Die wahre Geschichte von Santa Claus

Weihnachten steht vor der Tür und nur eine Frage scheint derzeit ungeklärt: Wer bringt dieser Tage die Geschenke und warum? Zu viele Symbolfiguren und deren unklare Trennung voneinander haben Chaos gestiftet. Von Christiana Stern

Santa begrüßt WeihnachtseinkäuferViele von Ihnen mögen nun murmeln, das ist doch klar, in Deutschland bring das Christkind die Geschenke. Vor 30 Jahren gab es darüber im deutschsprachigen Raum keinerlei Zweifel. Doch in der Zwischenzeit zeichnet sich klar ein Trend ab. Hierzulande herrsche teilweise große Unwissenheit über die zentralen Symbolfiguren der deutschen Weihnachtstraditionen. Die Menschen kennen die Unterschiede nicht mehr, berichtet Felicitas Höptner, Leiterin des Deutschen Weihnachtsmuseums in Rothenburg. Dem nicht genug, werde der Weihnachtsmann immer häufiger mit der Werbe- und aus zahlreichen Hollywood-Filmen bekannten Figur des Santa Claus verwechselt. Deshalb stellt sich die Frage: Wer bringt an Weihnachten die Geschenke?

„Ho Ho Ho, ich bin der Weihnachtsmann-Nikolaus“

In diesem Strudel aus Verwirrung und Halbwissen, haben sich viele Kinder inzwischen ihre eigene Meinung zu diesem Thema geschaffen. Ihre Nummer Eins: eine Märchenfigur, die am Nordpol wohnt und eine Nacht lang mit Rentierschlitten um den Globus fliegt. Die deutschen Gabenbringer, allen voran das Christkind, scheinen immer mehr an den Rand gedrängt zu werden.

Kaplan Ralf Feix aus Schifferstadt weiß hierzu eine Anekdote aus dem Religionsunterricht bei seinen Drittklässlern zu erzählen. So geschehen kurz vor dem Nikolaustag. Auf seine Frage „Was malst Du denn da?“ antwortete ein Kind: „das ist doch der Weihnachtsmann und der kommt bald an Nikolaus.“ Aber Moment! – Nikolaus und Weihnachtsmann, oder die amerikanisierte Version des Santa Claus, sind doch nicht ein und dieselbe Person? Haben sie doch als Gabenbringer an zwei unterschiedlichen Terminen zu tun. Doch der Trend scheint eindeutig, Santa Claus, eine künstlich geschaffene Illusion, drängt sich immer mehr in den Vordergrund und verdrängt damit immer mehr sein Vorbild, den Heiligen Nikolaus, aus den Gedanken der Kinder. Die Bilanz: Märchengestalt siegt über historische Figur, die Gutes getan hat.

Welcher Schoko-Nikolaus ist der Richtige?Der heilige Nikolaus

Doch fangen wir von vorne an. Der heilige Nikolaus war Bischof von Myra um 300, so sagen die Legenden. Heute heißt dieser Ort Demre und liegt in der Türkei. Nikolaus soll besonders Kindern und Seefahrern aus ihrer Not geholfen haben. Schon früh entstand der Brauch, an seinem Namenstag, dem sechsten Dezember, Kindern in seinem Gedenken Geschenke zu machen. In der Zeit der Reformation ging vielerorts die Heiligenverehrung zurück.

Vieles deutet darauf hin, dass hier möglicherweise die Verwirrung ihren Anfang nahm, indem Luther das Konzept des „Heiligen Christen“ propagierte, der zum Fest der Geburt des Herrn Gaben überbringen sollte und schließlich in verniedlichter Form als Christkind im deutschsprachigen Raum zum Brauchtum wurde. Im Süden von Deutschland fand das Christkind Anklang und Verbreitung, im Norden und protestantisch geprägten Regionen, wie den Niederlanden in der Figur des Sinterklaas oder in Großbritannien als Father Christmas wurde der Weihnachtsmann schnell populär. Anfänglich sicherlich stark durch den Heiligen Nikolaus geprägt, begann dieser, wie zeitgenössische Postkarten aus dem 19. Jahrhundert zeigen, sich zu etablieren.

Santa, übernehmen Sie!

