Herausforderung im Großformat

Megacities sprießen wie Pilze aus dem Boden. Die Zahl der Riesenstädte ist rapide gestiegen. Das bringt viele Probleme mit sich, aber auch Chancen. Die deutsche Industrie wittert bereits profitable Geschäfte. Von Birgit Schaubach

Die Verstädterung der Erde schreitet rapide voran und stellt die urbanen Räume vor beinahe unlösbare Aufgaben. Bereits die Hälfte der Menschheit lebt in einem städtischen Ballungsraum. Während New York im Jahr 1950 die einzige Stadt mit mehr als 10 Millionen Einwohnern war, gab es bis zum Jahr 2000 schon über zwanzig. Heute werden bereits knapp 30 Städte als so genannte Megacities bezeichnet.

Spitzenreiter Tokio

Per Definition sind Megacities urbane Ballungszentren mit über 10 Millionen Einwohnern. Tokio ist hierbei Spitzenreiter: eine Hyperstadt mit mittlerweile 37,5 Millionen Einwohnern. Dahinter reihen sich Shanghai, New York, Sao Paulo, Mexico City, Neu Delhi, Teheran, Karatschi, Mumbai und Rio de Janeiro ein. Der Großteil dieser gigantischen Metropolen befindet sich in Asien, doch auch auf anderen Kontinenten wächst die Anzahl der Megacities kontinuierlich.

Die Ursachen für die rapide Urbanisierung sind unterschiedlich. Der Hauptgrund ist im weltweiten Bevölkerungswachstum zu finden. Gleichzeitig wachsen vor allem Städte in Ländern mit expandierender Industrie und insbesondere in Staaten mit unterentwickelten Regionen oder solchen, die durch Kriege zerstört wurden. Die Urbanisierung wird auch künftig zunehmen. Laut Prognosen der UNO sollen bis zum Jahr 2050 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben.

Kampf den Problemen

Durch den großen Zuzug von Menschen in die Megacities kommt es automatisch zu Wohnungsknappheit und hohen Mietpreisen, die sich viele Menschen nicht leisten können. Armensiedlungen entstehen, häufig begleitet von mangelhafter Infrastruktur und Gewalt. Alle Megacities müssen mit denselben charakteristischen Problemen kämpfen: Umweltverschmutzung, Armut, hohe Arbeitslosigkeit und Ghettoisierung.

Die tatsächliche Tragweite des rasanten Städtewachstums ist jedoch noch nicht abzuschätzen. Zu beobachten ist beispielsweise ein Rückgang der Geburtenrate in den Megametropolen im Vergleich zu ländlichen Gebieten. Besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Unterschied sehr groß. Gründe dafür sind unter anderem spätere Heirat, höhere Bildungsstandards, einfacherer Zugang zu Verhütungsmittel und steigende Frauenbeschäftigungsquoten.

Die größten Chancen für den Menschen können wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteilen für den Einzelnen sein: Durch die Konzentration im urbanen Raum kann der Zugang zu Information, sozialen Dienstleistungen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen besser und kostengünstiger bereitgestellt werden. Viele der Millionenstädte bieten auch vorbildliche Infrastrukturen und sind dadurch oftmals ökologischer und nachhaltiger als so manche Kleinstadt.

Lukrative Aufträge winken

Mit diesen Entwicklungen hat sich im März das „World Urban Forum“ beschäftigt. Während man vor Ort in Rio de Janeiro an Strategien und Lösungen für die Megacity-Probleme diskutierte, witterten und wittern die Global Player der Bau-, Umwelt- und Verkehrstechnik ihre Chance. Besonders die durch die Wirtschaftskrise angeschlagene Autoindustrie erhofft sich wieder lukrative Aufträge. So sollen unter anderem Elektroautos in den Megacities bald zum Alltag gehören. Die  Energieindustrie konzentriert sich ebenfalls verstärkt auf effiziente Nachhaltigkeits- und Verbundsysteme, die speziell in Megametropolen zum Einsatz kommen sollen. Insbesondere sehen Energieexperten die Chancen im Ausbau intelligenter nachhaltiger Netze, so genannter Smart Grids, um die Stromversorgung flächendeckend zu gewährleisten. Hier vermutet besonders die deutsche Industrie große Zukunftschancen.

Die Probleme der Megacities verdeutlichen: Der Zuzug in die Städte kann nicht aufgehalten werden, die Potentiale, die große Städte bieten, können aber sinnvoll genutzt und in Vorteile umgewandelt werden. Durch eine nachhaltige und gerechte Vernetzung und Verteilung von Ressourcen könnte so auch die Schere zwischen Arm und Reich verringert werden, die in den meisten Megacities das größte Problem darstellt. Konkrete Lösungen hierfür hat die UN allerdings noch nicht gefunden.


Die Bildrechte liegen bei JamesJustin (Tokio) bzw. irre 1010 (Rio) und sind als  Creative Commons lizensiert.


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