WeltTrends 71: Selektive Grenzen

Für die einen ist sie ein historisches Auslaufmodell, für andere eine moralische Zumutung, öffentlich findet sie selten jemand gut, jedoch ist sie ein Fait accompli – die Grenze. Unser erklärtes Ziel ist ein „grenzenloses Europa“. Im Innern der Europäischen Union sind die Schlagbäume mittlerweile verschwunden, an den Rändern, auch zu europäischen Nachbarn, schotten wir uns jedoch immer stärker ab.

Die Grenze, die sich heute um die EU zieht, entwickelte sich seit den 1970er Jahren und formte sich dann unter dem Begriff Schengen. Heute ist diese Außengrenze der EU ein wichtiger Politikbereich der 27 Mitglieder. Entsprechend hoch sind die Mittel für grenzrelevante Programme und Institutionen wie INTERREG oder FRONTEX. Die EU-Außengrenze ist ambivalent. Oft ist sie kaum spürbar: An einigen Stellen überqueren sie Tausende von Pendlern täglich, wie an der zur Schweiz, oder niemand kümmert sich um sie, wie zwischen Schweden und Norwegen. An anderen Stellen jedoch verhindert meterhoher Stacheldraht das Überqueren, wie in Melilla und Ceuta an der EU-Grenze zu Marokko. Meist ist sie eine Art Limes: Durchlässig für den Austausch bestimmter Waren und mancher Personen, zugleich Schutz gegen das Eindringen der Anderen, der Fremden, der Barbaren. Wie die EU heute „sortiert“ und wie dabei die Grenze von der Linie wieder zum Raum zurückkehrt, das diskutieren – kenntnisreich und ohne moralischen Zeigefinger – in dieser Ausgabe junge Autorinnen und Autoren aus Leipzig und Bremen.

Wer gibt schon gern sein Scheitern zu? So verkündete denn die Londoner Konferenz zu Afghanistan auch lieber eine „neue Strategie“. Verspricht die Illusion, einen Teil der „Taliban“ kaufen zu können, eine weitere Erhöhung der Ausgaben, so lässt „das Exponieren in der Fläche“ wahrlich Gefährliches erahnen. „Es wird zunächst schlimmer“, so ein hoher deutscher Militär in Afghanistan. Der angebliche Strategiewechsel führt zu mehr Kämpfen in Talibanistan, damit auch zu mehr Opfern, unter Soldaten und Zivilisten, unter Afghanen und Deutschen. Alternativen sind deshalb weiterhin gesucht; im Forum Afghanistan dieses Heftes werden einige diskutiert.


Diese Heftvorschau ist Teil einer Kooperation mit WeltTrends. Die Bildrechte liegen bei WeltTrends.


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