Nockherberg 2013: Gut, Besser, Rosenmüller!

Uli Bauer als Christian Ude und Wolfgang Krebs als Horst Seehofer: "Wenn das der ist steck ich ihm meinen Finger in die Nase!"
Uli Bauer als Christian Ude und Wolfgang Krebs als Horst Seehofer: „Wenn das der ist steck ich ihm meinen Finger in die Nase!“

Standen die vergangenen Jahre auf dem Nockherberg ganz im Zeichen einer populären Castingshow, hat Marcus H. Rosenmüller in diesem Jahr ein wahres Feuerwerk gezündet. Der Nockherberg ist wieder da, wo er früher einmal war. Ein Kommentar von Steven Carthy

Es gehört einiges dazu, sich nach den vergangenen Jahren, die poppiger und bunter waren als gewöhnlich, an die Zeiten zu besinnen, in denen der Starkbieranstich am Nockherberg noch urig-bayerisch war. Dachte man doch der populäre Zeitgeist sei auf der Traditionsveranstaltung endgültig eingekehrt. Doch Regisseur Marcus H. Rosenmüller und Autor Thomas Lienenlüke gelang ein fulminantes Comeback in vergessen gedachte Zeiten.

Vorbei sind ab heute die Zeiten, in denen die Schauspieler des Singspiels auf dem Starkbieranstich des Münchner „Nockherbergs“ einzeln auf die Bühne treten und ihre Lieder singen. Mädels in Modedirndln, die hinter dem DJ-Pult Pop-Volksmusik Jingles auflegten sind ebenfalls passé. Das diesjährige Singspiel knüpfte wieder ganz an alte Traditionen an und bot der versammelten Politprominenz ein solides, durchdachtes und äußerst spitzfindiges Volkstheater.

Ude, Bause, Aiwanger, Söder und Seehofer (v.l.) beim Lagerfeuer in der "Waldesruh"
Ude, Bause, Aiwanger, Söder und Seehofer (v.l.) beim Lagerfeuer in der „Waldesruh“

Zelten in der „Waldesruh“

Im Zentrum des Stückes „Waldesruh“ von Rosenmüller und Linenlüke stand – ohne Überraschung – die Landtagswahl in Bayern im September 2013. Protagonisten: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). In den Nebenrollen Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Margarete Bause (Grüne), Markus Söder (CSU) und Ilse Aigner (CSU), begleitet von Gastauftritten von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als aufgehender Mond und einem ominösen Sohn eines sehr berühmten, aber mit keiner Silbe namentlich erwähnten bayerischen Ministerpräsidenten aus der Vor-Stoiber-Ära, dem es damals nach eigener Aussage egal war, wer unter ihm Bundeskanzler sei.

In freudiger Erwartung brachen die vermeintlichen künftigen Koalitionäre Ude, Aiwanger und Bause sowie das Dream-Team Seehofer und Söder zu einem Camping-Trip in die wäldliche Einöde auf – natürlich ohne von der anderen Gruppe zu wissen. Dass das überraschende Treffen Potenzial für reichliche Anspielungen bietet, lag auf der Hand. Doch Rosenmüller und Lienenlüke beließen es nicht bei den klassischen Landtagswahl-Gags, sondern schafften es, die Beziehungen der einzelnen Politiker subtil zu persiflieren.

Intelligente Witze und eine grandiose Band

Das gesamte Stück war im positiven Sinne übersät von zahlreichen intelligenten Anspielungen, die nicht ausformuliert werden mussten. So kommt Ilse Aigner mit einem überdimensionierten Dirndl auf die Bühne, in das sie erst noch hineinwachsen muss und der ominöse Ministerpräsidentensohn tritt als Förster auf und ermahnt alle Parteiströmungen nacheinander, den Saustall aufzuräumen, den sie im Wald hinterlassen haben.

Regisseur Marcus H. Rosenmüller
Regisseur Marcus H. Rosenmüller

Im Vergleich zu den Singspielen 2011 und 2012 war die Musik eher zurückhaltend. Die Musiker wurden über ihre Kostüme in das gelungene Bühnenbild integriert, so dass der Zuschauer meist nicht bemerkte, dass sie die gesamte Zeit mitten im Szenenbild standen. Angenehm und gekonnt inszeniert war die musikalische Untermalung stets präsent, aber nie unangenehm störend. Eben nicht, wie in den letzten Singspielen, als sie als zentrales Element genutzt wurde um die Protagonisten sprechen zu lassen. Die Musik war an vielen Stellen bayerischer, ohne so aufgesetzt zu wirken wie in den letzten Jahren. Komponist Gerd Baumann von der Band „Banana Fishbones“ hat hier ganz große Arbeit geleistet.

Ein Kompliment an alle Schauspieler und besonders an Marcus H. Rosenmüller und Thomas Lienenlüke darf natürlich an dieser Stelle auch nicht fehlen. Die gesamte Inszenierung, die Witze, das Derblecken waren grandios. Der Nockherberg ist endlich wieder attraktiv geworden und lässt das bayerische Herz höher schlagen. Und das gerade heute – an dem Tag, an dem ein bayerischer Papst seine letzte Generalaudienz im Vatikan gegeben hat.

 

Dieser Text ist Teil des /e-politik/ Dossiers zum Nockherberg.


Die Bildrechte liegen bei B. Erdoedy von Wikimedia Commons (Rosenmüller). Die restlichen Bilder sind Screenshots der Liveübertragung des Bayerischen Rundfunks.


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:

Nockherberg: Das Dossier

Nockherberg 2012: Lasst euch nicht verarschen!

Interview mit Luise Kinseher

Ein Kommentar auf “Nockherberg 2013: Gut, Besser, Rosenmüller!

  1. Die Luise Kinseher ist komplett unpolitisch und in dieser Rolle völlig fehl am Platz. Das ist kein Comedian Event mit seichten Allgemeinplätzen. Hier sollte es politisch zu Sache gehen. Gerne auch etwas rauher, das ist Tradition, aber nicht persönlich, sondern ausschließlich politisch.
    Die Bavaria ist nicht politisch, sie agiert ausschließlich auf der persönlichen Ebene.
    Wir hatten schon so gute Redner, wie Bruno Jonas oder den Lerchenberg. Die waren politisch und „saugut“. Deshalb mussten sie auch gehen, denn die haben unseren Volksverdrehern die Wahrheit gesagt. Nun haben wir die zahme Bavaria und alle Politiker sind sich einig. Die muss bleiben.
    Diese Veranstaltung gibt es nicht, um den Politiker zu gefallen, sondern um sie zurück ins Volk zu holen, wenn sie zu weit abgehoben haben. Die haben nicht nur weit abgehoben, die leben inzwischen auf einem anderen Stern. Deshalb wünsche ich mir wieder einen „guten Redner“, gerne auch eine Frau, aber nicht wieder die Luise Kinseher.
    Was auch total nervt ist die Anbiederung der „Reporter“ wenn sie ausschließlich die Politiker befragen, wie es ihnen gefallen hat. Warum wird nicht das Volk befragt? Den Politikern muss das nicht gefallen, das muss dem Volk gefallen! Ist das Volk überhaupt noch zugelassen bei dieser Veranstaltung? Ich habe den Eindruck, dass das Volk inzwischen gänzlich unerwünscht ist und hier nichts mehr zu melden hat.

    Schade um eine gute Tradition.

    Mir hat das Singspiel nicht so gut gefallen. Auch hier fehlte mir die aktuelle Politik.

Schreibe einen Kommentar zu Margarete52 Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.