des hohen Alters, sondern wir vergessen vom Anfang bis zum Ende unseres Seins. Das mag man bedauerlich finden, aber es ist Teil unserer Überlebensstrategien. Was für den Einzelnen gilt, scheint auch für Gesellschaften zu gelten.

Politische Katastrophen mögen ein oder zwei Generationen nachwirken, aber dann beginnt der Prozess des Vergessens, der selektiv und meist mit der Neuinterpretation des Geschehenen verbunden ist. Mit Gedenktagen und Denkmalen machen wir uns Knoten ins öffentliche Taschentuch. Noch problematischer mit dem Wahrnehmen oder gar Erinnern ist es, wenn „weit hinten in der Türkei die Völker aufeinander schlagen“, wie Goethe im Faust schreibt.

40 bewaffnete Konflikte gibt es derzeit in der Welt. Über einige wird informiert, über andere wissen wir wenig oder nichts. Wenn CNN-Reporter dramatisch von einem Kriegsschauplatz senden oder die Tagesschau über Tote – weiße, europäische oder gar deutsche – berichtet, dann gibt es öffentliches Interesse, was sich in Schlagzeilen des Boulevards und in Presserklärungen der Politik artikuliert. Wenn die Bilder ausbleiben oder die Zahl der Toten zur Routine wird, wie im Falle des Iraks, schwinden Wahrnehmung und politisches Interesse.

Im Thema dieses Heftes versuchen wir, diesem Vergessen entgegenzuwirken. Auch wir selektierten und diskutieren nur fünf aus der weitaus größeren Zahl der offenen oder schwelenden Konflikte auf dieser Welt. Gefragt wird dabei nach des Pudels Kern: den Ursachen, den Interessen, die zu den Kriegen führen und immer wieder Lösungen verhindern. Diese können in einer verhängnisvollen Kolonialpolitik, im Streit um Rohstoffe oder in den regionalen Ambitionen globaler Akteure liegen.

Zugleich formulieren unsere Autoren, Überlegungen für (dauerhafte) Lösungen. Dies wird von einem Gespräch mit dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Stiftung für Friedensforschung abgerundet, zu deren ureigensten Aufgaben es auch gehört, das öffentliche Interesse für die „vergessenen Konflikte“ in der einen Welt wach zu erhalten. In diesem Sinne versteht sich dieses Heft – wenn auch ungebeten – als ein konkreter Beitrag zur Umsetzung ihres friedenspolitischen Anliegens.


Diese Heftvorschau ist Teil einer Kooperation mit WeltTrends. Die Bildrechte liegen bei WeltTrends.


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