Zweifelhaftes Tauschverbot

Nach einem Fußballspiel werden Konkurrenten zu Freuden. Durch das Tauschen ihres Trikots erweisen sich Fußballspieler gegenseitige Anerkennung und Respekt. Dem Iran soll diese Tradition bei der Weltmeisterschaft jedoch verwehrt bleiben. Von  Matthias Mertens 

90 Minuten bekämpfen sie sich unerbittlich. Robustes Verteidigen, harte Zweikämpfe und rüde Fouls. Während eines Fußballspiels sind die Spieler erbarmungslose Rivalen, die mit allen Mitteln um den Sieg für ihre Mannschaft kämpfen und dabei manchmal sogar die Regeln der Fairness verletzen. Aber sobald der Schlusspfiff ertönt, vergessen die Kontrahenten ihre Rivalität, stehen freundschaftlich zusammen, klatschen sich ab und tauschen ihre Trikots. Wie bei einem symbolischen Akt überreichen sich die Spieler ihre vom Schweiß durchnässten Jerseys als Zeichen des gegenseitigen Respekts und Würdigung. Ob im Vereinsfußball oder bei Länderspielen, nach fast jedem Spiel ist der Trikottausch zu beobachten.

Doch den Spielern der iranischen Nationalmannschaft bleibt dieses Ritual bei der Weltmeisterschaft in Brasilien verwehrt. Der Fußballverband des reichen Öllands untersagte seinen Kickern den Tausch ihrer Trikots. Da die Nationalelf des Irans aus Kostengründen nur wenige Trikots mit zur Weltmeisterschaft nimmt, müssen die Nationalspieler sparsam mit ihrer Spielkleidung umgehen. „Wir geben den Spielern nicht für jedes Spiel ein Trikot“, unterstrich Fußballpräsident Ali Kafashian die Sparmaßnahmen. Dabei könnten die iranischen Spieler mit ein paar zusätzlichen Shirts auch außerhalb des Fußballs ein Zeichen setzten. Denn ein getauschtes Trikot ist oft mehr als ein bloßes Erinnerungsstück.

Pele, der Erfinder des Trikottauschs

Die Geburtsstunde des Trikottauschs geht von einer brasilianischen Legende aus, des wahrscheinlich besten Fußballers des letzten Jahrhunderts. Während derWeltmeisterschaft 1970 in Mexiko trafen der spätere Weltmeister Brasilien und der Titelverteidiger England schon in der Vorrunde aufeinander. In einem umkämpften Spiel, siegten die Brasilianer nur knapp mit einem Tor. Superstar Pele war so beeindruckt von der kämpferischen Leistung der Briten, dass er nach dem Spiel zum englischen Kapitän Bobby Moore ging und ihm als Zeichen der Anerkennung sein Trikot überreichte. Moore verstand diese Geste sofort und gab auch Pele sein Trikot als Andenken an dieses ehrwürdige Spiel. Nicht nur die Zuschauer im Stadion und vor den Fernsehgeräten waren von dieser Respektsbekundung beeindruckt. Viele andere Fußballspieler ließen sich von dieser Szene inspirieren und ahmten sie nach. Zuerst tauschten nur die Mannschaftskapitäne ihre Trikots. Aber mit der Zeit wechselten immer mehr Trikots ihren Besitzer, sodass ein wahrer Tausch-Hype entstand. Heutzutage gibt es eine regelrechte Trikotjagd. Superstars wie Messi und Ronaldo werden schon zur Halbzeit von ihren Gegenspielern belagert. Sie wollen das Trikot ihres Idols als Beweisstück behalten, sich mit den besten Athleten ihrer Zeit gemessen zu haben. Auch Pele hatte gegen Ende seiner Karriere mehrere Trikots bei jedem Spiel für beeindruckte Gegenspieler dabei. Der respektsbekundene Kult verkam so immer mehr zum Sammlerbrauch.

Bei jedem Spiel ein neues Trikot

Doch ein Trikottausch der iranischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft wäre wohl mehr als nur ein Erinnerungsstück für die Galerie. Die freundschaftliche Weitergabe ihres Trikots und die intime Situation zweier Fußballspieler verschiedener Nationen fördert die Völkerverständigung. Unter dem neuen Regierungschef Hassan Rohani befindet sich der Iran momentan in Zeiten des Wandels. Israel werden Zeichen der Entspannung gesendet und mit dem Westen wird sogar verhandelt. Bis zum 20. Juni wollen die UNO-Veto Mächte und Deutschland mit dem Iran ein Abkommen bezüglich des umstrittenen Atomprogramms erreichen. Durch einfache Zeichen und Gesten kann der Sport beim Friedensschluss helfen.

Hoffnungen bleiben jedenfalls, dass die iranischen Kicker zumindest die Möglichkeit haben, durch den Trikottausch zur Völkerverständigung beizutragen. Fußballpräsident Ali Kafashian übersah offensichtlich, dass jedes Trikot das Datum des Spieltages sowie die Nationalflaggen beider Länder auf der Brust führen muss. Kein Trikot kann für ein weiteres Spiel verwendet werden. So steht dem symbolischen Akt der fairen Sportsmänner wohl trotz Tauschverbot nichts im Wege.

 


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2 Kommentare auf “Zweifelhaftes Tauschverbot

  1. Woher kommt die Info, dass eine Mannschaft Datum und Länderflaggen der Paarungen auf dem Trikot tragen muss? Bitte mal verlinken.
    Brasilien im Eröffnungsspiel hat eben dies nicht.
    So könnte man Irans Trikottausverbot auch durchaus positiv sehen, nämlich die Nachhaltigkeit in der Nutzung von Spielbekleidung.

  2. Die Verlinkung im letzten Abschnitt führt zu einem Artikel der FAZ. Hier erklärt der Sportartikelhersteller Uhlsport: „Keines der Trikots einer WM kann für ein weiteres Spiel verwendet werden, da diese Trikots immer die Flaggen und das Datum der Partie auf der Brust führen.“

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