„Eine einzigartige Partnerschaft“

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind für die Bundesrepublik Deutschland ein wichtiger Kooperationspartner in vielen Bereichen. /e-politik.de/ sprach mit dem amerikanischen Generalkonsul in München über die Gemeinsamkeiten der USA und Deutschlands sowie über die Bedeutung und Zukunft der transatlantischen Beziehungen. Ein Interview mit William E. Moeller von Isabelle-Constance V. Opalinski

William E. Moeller ist seit 2012 amerikanischer Generalkonsul in München. Zuvor war er im Weißen Haus, im Nationalen Sicherheitsrat tätig (2011-2012). Darüber hinaus leitete er die Abteilung für politisch-militärische und auswärtige Angelegenheiten in der US-Botschaft in Berlin (2007-2010).

/e-politik.de/: Wie fühlen Sie sich als Amerikaner in Bayern?

William E. Moeller: Ich fühle mich sehr wohl hier! Sie müssen wissen, ich habe bereits eine lange Beziehung zu Deutschland. Als 2-jähriges Kind bin ich mit meinen Eltern nach Bayern gezogen, nachdem mein Vater als Soldat in Fürth stationiert war. Meine Mutter hatte sich sofort in Bayern verliebt und ich teile diese Liebe bis heute! In den 1980er Jahren war ich selbst als Soldat in Bad Tölz und jetzt führt mich meine Aufgabe als Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika wieder nach Bayern zurück.

/e-politik.de/: Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit als US-Generalkonsul in München gesetzt?

Moeller: Die höchste Priorität ist vor allem, die jüngere Generation der Deutschen anzusprechen. Deswegen sind wir als Generalkonsulat auch sehr in den sozialen Netzwerken aktiv, um dort die jungen Menschen zu erreichen. Zum Beispiel haben wir eine Facebook-Fanpage mit ca. 4500 Fans und sind auch auf YouTube sehr aktiv. Darüber hinaus besuche ich regelmäßig Schulen, besonders Gymnasien und Realschulen. So möchte ich auch eventuelle falsche Wahrnehmungen der USA aus dem Weg räumen.

/e-politik.de/: Wie gestaltet sich so ein Besuch?

Moeller: Zunächst beschreibe ich die tägliche Arbeit des Konsulats und unsere Aktivitäten. Danach sprechen wir fast immer über die Außenpolitik der USA. An dieser Stelle muss ich auch sagen, dass die deutschen Schüler und Studenten mir immer sehr viele Fragen stellen, die mitunter durchaus kritisch sind. Diese versuche ich dann auch so gut wie möglich zu beantworten.

/e-politik.de/: Welche Frage war bis jetzt die kritischste?

Moeller: Nun, Afghanistan ist immer ein großes Thema. Der Einsatz in diesem Land ist in Deutschland nicht sehr beliebt, genauso wie mittlerweile in den USA. Aber nachdem wir dort jetzt schon 12 Jahre sind, ist es sehr wichtig, den Schülern und Studenten zu erklären, warum die Stationierung von Soldaten und zivilen Entwicklungshelfern von so großer Bedeutung ist. Ich habe selbst in Afghanistan gedient und bin ebenfalls der festen Überzeugung, dass wir einen sehr bedeutenden Auftrag zu erfüllen haben. Etwas Überzeugungsarbeit ist in dieser Hinsicht auf jeden Fall zu leisten, aber dies ist auch meine Aufgabe als Diplomat.

/e-politik.de/: Sind die transatlantische Beziehungen immer noch von Relevanz?

Moeller: Aber selbstverständlich sind die transatlantischen Beziehungen noch aktuell! Viele Deutsche denken, dass dies ein Thema von gestern sei und nur während des Kalten Krieges von Bedeutung war. Besonders die jungen Menschen sind der Meinung, dass ihre Zukunft in Europa liegt. Doch es gibt eine Reihe von Gründen, warum eine enge Kooperation weiterhin von Relevanz ist, ganz besonders zwischen Bayern und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Unsere Partnerschaft ist einzigartig und blickt seit der Nachkriegszeit auf eine lange gemeinsame Geschichte zurück. Während des Kalten Krieges waren in ganz Deutschland 20 Millionen US-amerikanische Soldaten stationiert. Das ist eine riesige Anzahl! So war es ganz natürlich, dass viele persönliche Kontakte zur deutschen Bevölkerung geknüpft wurden. Gegenwärtig ist es eine Herausforderung, diese besondere Beziehung aufrechtzuerhalten und zu pflegen. Zum Beispiel sind in Bayern, genauer gesagt in der Oberpfalz, aktuell 20.000 Soldaten stationiert. Wenn man die Soldatenfamilien dazunimmt, kommen wir auf eine Zahl von 45.000 US-Amerikanern. Zusätzlich sind die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten ebenfalls intensiv. Bayern verkauft in die USA mehr Produkte als in irgendein anderes Land.

Auch die geplante transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft wird unsere Beziehungen sicherlich verstärken. Bereits jetzt investieren viele Deutsche in den USA und umgekehrt. Viele amerikanische Firmen unterhalten zum Beispiel in Bayern Filialen, aktuell sind es um die 1000. So sind die wirtschaftlichen Kontakte und persönlichen Verbindungen sehr vielfältig und reich!

/e-politik.de/: Wie ist die Meinung der Amerikaner über die Deutschen?

Moeller: Wenn Amerikaner an Deutschland denken, meinen sie fast immer Bayern. Von den 1,5 Millionen US-Bürgern, die jedes Jahr Deutschland besuchen, kommt die Hälfte nur nach Bayern. Ein Viertel davon besucht ausschließlich das Münchner Oktoberfest.

/e-politik.de/: Welche Gemeinsamkeiten teilen die Amerikaner und die Deutschen?

Moeller: Uns verbindet viel mehr als uns unterscheidet. Unsere Partnerschaft innerhalb einer globalisierten Welt ist sehr wichtig. Nicht jeder hat die selben Grundwerte wie die USA und Europa. Wir respektieren geistiges Eigentum, die Menschenrechte und Frauenrechte. Wir stehen für eine freie Marktwirtschaft und gegen Wirtschaftsspionage.

Aber auch der Einsatz in Afghanistan hätte ohne die Hilfe der Deutschen nicht so erfolgreich ablaufen können. In diesem Bereich waren wir sehr auf Deutschland angewiesen. Die Bundeswehr hat in den letzten zwölf Jahren wirklich außergewöhnliche Leistungen erbracht.

/e-politik.de/: Wie sieht die deutsch-amerikanische Zukunft aus?

Moeller: Europa und die USA müssen eng zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Werte in der Welt zu behaupten. Selbstverständlich gibt es unter Freunden Meinungsverschiedenheiten, aber das ist normal. Unsere beiden Nationen haben einfach unterschiedliche Perspektiven. Deutschland, das sich mitten in Europa befindet, sieht manche Dinge anders als wir in Nordamerika. Dennoch können wir viel voneinander lernen. Das wichtigste ist die Kommunikation. Wir machen Fehler und wir sind nicht perfekt, aber wir streben das Richtige an. Ich persönlich denke auch, dass Deutschland in der Welt allgemein ein sehr respektiertes Land ist. Und das liegt vor allem daran, dass es einer der wenigen Staaten war, welcher nicht die Konfrontation mit der eigenen Geschichte gescheut hat. Das ist für die ganze Welt vorbildhaft. Die Deutschen sollten darauf stolz sein.

/e-politik.de/: Vielen Dank für das Gespräch!


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