Die CSU – wirklich zum Regieren verdammt?

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Chancen und Risiken der CSU analysiert Ulrich Berls in seinem neuen Buch über die bayrische Partei.

Wenige Wochen vor der bayerischen Landtags- und der Bundestagswahl erscheint ein Buch zur Rolle der CSU im deutschen Politikbetrieb. Autor Ulrich Berls vertritt dabei eine diskussionswürdige These. Von Christoph Rohde

Der Buchtitel ist Programm: „Bayern weg, alles weg“ lautet die prägnante Formel, die der Leiter des ZDF-Landesstudios und Kenner der bayerischen Verhältnisse, Ulrich Berls, prägt. Der Untertitel lautet: „Warum die CSU zum Regieren verdammt ist“. Nach einer Chronologie der Regierungszeit der „erfolgreichsten Partei der Bundesrepublik“ folgt eine Analyse einzelner Persönlichkeiten, bevor die strukturellen Chancen und Risiken für die Partei dargelegt werden, denen sich die Partei in näherer und mittlerer Zukunft zu stellen habe.

„Buch des erklärenden Hausarztes“

In seiner Einführung zu Berls Buch im Münchner Presseclub charakterisierte Wolfram Weimer, ehemaliger Chefredakteur des Cicero und heutiger Verleger diverser Wirtschaftsmagazine, selbiges als „Buch des erklärenden Hausarztes“. Weder habe der Verfasser als Scharfrichter noch als Apologet geschrieben, auch arte das Buch nicht in eine professorale Analyse aus. Einen wissenschaftlichen Anspruch erhebt Berls explizit nicht. Das Buch lebt stattdessen von den persönlichen Erfahrungen des ZDF-Journalisten in den zuweilen provinziellen Tiefen der bayerischen Politik.

CSU lebt von Schwäche der Opposition

Damit die CSU ihre Rolle als hegemonialer Regionalpartei mit überregionalem Einfluss bewahren kann, muss sie in Bayern sehr stark sein und bleiben, ist Berls überzeugt. Denn als Oppositionspartei drohe sie in Berlin marginalisiert zu werden. Und im Gegensatz zu anderen Parteien gebe es nur dieses eine Kernland. Verliert die Partei hier, ist der Schaden für die Binnenstrukturen groß. Es ist keinesfalls so, dass Berls einen Regierungswechsel nach den kommenden Wahlen für wahrscheinlich hält. Zu schwach sei die Opposition. Die Freien Wähler betrachtet der Autor als die größte Herausforderung für die CSU in mittlerer Zukunft. Denn gerade in ländlichen Kommunen, der Stärke der Strauß-Erben, weisen die Freien Wähler Hubert Aiwangers großes Potenzial als konkurrierende Kraft auf.

Ulrich Berls leitet das bayrische ZDF-Landesstudio.
Ulrich Berls leitet das bayrische ZDF-Landesstudio.

Erfolge machen bequem und überheblich

Der CSU hängt der dramatische Wahlsieg unter Edmund Stoiber aus dem Jahr 2003 mit einer Zweidrittelmehrheit der Parlamentssitze bis heute nach, glaubt der Autor. Denn dieser Sieg führte zu einer großen Selbstzufriedenheit, aber auch Selbstzerfleischung: Den dramatischen Absturz Stoibers ab Herbst 2005 nach seinem Rückzug von der Zusage eines Wechsels als „Superminister“ nach Berlin, empfindet Berls als tragisch und unverdient. Er verhinderte eine auf Selbstreflexion basierende innere Reform der Partei. Horst Seehofer sei nach der Wahlniederlage von 2008 alternativlos gewesen.

Doch schwarz sieht Berls für die CSU keineswegs. Sie verfüge weiterhin über ein beachtliches jüngeres politisches Potenzial (er hält Ilse Aigner für eine mögliche Kronprinzessin); außerdem begünstige die Krise innerhalb Europas den Trend zur Regionalisierung die Partei. Und gegenwärtig könne die CSU über gute Bilanzen in Bayern reden und sich im Schatten der Kanzlerin sonnen. Die Ausgangsthese, wonach die CSU zur „Regierung verdammt“ sei, wird nicht konsequent durchgehalten.

Titel reißerischer als der Inhalt

Das Buch bietet für den neutralen Leser dann doch weit weniger Sprengstoff als der Titel verspricht. Denn auch bei ähnlich dominanten politischen Parteien erwies sich der Machtverlust als nur temporär wie im Falle der SPD in Nordrhein-Westfalen. Es gibt allerdings gute Einsichten in die individuellen Charaktere der bayerischen Politikszene. Vor allem für CSU-Mitglieder bietet das Bändchen jedoch einige interessante Denkanstöße. Und im Presseclub wurde noch einmal klargestellt, dass das Buch nichts mit der legendären Szene zwischen dem ZDF-Heute-Journal-Chef Klaus Kleber und Horst Seehofer („Das können Sie alles senden!“) zu tun hatte – Berls schrieb dieses Buch als „Privatmann“.

Ulrich Berls: Bayern weg, alles weg – Warum die CSU zum Siegen verdammt ist. Verlag Droemer Knaur, München. 207 Seiten. ISBN 978-3-426-78632-1


Die Bildrechte liegen beim Verlag (Cover) und Rico Rossival (Portrait).


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Der Verlag im Internet: http://www.droemer-knaur.de/home

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