Wahrscheinlichster Weltmeister? – Deutschland!

Statistische Modelle zur Vorhersage von Turnierverläufen sind im Fußball schwer in Mode gekommen. Für die WM 2014 laufen die Berechnungen fast alle auf Brasilien als Weltmeister hinaus. Ein Modell zweier Münchner Statistiker widerspricht nun – und macht deutschen Fans wieder Hoffnung. Von Tim Frohwein

Wenig überzeugend setzten sich die Brasilianer im Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gegen Kroatien durch. Schiedsrichter Nishimura und Superstar Neymar – für nicht wenige genau in dieser Reihenfolge – sorgten schließlich für einen 3:1-Auftaktsieg und dafür, dass Brasilien weiterhin der Topfavorit auf den Titel ist.

Kann die Seleção den Weltmeisterpokal also bald zum sechsten Mal in die Höhe recken? Ziemlich sicher, zumindest wenn man Statistikern Glauben schenkt. Ihre Modelle – von denen es diesmal so viele gibt, wie noch nie – sagen fast alle Brasilien als Turniersieger vorher. Mal mit hoher Wahrscheinlichkeit, wie laut den Berechnungen von Goldman Sachs-Chefökonom Dominic Wilson (48,5 Prozent), mal mit geringerer, wie in einem Modell österreichischer Statistiker (22,5 Prozent).

Der deutschen Nationalmannschaft stellt die Statistik dagegen nur Außenseiterchancen aus. Doch nun machen zwei Forscher der LMU München den Fans der DFB-Mannschaft wieder Hoffnung. Laut den Berechnungen von Dr. Andreas Groll und Gunther Schauberger hat Deutschland die größten Chancen auf den Titel – knapp vor Brasilien.

Das Modell simuliert die Anzahl der erzielten Tore – ein Alleinstellungsmerkmal des Modells

Auf den ersten Blick sind die beiden Statistiker dabei vorgegangen wie viele ihrer Kollegen auch: Auf Basis von Daten haben sie die Ausgänge der 64 WM-Spiele simuliert. Einen wichtigen Unterschied zu anderen Modellen gebe es dennoch, so Andreas Groll: „In unserem Simulationsmodell wurde nicht nur vorhergesagt, ob ein Spiel mit einem Unentschieden oder einem Sieg für die Heim- bzw. Auswärtsmannschaft endet. Es wurde stattdessen prognostiziert, wie viele Tore die beiden Teams im direkten Duell miteinander jeweils schießen werden – was am Ende natürlich auch die Vorhersage des Spielausgangs ermöglicht.“

Die Datengrundlage für diese Berechnungen bildeten die Spiele der vergangenen drei Weltmeisterschaften. Insgesamt 192 Partien hätten er und sein Kollege ausgewertet, erklärt Groll und weiter: „Auf Basis dieser Spiele wurde analysiert, wie sich bestimmte Größen auf die Anzahl der von einer Mannschaft erzielten Tore auswirken.“

Der Einfluss von Variablen wie dem FIFA-Weltranglistenplatz, der Wettquote oder dem Bruttoinlandsprodukt eines Landes sei auf diese Weise geschätzt worden. „Wie viele Tore ein Team erzielt, hängt darüber hinaus davon ab, wie viele Spieler sich in seinen Reihen befinden, die in der WM-Saison mit ihren Vereinsmannschaften mindestens bis ins Halbfinale der Champions League vorgedrungen sind“, berichtet Groll. In anderen Modellen sei diese Größe kaum berücksichtigt worden, er hätte auf diesen Zusammenhang bereits im Vorfeld der EM 2012 hingewiesen.

10 000 Simulationen später: Deutschland ist Weltmeister!

Mit diesen Daten haben Groll und Schauberger schließlich 10 000 Simulationen des WM-Verlaufs durchgeführt – mit einem erfreulichen Ergebnis für die deutsche Nationalelf: „Deutschland gewinnt das Turnier ein paar mal häufiger als Brasilien und ist damit – zumindest laut unserem Modell – der wahrscheinlichste Weltmeister“, so Groll.

Natürlich hätten auch alle anderen Modelle ihre Berechtigung und Qualität, gibt der Statistiker zu: „In manche Simulationen sind aktuellere Informationen zur Leistungsfähigkeit von Spielern – zum Beispiel das Abschneiden in der zurückliegenden WM-Qualifikation – berücksichtigt worden. Wir haben uns dagegen nur auf die Daten von drei Weltmeisterschaften konzentriert.“ Dennoch hofft Groll, dass er und sein Kollege Gunther Schauberger am Ende richtig liegen – „nicht nur aus der Sicht des Wissenschaftlers, sondern vor allem aus der Sicht des Fußballfans.“

Eine Kurzfassung der Studie von Dr. Andreas Groll und Gunter Schauberger findet sich hier.


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