Vom mitteleuropäischen Weihnachtsmann bis zum Gabenbringer in rot-weiß, wie ihn heute jeder kennt, sollte jedoch noch ein Jahrhundert vergehen. Hierzu musste unter anderem auch ein Pfälzer in die USA auswandern. Thomas Nast aus Landau, der später in den USA als Vater des amerikanischen politischen Cartoons galt, nahm bereits vorhandene Elemente auf. Die Verknüpfung von Kindheitserinnerungen an den pfälzischen „Belzenickel“-Brauch (Nikolaus im Pelzmantel) und dem Sinterklaas-Brauch, den die Holländer mit in seine neue Heimat gebracht hatten, flossen in seine späteren Weihnachtsmann-Illustrationen ein. Rentier und Schlitten kannte er aus dem Gedicht The Night before Christmas von 1822.

Holländische Einwanderer hatten zwischenzeitlich Sinterklaas nach Neu Amsterdam, dem späteren New York, mitgebracht. Nach der Besetzung der Engländer wurde dieser sprachlich an seine neue Heimat angeglichen, zuerst Saint Claus, schließlich Santa Claus. Nun im pelzigen Gewand mit Pudelmütze. Weiter heißt es, dass Nast während seines Engagements für die Unionisten im US Bürgerkrieg erstmals 1863 einen Santa in „deren“ rot-weißen Farben malte, der vom Schlitten aus tapfere Soldaten beschenkte. In den 1920er Jahren setze sich dieses rot-weiße Weihnachtsmann-Outfit immer mehr durch und wurde standardisiert.

Santa Claus: Coca Colas bester VerkäuferTomas Nasts "Merry old Santa"-Holzschnitt, Harper's Weekly, 1881

Der Mythos, Coca Cola habe den Weihnachtsmann überhaupt erst erfunden oder zumindest in den Firmenfarben eingekleidet, hält sich bis dato erstaunlich hartnäckig. Der Brausehersteller lässt den Weihnachtsmann lediglich seit 1931 für sich als „Promi-Verkäufer“ arbeiten. Und das seit nunmehr 82 Jahren. Der schwedisch-amerikanische Werbezeichner Haddon Sundblom griff 1931 lediglich auf bereits Vorhandenes zurück, als er in einer Werbeannonce in der „Saturday Evening Post“ Cokes Santa zum ersten Mal zeichnete und diesen in Ihren Dienst stellte. Einzig die Ausgestaltung von Santas Gesicht lag in seiner Entscheidung. Die Fülle der Legenden hinsichtlich des Vorbilds reichen von pensioniertem Verkaufsfahrer mit weißem Haar und Bart bis hin zu späteren Selbstporträts. Santa warb fortan für den Konzern zur Weihnachtszeit, doch im Gegenzug übernahm der Konzern automatisch auch seine Vermarktung, sozusagen eine Win-Win-Situation. Und Coca Cola schickte von nun an Santa rund um den Globus.

Weihnachtsmann unter UNESCO-Schutz?

Die Frage warum die Deutschen sich so schwer tun, Traditionen zu bewahren scheint hier durchaus berechtigt. Die Gleichsetzung von Nikolaus und Weihnachtsmann oder Santa Claus haben Eines offengelegt: es fehlt die konsequente Ausübung und Bewahrung unserer Bräuche zur Weihnachtszeit, die letztendlich auf unseren christlichen Glauben zurückzuführen sind, so heißt es aus Kirchenkreisen. Mit großem Rückhalt und Zustimmung aus Kirche und Politik, setzt sich derzeit das Deutsche Weihnachtsmuseum in Rothenburg ob der Tauber dafür ein, dass der heilige Nikolaus, der Weihnachtsmann und das Christkind UNESCO-Kulturerbe werden, um deren Tradition zu bewahren und für kommende Generationen zu schützen. Wenn auch Sie möchten, dass Christkind, Nikolaus und Weihnachtsmann als immaterielles Kulturerbe in Deutschland unter UNESCO-Schutz gestellt werden soll, können sie den Antrag des Deutschen Weihnachtsmuseums per Mausklick unterstützen.


Die Bildrechte liegen bei der Autorin und Harper’s Weekly (Thomas Nasts „Merry old Santa“-Zeichnung).


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