Schlusspfiff!

Die Fußball Weltmeisterschaft 2010 ist zu Ende, und damit auch unser „Abseits-in-Afrika“-Spezial zur WM. Zeit, um nach dem Schlusspfiff zurück zu blicken. Von Steven Carthy

Zum Elfmeterschießen – oder besser bis zu den Studien zum Elfmeterschießen – hat es das /e-politik.de/-Spezial „Abseits in Afrika“  nicht geschafft, aber das ist ja eigentlich auch gar nicht so schlimm. Dafür haben wir uns Hymnen angehört, versucht den tieferen Sinn des Stadionjubels zu analysieren und überlegt, ob Südafrika durch die WM einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kick erfährt. Nicht zu vergessen wurde die Nachhaltigkeit der Investitionen in Südafrikas Infrastruktur beleuchtet und der weibliche Fußballfan als immer häufiger wiederkehrende Spezies betrachtet.

Vor der WM hatten manche Experten und Werbetreibende noch mit ihren Prognosen auf die falschen Pferde gesetzt und nur die wenigsten hätten erwartet, dass Favoriten wie Argentinien, Brasilien und Italien, der Weltmeister von 2006, frühzeitig aus dem Turnier ausscheiden würden. Doch dies machte den Weg frei für eine andere Mannschaft, sich zum ersten Mal den Cup zu holen. Schmerzlich zwar für uns Deutsche, dass mit dem Halbfinal-Aus der Traum vom vierten Stern erneut weitergeträumt werden muss, aber umso schöner für die Spanier, den ersten WM-Titel mit nach Hause zu nehmen.

Die WM der „ersten Male“

Die WM in Südafrika war, auch wenn man sie sich fußballerisch etwas stärker und spannender gewünscht hätte, sicher eine WM der „ersten Male“. Denn zum ersten Mal fand eine Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent statt, zum ersten Mal flog das Nationalteam des Austragungslandes in der Gruppenphase raus, zum ersten Mal errang Spanien den Weltmeistertitel und zum ersten Mal lernten wir, dass man auch in Fußballstadien gehen kann, um zu tanzen.

Zum ersten Mal wurde bei einem Interview nach dem Spiel die Reporterin vom Torwart der Siegermannschaft geküsst, zum ersten Mal gab es auf Youtube.com einen Vuvuzela-Knopf, während deutsche Fernsehtechniker zum ersten Mal versuchten, das summende Geräusch zu filtern. Ja Deutschland spielte sogar richtig schönen Fußball! „Weltmeister der Herzen“ wurde die deutsche Elf aber leider nicht zum ersten Mal.

In vielerlei Hinsicht war die WM also eine Premiere. Doch das Debüt ist, entgegen vieler Erwartungen, gut gelungen. Im Vorfeld der WM gab es zahlreiche Stimmen, die es Südafrika nicht zutrauten, das Turnier reibungslos über die Bühne zu bringen. Die Fertigstellung der Stadien, die Sicherheit der Gäste in dem von hoher Kriminalität geplagten Land bis hin zur gesundheitlichen Gefährdung der Fans durch das laute Getröte der Vuvuzelas gab viel Anlass für Kritik, die sich aber für uns Zuschauer in der Nachschau nicht immer als berechtigt erwies.

Vuvuzelas gegen die „Schiedsrichter-Pfeifen“

Selbst die Vuvuzela-Gefährdung wurde gleich nach Beginn der WM durch die frohe Nachricht geschwächt, dass es nun Vuvuzelas gäbe, die weniger laut tröteten, als die 127 Dezibel, die eine gewöhnliche Vuvuzela maximal erreichen kann. Wären in Südafrika auch die leiseren Vuvuzelas zum Einsatz gekommen, hätten so manche Spieler wohl auch die Pfiffe der Schiedsrichter besser gehört. Die Lautstärke einer Schiedsrichterpfeife liegt nämlich mit 121,8 Dezibel deutlich unter dem Ton der Vuvuzelas – bedenkt man, dass ein Unterschied von 10 Dezibel die gefühlt wahrgenommene Lautstärke verdoppelt bzw. halbiert.

Auch wenn die Pfiffe der Schiedsrichter der Theorie zufolge schwer hörbar waren, mehrten sich während der WM die Stimmen, dass viele Schiedsrichter manche Spiele „verpfiffen“ hätten. Paradebeispiele waren das nicht gegebene „Wembley-Revanche-Tor“ der Engländer gegen Deutschland, der Abseits-Treffer des Argentiniers Carlos Téves oder auch das nicht gegebene, aber korrekte Tor, der USA gegen Slowenien. Selbst im Finale ahndete der Schiedsrichter Howard Webb klare Vergehen der Spieler teils zu hart aber teils auch viel zu schwach. Vielleicht wurden die Schiedsrichterentscheidungen ja tatsächlich manchmal auch durch die Fans beeinflusst, wie es Studien zum Heimvorteil zufolge durchaus möglich erscheint.

16h im Büro und kein Livestream-Fenster?!

Schade eigentlich, dass wir nun wieder zur Normalität zurückkehren müssen. Hatte man sich doch in den letzten Wochen so daran gewöhnt, überall grün leuchtende Fernseher zu sehen und im Büro hinter dem Rücken des Chefs das kleine Livestream-Fenster geöffnet zu haben. Aber so können wir uns umso mehr auf eine schöne Fußball-WM 2014 in Brasilien freuen. Vielleicht fliegt ja dort der Gastgeber auch schon in der Vorrunde raus, Österreich schafft die WM-Qualifikation, die Werbeexperten setzen diesmal gleich auf Thomas Müller, Diego Fórlan oder Bastian Schweinsteiger und Deutschland holt den vierten Stern! Wir werden es sehen. /e-politik.de/ bleibt sicher am Ball, vielleicht ja auch „Abseits in Brasilien“.


Die Bildrechte liegen bei /e-politik.de/ (Serien-Logo), bei thetelf von Wikimedia Commons (Webb, unter Creative-Conmmons lizensiert) und bei Dundas Football Club von Wikimedia Commons (Vuvuzela-Gruppe, unter Creative-Commons lizensiert).


Im /e-politik.de/-Spezial „Abseits in Afrika“ erschienen folgende Beiträge:

Abseits in Afrika

Singen für den Sieg

Afrika, mach Lärm für uns!

Von Fußball, Fans und Frauen

Ein Kick für Südafrika?

Bist Du eingentlich Deutschland?

Die Grüne WM?

Die berechenbare WM

Die falschen Pferde

Vuvuzelas nirgendwo!

Schlusspfiff!


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:

Spielerisch aus der Krise

WeltTrends 72: Südafrika hebt ab!

Weltmeister der Herzen