Und sie erwärmt sich doch

Polkappe
Abgeschmolzene Polkappen können ganz einfach zu einem Schneeball zusammengerollt und zurückgebracht werden.

Forscher warnen auf der Pariser Welt-Klimakonferenz vor dem Anstieg des Meeresspiegels. Doch die Sintflut wurde bereits in den Apokryphen angekündigt. Droht die Apokalypse? Ja, sagen Vertreter der These gottgewollten Klimawandels, und das sei gut. Glosse von Raschad Salem

Wer konnte denn ahnen, dass die staatliche Förderung regenerativer Energien und die Sanktionierung von CO2-Emmissionen Interessen etablierter Industrien berührt? Besonders betroffen sind die armen regionalen Unternehmen aus der fossilen Energiebranche. Diese attackieren finanzstark die „Energiewende“ als bloßes Schlagwort, das einen massiven Eingriff in das Leben der Menschen und in die Wirtschaft legitimiere.

Jahrzehntelange millionenschwere Propaganda aus der Treibstoff-Branche schlägt zuweilen fragwürdige Blüten: Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes werde ein Rückbau moderner Zivilgesellschaft betrieben, erklären deutsche Retro-Aktivisten. Zurück in die Steinzeit, laute das Motto der „Klimafaschisten“, in eine Höhle, in der das Anzünden eines Lagerfeuers wegen der CO2-Emission verboten sei.

Öl-Pipeline hin, Ölpipeline her: ist nach dem Kyoto-Protokoll auch der Weltklimavertrag von Paris reif für die Bio-Tonne, weil sich die „Fossilen“ nicht um Ihre verfrackten Pfründe bringen lassen möchten? Die Vertreter der Branche ringen bereits um die letzten fadenscheinigen Argumente und stellen absurde Behauptungen auf:

Neuer deutscher Exportschlager: RD2.0-Klimakühlschrank
Neuer deutscher Exportschlager: RD2.0-Klimakühlschrank

It´s Time for Politics

Auf dem Mars herrschten unbestritten die gleichen Temperaturen wie auf der Erde, behauptet ein Senator aus Kentucky schamlos. Dort setze niemand auf den Abbau fossiler Energiequellen. Damit sei doch völlig ausgeschlossen, dass der Abbau fossiler Brennstoffe für eine Erderwärmung sorge. Nebenbei sei bemerkt, dass der Senator ein Unternehmen im Kohlebergbau betreibt.

150 Jahre Klimaforschung schmolzen dahin, als im März 2015 ein republikanischer Abgeordneter einen Schneeball in den amerikanischen Kongress trug. Damit bewies er, wie ungewöhnlich kalt es in Washington für diese Jahreszeit tatsächlich war. Niemand kann seither ernsthaft von einer Klimaerwärmung sprechen.

Dekarbonsierung bedeutet für diese Akteure nach einem Barbecue den Grill reinigen. Geradezu teilnahmslos führen sie die Menschheit auf das Schafott, mit wissenschaftsfeindlichen Parolen aus den Zeiten eines auf dem Scheiterhaufen verbrennenden Galileo Galilei: „…und sie erwärmt sich doch“.

Ozonloch: Himmelspforte des Messias

Doch am härtesten trifft der anthropogene Klimawandel eine wachsende Zahl fanatisierter Gläubige: die Befürworter des gottgewollten Klimawandels. Sie legen, ungeachtet päpstlicher Weisung, die Ursachen stürmischer Wetterentwicklung in Gottes Schoß und preisen die Vorteile des Klimawandels:

Die Ursache für den Klimawandel könne man der Genesis entnehmen. Als erstes nach dem Befehl „Es werde Licht“, wurde mit der Trennung von Licht und Finsternis die Erde in Rotation versetzt, um die Energie der Sonne gleichmäßig über die Erde zu verteilen. Dabei war die Erde erst eine Scheibe und ploppte dann plötzlich zu einer Kugel auf, so entstand auch der Gedanke des Geoengineerings.

„Lasset megatonnenweise Schwefelpartikel in die Stratosphäre fliegen, damit sich der Himmel verfinstere und weniger Sonneneinstrahlung die Erde erwärme.“, fordern die Apokalypse-Fans. CO2 sei heilig, ein göttliches Düngemittel. Je mehr davon in der Luft wäre, desto besser sei das für das Pflanzenwachstum. Wieso sollten wir also die CO2-Emission verringern, wenn damit die Voraussetzung für bessere Ernten geschaffen würde, für blühende Landschaften.

Die Vorteile globaler Erwärmung würden von der Lügenpresse unterdrückt, dabei sei Gottes Klimawandel so wichtig für uns alle, wahrhaftig ein Geschenk, ja ein Wunder! Endlich Paradiesäpfel in deutschen Kleingartenkolonien, Bananen-Plantagen in Mecklenburg-Vorpommern und Freiluft-Tomaten am Rhein.

Vorteil steigender Meeresspiegel - Städtereisen per Schiff
Vorteil steigender Meeresspiegel – Städtereisen per Schiff

Klimawandel? Klimaanlage!

Deutschlands klimatische Ursachenbekämpfung hinkt der „klimatischen“ Verbesserung von Exportzahlen hinterher. Pragmatische Klimapolitik klingt hierzulande so: die Erderwärmung senkt Heizkosten, und damit den Verbrauch von Erdgas und Heizöl, was nicht nur Kommunen und Haushalte dauerhaft finanziell entlastet. Das würde auch die Umwelt schonen und attraktive Klimaziele näher rücken

Für die deutsche Wirtschaft ist der Klimawandel die größte technologische Herausforderung seit der Erfindung des Kühlschranks. Im Verbund führender Industrienationen entwickeln wir gemeinsam nachhaltige Spitzen-Technologien für führende Schwellenländer, gerade wenn es um effiziente Klima-Kühlsysteme geht.

Wie umweltschädlich der Austritt aus dem Braunkohleabbau eigentlich wirklich ist, zeigen Beispiele aus der Lausitz. Deswegen brauchen unsere Braunkohlewerke Schutz. Führende Klimaexperten plädieren daher längst für die rasche Aufnahme unserer Kohlehütten in die Liste des nationalen Kulturgutschutzgesetzes.

 


Bildrechte

Bild 1: Enormous snowball made in South Park in a snow-covered Oxford – Autor Kamyar Adl; Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).

Bild 2: Kühlschrank, Bosch, 1950–1954 – Autor Andreas Praefcke; Public Domain.

Bild 3: Hochwasser in der Passauer Altstadt, im Vordergrund das Wurm & Köck-Schiff Sissi. Juni 2013Stefan Penninger; Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).

Bildunterschriften: Raschad Salem.


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