Digitale Revolution im Kinderzimmer

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Sieht so die zukünftige Freizeitbeschäftigung der Kleinsten aus?

Computer und Internet sind heute in fast jedem Haushalt vorhanden. Mit dieser Technik hat sich ein Wandel vollzogen, der auch in Kinder-und Klassenzimmern Einzug gefunden hat. Von Anna-Lena Stauder 

Noch vor wenigen Jahrzehnten wuchsen Kinder mit einfachen Spielzeugen auf, verbrachten ihre Zeit vor allem mit Freunden im Freien. Durch Computer und moderne Technik haben sich Art und Umfeld, in dem Kinder heute aufwachsen verändert. Die Generation Y,  also junge Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, ist die erste Altersgruppe, die mit neuer medialer Technik aufgewachsen ist. Ihr wird nachgesagt alles zu hinterfragen, deshalb auch Y, was für das englische Wort „why“ steht. Im Gegensatz zu den sogenannten digital immigrants, denjenigen, die den Umgang mit Computer, Handy und Co. erst im Erwachsenenalter erlernten, wird die Generation Y, die man auch als digital natives bezeichnen kann, schon im Kindes-und Jugendalter mit der modernen Technik konfrontiert.

Doch wie geht die nachfolgende Generation, die sogenannte Generation Z, die Kinder- und Jugendlichen die nach 1995 auf die Welt kamen, mit Laptop, Smartphone und Tablet um? Verdrängen diese Gegenstände mit dem Einzug in die Kinderzimmer Bücher und gewöhnliches Spielzeug? Und falls ja, wie ist das zu bewerten?

Zahlen, Daten und Fakten zur Mediennutzung

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Immer seltener sind Klassenziimmer wie hier ohne Computer ausgestattet.

Die Kinder und Medien, Computer und Internet -Studien (KIM), welche der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest seit 1999 bereits zum neunten Mal herausgegeben hat, untersuchen das Medienverhalten von Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren. Die zuletzt 2012 erschienene Studie zeigt, dass die Computernutzung inzwischen im Alltag der Heranwachsenden eine bedeutende Rolle spielt. In 95 Prozent der untersuchten Haushalte ist mindestens ein Computer oder Laptop vorhanden, 21 Prozent der Kinder besitzt sogar ein eigenes Medium. Das Internet nutzen 36 Prozent der sechs bis 13-jährigen fast täglich. Die Studie zeigt aber auch, dass das Lesen von Büchern trotz Handy, Fernseher, Computer und Internet für die Heranwachsenden weiterhin von Bedeutung ist. Dominierendes Medium ist laut der Studie nach wie vor das Fernsehen. Der Untersuchung zufolge nutzen die Kinder im Internet vor allem Suchmaschinen. Diese finden auch bei der Vor- und Nachbereitung des SchulunterrichtsVerwendung. Denn auch in der Schule ist das Medium Computer wichtig geworden. 44 Prozent der Heranwachsenden im untersuchten Altersbereich sind mit dem Computer im Unterricht schon einmal in Berührung gekommen.

„Da kann man Onlinebanking machen“

In höheren Klassenstufen unterstützt der Computer die Lehrkräfte vor allem dabei, den Jugendlichen bestimmte Lerninhalte zu vermitteln. Aber auch in Grundschulklassen hat er als Arbeitsgerät Einzug gefunden. Dort kommt der Computer vorrangig zum Einsatz, damit die Kinder den Umgang mit dem PC erlernen. Eine selbstgeleitete kleine Studie in einer Grundschule, die keinen Anspruch auf Repräsentanz erhebt, zeigte mir, wie unterschiedlich die Computerkenntnisse der Kinder sein können. Diese Diskrepanz entsteht besonders aufgrund verschiedenster Vorbildung im Elternhaus. Bei einer Fragerunde, was man mit einem solchen Gerät alles so anstellen könne, antwortete ein 8-jähriges Mädchen ganz selbstbewusst: „Da kann man auch Onlinebanking machen. Das mach ich zuhause immer.“ Andere Kinder hatten bereits Schwierigkeiten mit der Bewegung der Maus.

Neben der Nutzung von Suchmaschinen liegen auch soziale Netzwerke bei der Untersuchungsgruppe hoch im Kurs. Facebook ist laut Studie mit 55 Prozent das beliebteste Netzwerk unter den Kindern, die bei einem sozialen Medium angemeldet sind. Die Verantwortlichen der Studie halten diese Entwicklung für kritisch, da die Nutzung laut den Nutzungsbedingungen von Facebook erst ab 13 Jahren erlaubt sei. Zudem ist das soziale Netzwerk in Zusammenhang mit dem Umgang persönlicher Nutzerdaten immer mehr in die öffentliche Kritik geraten.

Medienkompetenz der Eltern fördern

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In Anleitung eines Erwachsenen: Kinder informieren sich am PC über die Tierwelt

Bei der KinderMedienKonferenz, die im November 2013 in Berlin von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ausgerichtet wurde, beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Zukunft von Kindermedien. Der Präsident der bpb, Thomas Krüger, sagte in der Eröffnungsrede: „Noch nie standen Kindern mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um in unserer Gesellschaft mitzumachen, mitzureden und diese mitzugestalten.“ Er veranschaulicht die Medienentwicklung der letzten Jahre wie folgt: „Die digitale Revolution ist der Meteorit. Die neuen Arten sind unsere Kinder. Die Dinosaurier – das sind wir: die Jugendschützer, Jugendpolitiker, Medienpädagogen und Lehrer – all die Alarmisten des aktuellen Weltuntergangs.“ Gerade weil Eltern und Kinder sich oft in ihren technischen Kenntnissen voneinander unterscheiden, betont Krüger, wie wichtig der Kontakt zwischen Eltern und Kindern im Umgang mit Medien ist.

Die Medienkompetenz von Kindern und Eltern zu fördern hat sich das Bundesfamilienministerium zur Aufgabe gemacht. Das Ministerium unterstützt verschiedene Projekte und Initiativen, aus denen unter anderem der KinderServer entstanden ist. Er ermöglicht seit Februar 2013, dass Kinder am Computer und an mobilen internetfähigen Geräten sicher surfen können. Um die Medienkompetenz bei Eltern und Pädagogen zu stärken, sorgt das Bundesfamilienministerium für Informations-und Beratungsangebote und stellt Infomaterialien zur Verfügung.

Angebote für Kinder

Kindgerechte Seiten und Angebote für Kinder im Internet, auf denen verständliche Informationen bereitgestellt werden, entstehen mehr und mehr. Ein Beispiel für eine solche Website ist die Kindersuchmaschine Blinde Kuh. Die deutschsprachige und nicht-kommerzielle Suchmaschine wurde eigens für Kinder entwickelt. Neben sicheren Orten im Internet, die sich konkret an Kinder richten, ist und bleibt aber vor allem die Betreuung durch Erwachsene während der Computer-und insbesondere der Internetnutzung wichtig.


Die Bildrechte liegen bei Petr Kratochvil (Baby, Public domain), Withego (Klassenzimmer, Creative Commons) oder der Autorin (Schule).


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2 Kommentare auf “Digitale Revolution im Kinderzimmer

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