Berta Cáceres – Honduranische Menschenrechts- und Umweltaktivistin

Ihr Leben widmete sie dem Schutz der indigenen Minderheit sowie der Umwelt in Honduras. Besonders durch ihren Einsatz gegen die Aufstauung des Gualcarque wurde sie weltweit bekannt. Leider bezahlte Berta Cáceres, wie auch andere ihrer Weggefährten/innen, ihr Angagement mit dem Leben. Aber die von ihr mit gegründeten Organisationen setzen den Kampf fort. Von Angela Unkrüer

Berta Cáceres

In den frühen Morgenstunden des 3. März 2016 drangen Unbekannte in die Wohnung der honduranischen Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres in der Kleinstadt La Esperanza im Departement Intibucá ein und töteten die 44-Jährige mit mehreren Pistolenschüssen. Ihr mexikanischer Kollege Gustavo Castro Soto, der sich ebenfalls in der Wohnung aufhielt, kam mit leichten Verletzungen davon. Als Augenzeuge der Tat fürchtet er seither um sein Leben.

Berta Cáceres arbeitete bis zu ihrem gewaltsamen Tod als Koordinatorin für das Civic Council of Popular Indigenous Organisations in Honduras (COPINH) – eine Nichtregierungsorganisation und Graswurzelbewegung, die sie 1993 als Studentin gegründet hatte. Die unerschrockene Aktivistin gehörte zur indigenen Volksgruppe der Lenca, die unter anderem am Flusslauf des Gualcarque im Nordwesten des Landes beheimatet ist und von der mestizischen Mehrheitsgesellschaft skeptisch betrachtet wird. Die Lenca leben größtenteils von der Subsistenzwirtschaft und nutzen den Fluss als Nahrungs- und Trinkwasserquelle. Zur besseren Ausbeutung der Wasserressourcen in der ländlichen Region entschied die Regierung Mitte der 2000er-Jahre, den Gualcarque mit einer Kaskade von insgesamt vier Staudämmen aufzustauen. Die Bauarbeiten an dem Großprojekt begannen 2012 – ohne jedoch die Zustimmung der indigenen Bevölkerung einzuholen, die im Besitz der Landtitel ist. Bis heute haben die Lenca dem Staudammprojekt, an dem neben dem lokalen Energieunternehmen Desa auch das deutschen Joint Venture Siemens Voith Hydro beteiligt ist, nicht zugestimmt, auch wenn mutmaßlich gefälschte Unterschriftenlisten kursieren, die das Gegenteil behaupten.

Karte Honduras
Karte von Honduras

Stattdessen wehrt sich die Mehrheit der Einheimischen vehement gegen den Ausverkauf ihres Landes und der darauf befindlichen Ressourcen. Die charismatische und eloquente Cáceres, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit 20 Jahren für die Rechte der indigenen Bevölkerung eintrat, stieg rasch zu einer Wortführerin der Proteste auf. Gemeinsam mit anderen COPINH-Aktivisten organisierte die Mutter von vier Kindern den friedlichen Widerstand gegen das Staudammprojekt, der unter anderem Demonstrationen an der Baustelle, Radiosendungen und zivilen Ungehorsam umfasste. Die Behörden reagierten mit einer Mischung aus Diffamierung, Repression und Einschüchterungsversuchen – eine Taktik, die sich bereits bei früheren Protesten bewährt hatte. In der Folge wurden die Lenca-Aktivisten mit falschen Anschuldigungen überzogen oder sahen sich diffamierender Berichterstattung in den regierungsnahen Medien ausgesetzt. Von Beginn an schreckten die Sicherheitskräfte auch vor brutaler Gewalt nicht zurück. So wurde das COPINH-Mitglied Tomás Garcia 2013 am Rande einer friedlichen Demonstration von einem Soldaten erschossen.

Auch Berta Cáceres sollte diskreditiert werden. Die gelernte Lehrerin wurde wiederholt verhaftet und 2013 wegen illegalen Waffenbesitzes angeklagt. Ein weiteres Verfahren wegen widerrechtlicher Aneignung von Land folgte. Beide Anklagen wurden 2014 fallengelassen. Die Versuche, Cáceres und ihre Mitstreiter einzuschüchtern oder zu kriminalisieren, bewirkten jedoch das genaue Gegenteil: Der mutige Protest der Lenca fand zunehmend internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. So wurde Cáceres 2015 mit dem renommierten Umweltpreis der Goldman Environmental Foundation ausgezeichnet.

