Lässt sich Managern Moral lehren?

Das Studienangebot Ethikum der Hochschule München wurde von der UNESCO prämiert.
Das Studienangebot Ethikum der Hochschule München wurde von der UNESCO prämiert.

Bestechung, Korruption und Mobbing scheinen in der Wirtschaft beinah alltäglich. Prof. Dr. Angela Poech versucht an der Hochschule München Managern die Grundzüge ethischen und nachhaltigen Handelns zu vermitteln. Von Iris Pufé

Bestechung, Steuerhinterziehung, Korruption, Mobbing,  Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen,  in einer globalisierten Weltwirtschaft steigen die Anforderungen an Manager. Nicht nur ökonomisch, sondern gerade auch ethisch. In den Curricula Studierender ist davon aber selten die Rede.

Daran müsse sich etwas ändern, dachte Angela Poech, Professorin für Entrepreneurship an der Hochschule München. Manager hättenen neben der wirtschaftlichen auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Und die lasse sich in einer komplexen Unternehmenswelt nicht mehr ohne weiteres voraussetzen, sondern müsse systematisch vermittelt werden.

Besonders die Siemens-Korruptionsaffäre von 2006 und die Finanzkrise 2008 haben Poech gezeigt, dass ein massives Umdenken auf Managementebene notwendig sei. Um das Problem bei der Wurzel zu packen, initiierte sie den Zertifikatsstudiengang ETHIKUM, in dem Studierende Sinn und Nutzen von Moral, Ethik und Nachhaltigkeit – in Theorie wie Praxis – durchdringen.

Ethik auf dem Lehrplan? Fehlanzeige

Bisher gibt es nur eine Handvoll von Fachhochschulen, die ihren Studierenden eine solche Möglichkeit bieten. In Baden-Württemberg zum Beispiel ist ein ETHIKUM-ähnliches Studium bereits Bestandteil des Ethikförderprogramms der Fachhochschulen und wird an der Hochschule für Technik Stuttgart oder der Hochschule Rottenburg angeboten – der Programmverantwortliche, Professor Dr. Michael Wörtz, stand als Coach für das Modell in München Pate.

Das Besondere am ETHIKUM ist, dass es nicht nur um trockenes Fachwissen geht. Während des Programms sollen Studierende vor allem die Fähigkeit zum transdisziplinären Arbeiten und zur Reflexion der eigenen Wertevorstellungen erhalten. Dabei helfen Beispiele ethischen Handelns aus dem Arbeitsalltag, dem Prüfstein moralischen Handelns. Das ETHIKUM „ist sehr praxisorientiert aufgesetzt, obwohl es ein höchst normatives Thema ist“, sagt Poech.

Studierende zeigen sich interessiert

Die Verantwortlichen des Ethikum um Prof Dr. Angela Poech.
Die Verantwortlichen des Ethikum um Prof Dr. Angela Poech.

Am mangelnden Interesse der Studierenden kann die geringe Anzahl an Studienangeboten jedenfalls nicht liegen. Bei der Eröffnungsveranstaltung zum ETHIKUM waren mehr als hundert Interessierte, darunter viele Studierende, anwesend. Eine von ihnen war Katharina Kegelmann. Die 24-jährige Tourismusmanagement-Studentin zeigt sich begeistert von dem neuen Angebot. „Wenn ich später im Tourismus arbeite, will ich nicht für die verheerenden Begleiterscheinungen wie Umweltzerstörung mitverantwortlich sein“.

Bei einem Surfurlaub vor drei Jahren habe sie mit eigenen Augen gesehen, dass es im Tourismus nicht nur um Hochglanzprospekte geht. Auf Bali, wo sie ihren Urlaub verbrachte, bestimmten Plastikmüll und verdreckte Küsten statt Palmen und weißer Strände das Bild. Seither sieht Kegelmann die tourismusbedingte Erschließung sehr viel kritischer.

„Wir machen das genaue Gegenteil von Greenwashing“

Neben den Studierenden sind auch die Unternehmen bereit sich ihrer Verantwortung zu stellen. Dies beweisen die Vielzahl von Corporate (Social) Responsibility- und Nachhaltigkeitsberichten, die derzeit gern als Kommunikationsinstrument von Konzernen publiziert werden. Dass dabei nicht alles nur Marketing ist, zeigt das Beispiel des Sportartikelherstellers Puma.

Als einziges Unternehmen veröffentlicht es eine Umwelt-Gewinn-Verlust-Rechnung, aus der hervorgeht, wie stark die Produkte die Umwelt belasten. Einbezogen wird die gesamte Wertschöpfungskette von den Rohstoffen über die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb.

„Wir machen das genaue Gegenteil von Greenwashing“, erklärt Verwaltungsratsvorsitzender Jochen Zeitz, „wir können belegen, was wir behaupten.“ Ergebnis dieser Analyse ist unter anderem die Einführung einer Ökolinie im Produktsortiment.

Denkt die Wirtschaft langsam um?

Beispiele wie Puma zeigen, dass in der Wirtschaft ein Umdenken einsetzten könnte. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Siemens den Studiengang mit konzipiert hat.

„Die sagen sich: Wir brauchen Leute, die ethisch geschult sind, wir wollen Mitarbeiter, die sich in CSR auskennen“, erklärt Initiatorin Poech die Gründe für das Engagement der Wirtschaft. Außerdem befördere ein ethisches Geschäftsmodell die Arbeitgeberattraktivität, Konzerne könnten so einem Arbeitskraftmangel gegensteuern.

Das klingt nach guten Voraussetzungen für den Karrierestart. Vielleicht schreckt es deshalb so wenige Studierende, dass es im ETHIKUM keine Creditpoints für erbrachte Leistungen gibt, sondern „nur“ ein Abschlusszertifikat der Hochschule München. „Ich find’s cool vom Konzept her – freiwillig und frei wählen!“, sagt Tourismus-Studentin Kegelmann.


Die Bildrechte liegen bei der Hochschule München.


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