Meryl Streep als Margret Thatcher und böse Mediensatire

Ein Highlight der Berlinale war die Verleihung des Goldenen Ehrenbären an Hollywood-Star Meryl Streep, die mit einer beeindruckenden schauspielerischen Leistung als The Iron Lady Margret Thatcher bei der Gala-Vorstellung zu erleben war und bald auch bundesweit in den Kinos zu sehen wird.

Der Film spaltet seit Wochen die Gemüter in Großbritannien, da er die ehemalige britische Premierministerin, die von 1979 bis 1990 in Downing Street No. 10 residierte, mit ihrer Altersdemenz porträtiert. Sie spricht immer wieder mit ihrem längst verstorbenen Gatten Dennis und taucht in die Erinnerungen ab, findet sich in der Gegenwart aber schon beim Einkaufen in der ersten Filmsequenz nicht mehr zurecht.

Regisseurin Phyllida Lloyd zeichnet mit ihrer Hauptdarstellerin das Bild einer durchsetzungsstarken Frau, die sich aus einfachen Verhältnissen als Tochter eines Krämers an die Uni von Oxford und in die damalige Männerbastion des britischen Unterhauses hocharbeitet. Der Film enthält sich jeder Wertung über die umstrittensten Aktionen ihrer Amtszeit: Sie provozierte Massenproteste der Gewerkschaften, als sie Bergwerke schliessen ließ und die Arbeitnehmerrechte beschnitt. Ihre glühenden Anhänger sagen, dass sie die Talfahrt der Nachkriegsjahre stoppte und Großbritanniens Wirtschaft mit hartem Spar- und Deregulierungskurs sanierte. Ihre Gegner werfen ihr vor, dass sie den Neoliberalismus mit aller Verve durchsetzte und damit Entwicklungen lostrat, die auch die Finanzkrise auslösten. Unbestritten ist, dass sie ihre Ära nachdrücklich geprägt  hat und bis heute die politische Debatte erhitzt. Die Rückblenden auf den harten Streit um die Wirtschaftspolitik, den Falkland-Krieg mit Argentinien und das IRA-Attentat auf ihren Parteitag in Brighton von 1984 sind das Herzstück des Films.

Gegen Ende vergisst man fast, dass auf der Leinwand "nur" Meryl Streep und nicht die echte Margret Thatcher zu sehen: Der Film zeichnet im letzten Drittel eindrucksvoll nach, wie sie ihre engsten Mitarbeiter in Kabinettssitzungen abkanzelt und sich in ideologischen Flat-Tax-Steuersenkungs-Ideen verrennt, so dass sie ähnlich wie Stoiber in Kreuth 2007 mit einer Palastrevolution der eigenen Abgeordneten erlebt, da sie die Stimmung an der Basis und bei den Wählern nicht mehr richtig wahrnimmt.

Auch ohne genaue Kenntnisse der britischen Zeitgeschichte ist der Film, der auf der Berlinale außer Konkurrenz präsentiert wurde und ein Oscar-Favorit ist, eine interessante politische Studie, die auch mit dem räumlichen und zeitlichen Abstand hochaktuelle Fragen über den richtigen wirtschaftspolitischen Kurs aufwirft.

Eine weiteres Berlinale Special präsentiert den neuen Film La chispa de la vida des spanischen Regisseurs Alex de la Iglesia, der bei uns bisher noch im Schatten von Pedro Almodóvar steht. Neben Dictado beweist auch dieser Film, dass das spanische Kino mit interessanten Stoffen und kreativen Ideen glänzt. La chispa de la Vida erzählt von der Massenarbeitslosigkeit in Spanien. Ein Familienvater bekommt in der PR-Branche keinen Fuß mehr auf den Boden, obwohl er einen Coca Cola-Slogan erfunden hat, und wird bei seinen Bewerbungsversuchen auf demütigende Art abgefertigt. Als er voller Nostalgie an den Ort seiner Hochzeitsreise fährt, stürzt er in die Baustelle von Ausgrabungen eines Amphitheaters und liegt mit einem Eisennagel im Hinterkopf bewegungsunfähig am Unfallort.

In seiner intelligenten, temporeichen, um keine absurd anmutende Wendung verlegenen Mediensatire zeigt de la Iglesia, wie sich die Filmteams auf die Sensation stürzen. Der verletzte Mann wittert die Chance, seine 15 Minuten Berühmtheit zu versilbern und engagiert einen schmierigen PR-Agenten, der um die Honorare für Exklusiv-Interviews feilscht. Die Sender geben der Frau des Opfers, gespielt von Salma Hayek, zu verstehen, dass die Gage selbstverständlich dann am höchsten wäre, wenn Roberto nicht überlebt und nur das eine Interview hinterlässt.

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