Malmsheimers Sorgen

Der Bayerische Kabarettpreis zwischen geschäftsmäßiger Routine und inhaltlicher Brillianz. Jochen Malmsheimer hat – zurecht – den Hauptpreis erhalten und in ganzen acht Minuten gezeigt, dass es für ihn derzeit im deutschen Kabarett kaum Konkurrenz gibt. Von Florian Baumann und Jochen Groß

Ein kabarettistisches Feuerwerk war die Verleihung des 14. Bayerischen Kabarettpreises am 16. Juli im Münchner Lustspielhaus allemal, auch wenn sich die Veranstaltung einmal mehr überraschungslos in die Reihe perfekter und berechenbar choreographierter Preisverleihungsorgien einreiht. Den Unterschied machten die Preisträger. Sie waren in diesem Jahr nicht nur hochkarätig, sondern zündeten auch in den wenigen Minuten, die ihnen der BR zur Selbstinszenierung beließ. Ausgezeichnet wurden Christoph Sieber, Lizzy Aumeier in der Kategorie Musikpreis und der einzigartige Jochen Malmsheimer als Hauptpreisträger. Zum Schluss gab es noch den Ehrenpreis für das Duo Jochen Busse und Henning Venske.

Nun ist es bei einer solchen Preisverleihung üblich, dass der zu ehrende Künstler von einem Laudator kurz eingeführt wird, anschließend den Preis dankbar in Empfang nimmt und der Geehrte dann selbst noch ein paar Worte sagt. Mit dieser Tradition wurde auch diesmal nicht gebrochen. Michael Altinger leitete die Veranstaltung mit dem selben Kalauer ein, wie vor drei Jahren: Der Bayerische Kabarettpreis sei nämlich aus purem Gold. Vielen Dank an den Bayerischen Rundfunk (BR) als edlen Spender. Der Sender bekam ohnehin mehrfach sein Fett weg. So wies Dieter Hildebrandt, der Laudator für den Ehrenpreis, darauf hin, dass er sage und schreibe sieben Minuten Zeit für seine Lobrede bekommen habe. Mit einem schelmischen Grinsen schloss er daran noch an: „Ich habe mich schon immer bemüht genau das zu tun, was der BR gerne möchte.“

Ohne Worte

Bei einer Kabarettveranstaltung gehört es auch dazu, dass im Nachgang darüber in den Medien berichtet wird. Bei der diesjährigen Verleihung des Bayerischen Kabarettpreises beginnen aber damit die Probleme für die schreibende Zunft. Da haben es Fernsehen und Hörfunk deutlich leichter.

Das, was beispielsweise Lizzy Aumeier auf der Bühne macht, lässt sich kaum in Worte fassen. Sichtlich schwer tut sich daher auch der Laudator Helmut Schleich und konzentriert sich vornehmlich auf den optischen Eindruck, den die Künstlerin hinterlässt sowie den besonderen Charme der „First Lady aus der Oberpfalz“. Aumeier selbst kommentiert ihren Kurzauftritt mit den Worten: „Des war sexy!“ Eine Zuschreibung, die bekanntermaßen Raum für Interpretation lässt. Fraglich auch, ob der daran beteiligte Kontrabass das ähnlich sieht. Als Aumeier sich „warmquasselt“ ist das Publikum begeistert und beim folgenden russisch-bayerischen Medley dürfen, natürlich der „Skandal im Sperrbezirk“ und das „Prosit“ nicht fehlen – großartig.

Auftritt des Preisträgers

Als nächster betrat Jochen Malmsheimer, gebührend eingeführt von Georg Schramm, die Bühne im Lustspielhaus. Seine Freude über den Preis brachte er darin zum Ausdruck, dass er nun weniger vor Möbeln und mehr vor Menschen spiele. „Das bereichert. Auch meine Frau.“ Den Sorgenpsalm von der Hose, den der Ehrenpreisträger dann zum Besten gab, muss man erlebt haben. Wiedergeben kann man das nicht. Ein Stakkato an Worten und philosophischen Gedanken über die kulturgeschichtliche Performanz des Beinkleides, mit der Quintessenz: „Hose, dein Rutschen ist uns Untergang.“

Schon Laudator Schramm hatte darauf hingewiesen, dass es kaum etwas bringt einen Malmsheimer Text zu lesen, dem fehlt nämlich etwas Essenzielles: „Die Stimme seines Meisters“. Auch Schramm, der gegen Ende doch noch den vom Publikum erwarteten Rentner Dombrowski gab, zeigte, dass auch er meisterlich mit der deutschen Sprache zu hantieren weiß. Ewig grantelnd gab er dem Gehuldigten abschließend noch einen guten Ratschlag mit auf den Weg: „Malmsheimer, lass dir das Gesülze bei dieser Preisverleihung nicht zu Kopf steigen.“ Der kabarettistisch-epische Sturmlauf, den Malmsheimer präsentierte, blieb an diesem Abend aber dennoch unübertroffen.

Ehrenpreis vom Altmeister

Bei seiner Vorstellung der Ehrenpreisträger Jochen Busse und Henning Venske bewies auch der legendäre Dieter Hildebrandt noch einmal, warum er der unangefochtene Altmeister des deutschen Kabaretts ist. Schon seine Laudatio, bei der er vor allem in der Vergangenheit schwelgte, machte aber deutlich wofür der Ehrenpreis verliehen wird: das vormalige Lebenswerk. Busse und Jochen Venske unternahmen anschließend einen durchaus kurzweiligen Rundumschlag gegen die politische Landschaft der Bundesrepublik. Cem Özdemir, der „Großhändler für verbales Leergut“ wurde dabei ebenso bedacht, wie die aus „Weichkäse modellierte“ Angela Merkel. Das Zusammenspiel, zumeist in kurzen Dialogen, funktioniert noch immer.

Auch der Senkrechtstarter des Jahres, Christoph Sieber wusste bei seinem Auftritt zu überzeugen. Allerdings hatte Laudator Willy Astor bereits darauf hingewiesen, dass der Preis eigentlich zu spät komme. Der „liebe Schieber“ sei schließlich ein Alter Hase. Sozusagen der „Jopi Heesters  der Nachwuchsförderpreise“. Zwischendurch wurde die Veranstaltung von der korsischen Coverband The Les Clöchards wunderbar begleitet, ebenso schräg wie mitreißend. Ach ja, Constanze Lindner alias Cordula Brödke war auch da – warum eigentlich?

Weitere Informationen zur Preisverleihung auf der Homepage des BR.

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