Frauenfußball – eine Randsportart?

Frau am Fußball - diese Worte wecken bei manchen Zeitgenossen Klischeebilder.
Frau am Ball: Bei manch einem Zeitgenossen weckt das Klischeebilder im Kopf.

Sommer 2014: Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien ist nun zu Ende. Die deutsche Männernationalelf hat sich hervorragend geschlagen und wird von ganz Fußballdeutschland bejubelt. Doch wie genau sieht die Situation eigentlich bei den Frauen aus? Von Delia Vilz

„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt – Toooor! Toooor! Toooor!“ Wenn man an die zurückliegenden Fußballweltmeisterschaften denkt, verbindet man damit vor allem die glorreichen und weniger glorreichen Zeiten des deutschen Männernationalteams.

Dabei vergisst man jedoch oft, dass es den deutschen Kultsport auch für Frauen gibt. Wie die ersten Weltmeisterschaften hierbei abliefen und welche Erfolge dem deutschen Frauen-Nationalteam gelangen, ist den wenigsten Menschen hierzulande bewusst.

1991: das Jahr der ersten WM

Dabei liegen die Anfänge des mondialen Frauenfußballs gar nicht so weit zurück. Vor genau 23 Jahren, 1991, fand in China die erste WM statt. Jahrzehntelang war der Frauenfußball nur regional vertreten gewesen. Zwar gab es vereinzelt internationale Turniere, diese waren jedoch zum größten Teil nicht einmal kontinentübergreifend. Im Jahre 1988 fand unter der Obhut des Weltfußballverbandes FIFA das „Women’s Invitational Tournament“ erstmals mit Teilnehmern aus allen Kontinenten statt.

Die deutsche Frauenmannschaft 2008 beim UEFA Women’s Cup in Frankfurt am Main.
Die deutsche Frauenmannschaft 2008 beim UEFA Women’s Cup in Frankfurt am Main.

Der Grund, warum der internationale Frauenfußball erst so spät ins Leben gerufen wurde, bestand einzig und allein darin, dass es den Frauen zuvor verboten wurde, mit dem Ball am Fuß zu spielen. Fußball war reiner Männersport. Allgemein waren Frauen beim Sporttreiben sehr eingeschränkt gewesen. Früher galt es als männlich, wenn man Sport trieb – so auch in Deutschland. Hier wurde es den Vereinen im Zeitraum 1954–1970 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) verboten, Frauenfußballabteilungen zu gründen. „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand“, war die Begründung für die ausgerufene Regelung. Doch nicht nur, dass der weibliche Fußball erst 61 Jahre nach den Männern eine Weltmeisterschaft durchführen konnte, auch die Spielzeiten unterschieden sich. Statt 2 x 45 Minuten dauerte ein Spiel bei den Fußballerinnen nur 2 x 40 Minuten. Diese Regelung wurde jedoch 1995 aufgehoben und an die der Männer angepasst.

Der Frauenfußball muss sich beweisen …

Trotz der inzwischen verbesserten Bedingungen sind auch heute noch starke Differenzen zwischen den beiden Geschlechtern im Fußball vorzuweisen. Allein die Mitgliederstatistik hebt die Popularität des Männerfußballs hervor. Während dieser Laut dem DFB mit rund 5,5 Millionen Mitgliedern in Deutschland eine der beliebtesten Sportarten überhaupt ist, scheint der Frauenfußball als Randsportart unterzugehen.

Wobei durch die internationalen Erfolge des deutschen Frauennationalteams eine gewisse, wenngleich nur geringe Popularität besteht. Zwar war bei der in Deutschland ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft 2011 laut der FIFA das Eröffnungsspiel ausverkauft, doch während bei den Männern nach der WM die Popularität durch die mediale Präsenz der Bundesliga erhalten bleibt, gerät der Frauenfußball nach einem solchen Großereignis wieder in Vergessenheit. Aufgrund dessen versuchen die Medien, durch Liveübertragungen aller Spiele der deutschen Frauenmannschaft in den öffentlich-rechtlichen Sendern die Popularität des Frauenfußballs zu steigern. Die deutsche Frauenfußballbundesliga wird hier jedoch nicht mit eingeschlossen.

