Berlinale 2010: Sehr gute Dokumentation über den iranischen Wahlkampf

Ein herausragender Beitrag der Sektion Panorama Dokumente war Red, White & The Green des Iraners Nader Davoodi. Nur mit einer kleinen Handkamera ausgestattet porträtierte er die drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl im Juni 2009: Teheran präsentiert sich in diesen knapp 60 Minuten als sehr junge, pulsierende Stadt mit vielen optimistischen und fröhlichen Gesichtern.

Die grünen Bänder und Schals der Reformbewegung des unterlegenen Kandidaten Mussawi kommen durch einen kleinen Kunstgriff besonders zur Geltung: Davoodi retuschierte in einigen Passagen alle sonstigen Farben weg, so dass das hoffnungsvolle Grün einen Kontrast zum Schwarz – Weiß – Hintergrund bildet.

Red, White & The Green lohnt sich wegen der vielen Statements aus erster Hand: Die Frustrierten, die keinem der beiden Lager mehr trauen, kommen ebenso zu Wort wie die jungen Mussawi – Fans und Ahmadinedschad – Anhänger aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. So entsteht ein dichtes Bild der gärenden Situation mit einigen Skurrilitäten: Ein Mann argumentiert, dass er vor allem deshalb für Ahmadinedschad stimmen werde, weil er gehört habe, dass die iranische Grüne Reformbewegung von deutschen Faschisten und der Grünen Partei unterstützt werde. 

Dieser aufschlussreiche Film überzeugt, weil die meisten Aussagen fundierter sind als solche Verschwörungstheorien, und weil auch die ästhetische Umsetzung trotz begrenzter Mittel sehr ansprechend ist und auf der Höhe des aktuellen Niveaus internationaler Dokumentarfilme ist.

Red, White & The Green wurde in Berlin als Weltpremiere gezeigt. Bisher haben die iranischen Zensurbehörden auf das Projekt noch nicht reagiert und dem Regisseur und Publizisten Nader Davoodi auch die Reise zur Berlinale erlaubt.  Im Gegensatz zu seinem prominenteren Kollegen Jaher Panafi, der 2006 für seinen beeindruckenden Film Offside ausgezeichnet wurde und wegen seiner eindeutigen Unterstützung der Opposition nicht an einer geplanten Podiumsdiskussion in Berlin teilnehmen durfte.

Wohl auch deshalb hielt sich Davoodi im Publikumsgespräch ziemlich bedeckt und vermied jede Festlegung, die ihn bei seiner Rückkehr nach Teheran in Schwierigkeiten bringen könnte.

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