Demonstration für Berta Cáceres 2016 Washington
Demonstration für Berta Cáceres 2016 in Washington

Nicht zuletzt aus diesem Grund war die Empörung über den Mord an der engagierten Umweltschützerin groß: Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sowie der UN-Hochkommissar für Menschenrechte verlangten Aufklärung; in der Hauptstadt Tegucigalpa kam es zu Ausschreitungen, so dass sich Präsident Juan Orlando Hernández schließlich zu einer Fernsehansprache genötigt sah. Der Tod von Berta Cáceres „erfülle alle Honduraner mit Trauer“, las Hernández mit Leichenbittermiene von seinem Sprechzettel ab und versicherte mit feierlichem Ernst, dass die Täter die volle Härte des Gesetzes treffen werde.

Die Krokodilstränen aus dem Präsidentenpalast können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Regierung bei dem von Cáceres bekämpften Staudammprojekt eine mehr als unrühmliche Rolle gespielt hat, indem sie sich erst nonchalant über die verbrieften Rechte der indigenen Bevölkerung hinwegsetzte und sich anschließend nach Kräften bemühte, den Protest der Einheimischen zu unterdrücken. Außerdem müssen sich die Sicherheitskräfte den Vorwurf gefallen lassen, durch ihr Handeln bzw. Unterlassen Cáceres Ermordung zumindest erleichtert zu haben. Denn die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte der honduranischen Regierung 2015 Schutzmaßnahmen für Cáceres empfohlen, die zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 30 Morddrohungen erhalten hatte. Trotz dieser Empfehlungen sah die Polizei jedoch keinen Anlass, zum Schutz der unbequemen Aktivistin tätig zu werden. Der Guardian berichtete zudem über Todeslisten des Militärs, auf denen auch Cáceres Name gestanden haben soll.

Demonstration für Beta Cáceres 2016

Aufgrund des internationalen Drucks haben sich die honduranischen Behörden immerhin zu ernsthaften Ermittlungen durchgerungen, nachdem man zunächst offenbar versucht hatte, die Hintergründe des Verbrechens zu vertuschen: Unmittelbar nach der Tat hatte die Polizei noch von einem Raubmord gesprochen, um sodann einen COPINH-Unterstützer als mutmaßlichen Täter zu präsentieren. Tatsächlich scheinen die Spuren jedoch eher in Richtung eines politischen (Auftrags-) Mordes zu weisen: So wurden sechs Personen aus dem Umfeld des Energieunternehmens Desa sowie des Militärs festgenommen, die nach eigenen Angaben umgerechnet 20.000 Euro für die Tat erhalten haben wollen.

Honduras bleibt also weiterhin ein gefährlicher Ort für Umweltschützer: Allein zwischen 2010 und 2015 wurden 109 zumeist indigene Aktivisten getötet. Wie zur Bestätigung dieser Statistik mussten die Umweltschützer von COPINH in den vergangenen Monaten den Verlust weiterer Mitglieder hinnehmen. Nur zwei Wochen nach dem Mord an ihrer streitbaren Koordinatorin wurde ein COPINH-Unterstützer von honduranischen Sicherheitskräften getötet. Eine andere Aktivistin fand man im Juli 2016 ermordet auf einer abgelegenen Straße. Die verbliebenen Umweltschützer sind jedoch fest entschlossen, ihren Kampf gegen das Staudammprojekt fortzusetzen. Dabei helfen könnte ihnen eine ebenso einfache wie scharfsinnige Einsicht, die Berta Cáceres nach Jahren des Protests über ihre Gegner gewonnen hatte: „Sie haben Angst vor uns, weil wir keine Angst vor ihnen haben.“

Der Beitrag erschien zuerst in WeltTrends 118 – Die Gier nach Rohstoffen.
Die Autorin Angela Unkrüer ist Redakteurin der Fachzeitschrift WeltTrends.


Bildrechte
Bild 1: Berta Cáceres. Urheber: Prachatai. Lizenz: Creative Commons
Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)
Bild 2: Karte von Honduras. Urheber: CIA – World Fact Book. Lizenz: Public Domain.
Bild 3: Demonstation at the United States, State Department, Washington, D.C. 4.März.2016. Autor: Slowking. Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial 3.0 Unported (CC BY-NC 3.0).
Bild 4: Demonstration für Berta Cáceres 8.März 2016. Autor: Monk fotogrtafia. Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0)


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/
Tilmann Rüppel: Der Fußballkrieg.
Jan Künzel: WissensWerte: Menschenrechte im Fokus.
Michaela Meurer: O Chamado da Floresta – Wenn der Wald ruft.

Ein Kommentar auf “Berta Cáceres – Honduranische Menschenrechts- und Umweltaktivistin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.