Carlo Ancelotti: Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt

Carlo Ancelotti - Quiet Leaders
Carlo Ancelotti – Quiet Leadership

Der neue Trainer des FC Bayern München ist ein charismatischer Trainer. Sein Erfolg basiert auf einer klaren Führungsphilosophie. Von Christoph Rohde

Carlo Angelottis Buch „Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt“ gibt interessante Einblicke in den Werdegang, das Denken und die Erfolgsgeheimnisse des Startrainers, der im Juli Trainer Pep Guardiola beim FC Bayern ablöst. Überrascht wird der Leser durch die Tatsache, dass der eigentlich cool Kaugummi kauende, robust wirkende Italiener sein Erfolgsgeheimnis auf der Beziehungsebene ansiedelt. Mit Strategien indirekter Führung gelingt es Ancelotti, den Respekt, die Loyalität und den bedingungslosen Siegeswillenn aus seinen Spielern herauszukitzeln. Die Statements zahlreicher Superstars von Zlaten Ibrahimovic bis Tony Kroos beweisen, dass Ancelottis Methode nachhaltig und erfolgreich ist.

Bodenständigkeit als Kind von Weinbauern gelernt

Der neue Bayern-Trainer stammt aus einfachsten Verhältnissen – seine Eltern waren Weinbauern, die ein kleines Gut besaßen. Obwohl er nie hungern musste, lernte er in seinem Elternhaus, Knappheit, Klarheit und hohe Arbeitsqualität zu schätzen. Obwohl sie wenig Geld hatten, so gab es im Hause Ancelotti doch immer Essen und Wein sehr hoher Qualität, berichtet Ancelotti. Und wie seine Weggefährten in einzelnen Beiträgen betonen, muss man im Umgang mit dem Startrainer eines beachten: Wenn man ihn zum Essen einlädt, dann muss dieses sehr, sehr gut sein! Hoffentlich weiß Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge von dieser Präferenz.

Entscheidende Anfangserfolge als Trainer

Seinen Erfolg als Trainer führt der dem Jahrgang 1959 entstammende Ancelotti einerseits auf seine Erfahrungen als Spieler im Profibereich zurück, aber vor allem auch auf seine Anfangserfolge als Trainer. Er vertritt die These, dass eine Trainerkarriere frühzeitig beendet sein kann, wenn nicht zügig Erfolge eintreten. Von zentraler Bedeutung waren auch die Vorbilder, von denen er sich das notwendige Rüstzeug abschaute; hier nennt Ancelotti seinen Nationaltrainer Arrigo Sacchi, unter dem er 1994 in den USA mit Italien Vize-Weltmeister wurde sowie den weniger bekannten schwedischen Trainer Nils Liedholm. Ancelotti schaffte beim AC Reggiana nach holprigem Start im Jahre 1996 gleich den Wiederaufstieg in die Serie A und wurde mit dem damals als höchstens Mittelmaß einzustufenden AC Parma italienischer Vizemeister. Damit hatte er den Boden für großartige Erfolge vor allem beim AC Mailand, mit dem er mehrfach (2003, 2007) die Champions League gewann, aber auch bei Real Madrid bereitet. Dass er später bei FC Chelsea und Paris St. Germain weniger Erfolg hatte, verhehlt der bodenständige Trainer keineswegs. Diese Tatsache führte er hauptsächlich auf die besondere Eigentümerstruktur dieser Vereine zurück.

Allianzarena in München - Ancelottis neue sportliche Heimat
Allianzarena in München – Ancelottis neue sportliche Heimat

Stärke durch das Herstellen persönlicher Beziehungen

Dass Ancelotti, der in der medialen Darstellung häufig eher distanziert wirkt, gerade im Aufbau und Bewahren persönlicher Beziehungen seine Stärke hat, überrascht. Die Vielzahl und Heterogenität der Stars, die in einzelnen kurzen, im Buch abgedruckten Statements Ancelottis Einfluss auf sie darstellen, bestätigt die Rolle Ancelottis als „Divenflüsterer“. Ob Zlatan Ibrahimovic, David Beckham, John Terry, Christiano Ronaldo oder Toni Kroos – sie alle erzählen Geschichten darüber, wie Ancelotti prägenden Einfluss auf sie ausübte. Und: konträr zu geschäftsüblichen Praktiken hält der Italiener Beziehungen zu seinen Spielern aufrecht, auch wenn er für einen anderen Verein arbeitet. Ancelotti, der inzwischen auch ein mit modernen Analysemethoden arbeitender „Laptop-Trainer“ geworden ist, zitiert in Bezug auf seine Führungsart Einstein, der sagte: „Nicht alles, was man zählen kann, zählt auch, und nicht alles, was zählt, kann man zählen.“ Es sind die nicht quantifizierbaren Beziehungen, das Zuhören, die Loyalität, der Respekt, die den Italiener zu einem Erfolgstrainer machen. Intuitiv hat er erfasst, was die moderne Managementtheorie als wirkungsvolle Führungsprinzipien darstellt.

 Trainingsgelände des FC Bayern
Trainingsgelände des FC Bayern

Parallelen zur Geschäftswelt intuitiv erfasst und umgesetzt

Ancelotti, der Realist, wusste, dass er sich dem Willen der Clubbesitzer anpassen musste, so absurd deren Wünsche im operativen Geschäft auch sein mochten. Das tat er, und er zeigte dabei hohe diplomatische Künste. Wie die Unternehmensberater Mike Forde und Chris Brady in einem Nachwort zeigen, erwies sich Ancelottis Führungsstil deshalb als so erfolgreich, weil er ein „Talentmanager“ war, der authentische Führung, transparentes Verhalten, und transformationale Führung im Haifischbecken Profifußball in überragender Weise umsetzte. Seine Prinzipien stehen in Modelisten der Managementtheorien ganz oben, so die Experten. Dazu realisierte er das Prinzip „dienender Führung“, das er ruhig und unaufdringlich ins Werk setzte.

Das Buch ist aufgrund seines originellen Aufbaus nicht nur für Fußballfans, sondern auch für Führungskräfte in Sport und Wirtschaft zu empfehlen. Und es macht deutlich, dass es dem FC Bayern und der gesamten Bundesliga gut tun wird, neue italienische Impulse zu bekommen.

Carlo Ancelotti: Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt.
ISBN: 978-3-8135-0752-2. Randomhouse 2016. 316 S. 19,99 Euro.

Weitere Informationen auf den Seiten des Verlag im Internet.


Die Bildrechte am Cover liegen beim Knaus Verlag.
Die Bildrechte der übrigen Fotos liegen beim Autor.


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