Vierzig Jahre und (k)ein bisschen schlauer

18. Dez 2012 | von Iris Pufé | Kategorie: Nachhaltigkeit - Wunsch und Wirklichkeit
Meadows spricht über die Zukunft einer nachhaltigen Gesellschaft
Dennis Meadows, der Vater der modernen Umweltschutzbewegung, skizziert im Amerika Haus München die Zukunft von Erde und Menschheit. Ein Veranstaltungsbericht von Iris Pufé

Am 4. Dezember lud das Rachel Carson Center im Rahmen derVeranstaltungsreihe „Leitbild Nachhaltigkeit“ ins Amerika Haus München zum Vortrag von Dennis Meadows. Anlässlich des 40. Jubiläums der Publikation Die Grenzen des Wachstums referiert Co-Autor Meadows über “Die Grenzen des Wachstums und die Zukunft der Menschheit”. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe zum Wissenschaftsjahre 2012, welches unter dem Motto „Zukunftsprojekt Erde“ steht. Jeder der 500 Stühle im Saal ist besetzt, einige Gäste stehen. Das Publikum könnte man dem grünen Lager zuschlagen, alle Altersgruppen sind vertreten.

Meadows – Vater der modernen Umweltbewegung?

1972 veröffentlichten Meadows und sein Forscherteam den ökologischen Weltkonjunkturbericht Die Grenzen des Wachstums. Die Studie sorgte weltweit für Furore, weil sie unterschiedliche Szenarien aufzeigte, wie sich die Erde und die Gesellschaft künftig entwickeln könnten. In der Studie warnte Meadows bereits vor vier Jahrzehnten vor Ressourcenerschöpfung, Klimaveränderungen sowie vor weltweiten sozialen und ökologischen Fehlentwicklungen. Damit läutet er die moderne Umweltschutzbewegung ein, deren Beginn sich auf die 1970er Jahre datieren ließe. Mit bis heute 30 Millionen verkauften Exemplaren; sei es „das erfolgreichste Umweltbuch aller Zeiten“, sagen die einen. Umweltaktivisten und Systemtheoretiker bezeichnen das Werk gar als „die Bibel der Umweltbewegung“.

Erfolg und Kritik

Durch diesen durchschlagenden Erfolg wurde Meadows zum Vater „der modernen, computergestützten Umweltwissenschaft“, loben ihn Ökologen. Aber so ein Erfolg erzeugt immer auch Gegenwind. So beschrieb Patrick Kupper von der ETH Zürich das Werk als “Weltuntergangs-Vision aus dem Computer”:”die hohen Erwartungen, die mit Initialstudien wie den ‘Grenzen des Wachstums’ geweckt wurden, lösten sich in der wissenschaftlichen Praxis, vor allem in den Schwierigkeiten, die hochtrabenden Theorien in vernünftigen Modellen zu operationalisieren, zusehends auf”. Doch bei aller Kritik sei doch die Kernaussage des Berichts richtig gewesen, verteidigt Umweltforscher Ernst-Ulrich von Weizsäcker Meadows. Dennis Meadows ist so streitbar wie die Klimadiskussion selbst. Aber egal wie man zu seinen Thesen steht, er hat einen bedeutenden Beitrag zur Meinungsbildung  geleistet: Gerade durch computergestützte Modellierung der Langzeitfolgen der Umweltzerstörung hat er die überbordende Komplexität, das Wechselspiel aller inhärenten und externen Einflüsse, erfassbar gemacht.

Meadows besticht durch Offenheit

Wer  Meadows live erlebt kann erfahren wie er die Zuschauer an seinem Denkprozess teilhaben lässt. Auf die Fragen aus dem Publikum, gibt er keine schnellen Antworten. Ebenso wenig auf Fragen, an denen die Weltgemeinschaft seit der Industrialisierung kaut. „Mmhh…ich weiß nicht“, lautet einmal seine Antwort. Kein Wissenschaftler könne totale Sicherheit bieten. Gerade wenn er sich der Komplexität der Dinge bewusst sei.

Kompetent und nahbar: Dennis Meadows (und Iris Pufé)

Welche Empfehlungen würde er uns vierzig Jahre nach Die Grenzen des Wachstums mit auf den Weg geben wollen? Er nennt vier Punkte: „Erstens, es geht nicht um globale Probleme, sondern universelle; zweitens, es braucht einen sozialen und kulturellen Wandel; drittens, an die Stelle des Nachhaltigkeitsprinzips tritt das der Resilienz; und viertens, vom Reden zum Handeln übergehen.“

Meadows besticht durch seine Persönlichkeit: weder frustriert noch verbittert von vier Dekaden, in denen ihm entweder vorgeworfen wurde zu viel oder zu wenig getan zu haben.. Über zwei Stunden fesselte der Wissenschaftler seine Zuhörer. Bei Häppchen gehen die Diskussionen unter den Besuchern in der Aula weiter. Meadows zeigte sich zugänglich für alle Fragen. Er gibt sich, wie das System, das er beschreibt: endlich, aber nach allen Seiten offen.

Mehr Informationen finden Sie unter Zukunftsprojekt Erde.


Die Bildrechte liegen bei Iris Pufé.


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