Die deutsche Frauennationalmannschaft 2012.
Die deutsche Frauennationalmannschaft 2012.

… aber warum eigentlich?

Der Versuch der Integration ist jedoch nur schwer umzusetzen, da eine allgemeine Akzeptanz des Frauenfußballs in der deutschen Gesellschaft fehlt. Viele Menschen, vor allem die männliche Bevölkerung, sind häufig der Ansicht, dass Frau und Fußball nicht zusammenpassen. „Eine Frau gehört in die Küche und nicht auf den Platz“, so lautet noch heutzutage oft das Klischee. Und solange sich dies nicht ändert, wird es dem deutschen Frauenfußball schwerfallen, sich neben den Männern zu etablieren.

Doch es besteht nicht nur eine mangelnde Toleranz, oft werden Frauen aufgrund ihrer Sportwahl sogar diskriminiert. Eine Organisation namens Discover Football setzt sich speziell gegen diese Art von Bloßstellung ein. Ihr Ziel lautet, einen diskriminierungsfreien Sport für Mädchen und Frauen aufzubauen. Neben der Entwicklung von Kampagnen zum Thema Ungleichheit bringt das Projekt durch Vernetzung von Frauenfußballteams Frauen aus verschiedenen Kulturen und unterschiedlichen sozialen Situationen zusammen. Bindeglieder stellen vor allem die gemeinsame Leidenschaft zum Fußball und das Engagement gegen Diskriminierung dar. Und vor allem der erste Punkt zeigt, dass es keine Rolle spielt, ob man männlich oder weiblich ist. Es geht um die Liebe zum Sport, um die Gemeinschaft und um die Freude am Spielen. Und genau das ist es, was den Fußball ausmachen soll.


Die Bildrechte liegen bei Frawowe (Fußball), Dontworry (UEFA Women’s Cup, Creative Commons) und bei Frank-m (Teamfoto, Creative Commons).


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3 Kommentare auf “Frauenfußball – eine Randsportart?

  1. Ich glaube, die Anlyse ist nicht umfassend. Der Frauenfußball wird von mir aktiv begleitet. Es liegt im wesentlichen an der Leistungsdichte. VfL Sindelfingen und SC13 Bad Neuenahr zeigen, wie manche Situationen falsch eingeschätzt werden. Beim MSV Duisburg, dem ehemaligen FCR, hat die neue Trainerin Inka Grings eben erst einen Kraftraum eingerichtet. Ohne die entsprechenden Trainingseinheiten geht es weder bei Männern noch bei Frauen. Spiele des VfL Wolfsburg oder FFC Frankfurt mit über 8000 und 7500 Zuschauern zeigen, das durchaus Anerkennung gegeben ist. Es kommt jetzt drauf an, das mehr Vereine professioneller an die Sache herangehen. Wenn man nicht schon am ersten Spieltag weiß, das die ersten Plätze unter Wolfsburg, Frankfurt und Potsdam aufgeteilt werden, dann wird das Interesse größer. Leistungsdichte führt uns weg von der Langeweile. Natürlich nicht im handumdrehen. Die Nationalmannschaft ist schon erfreulich angenommen.

  2. Hallo,
    Der Frauenfussball hat in den letzten Jahren sich sehr gut entwickelt. Die Akzeptanz in den Vereinen wird immer besser und somit auch die Präsenz. Bei uns in der Stadt ist das angenommen und die Topspiele haben Zuschauerzahlen die sich sehen lassen können. Natürlich können sie mit den Männern nicht mithalten das wollen wir auch nicht. Akzeptanz ist das was wir wollen. Die Frauen WM in Deutschland war ein riesiger Event die Zuschauerzahlen haben da für sich gesprochen. Die Männer WM ist das non plus Ultra und hielft auch uns.
    Wir werden in den nächten Wochen wieder Zulauf bekommen und das ist doch super. Also vergleicht nicht sonder akzeptiert und unterstützt.
    F.S. Tsv Amicitia Viernheim

  3. Die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft wurde von der B-Jugend des VfB Stuttgart geschlagen – wer soll die ernstnehmen?

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