WeltTrends 76: Herausforderung Eurasien

20. Jan 2011 | von WeltTrends | Kategorie: Kooperation mit WeltTrends

Kim ist ein irischer Waisenknabe, aufgewachsen im indischen Lahore, der Ende des 19. Jahrhunderts im Great Game in Zentralasien mitspielt. An der Seite von Oberst Creighton vom britischen Geheimdienst verhindert er ein russisches Komplott.

Britannia is the winner im strategischen Spiel der Großmächte jener Zeit. So zumindest im „Meisterwerk des Imperialismus“, wie der renommierte Literaturwissenschaftler Edward Said den Roman „Kim“ von Rudyard Kipling charakterisierte.

Britannien ist mittlerweile strategisch abhandengekommen, Russland agiert erneut unter altem Namen. Neue Spieler, wie die USA und China, sind hinzugekommen; weitere Akteure, wie die zentralasiatischen Staaten, entstanden.

Worum geht es hier? Um einen Raum, der von Strategen als Heartland definiert und damit als entscheidend für globale Herrschaft angesehen wird. Für Zbigniew Brzezinski, eingefleischter Geopolitiker und US-Präsidentenflüsterer, ist „dieses riesige, merkwürdig geformte eurasische Schachbrett … der Schauplatz des Global Play“. Deshalb sei es für das einzige (und letzte) Imperium, die USA, so wichtig, in diesem Raum präsent zu sein und alle „Angriffe“ anderer in dieses Kernland abzuwehren.

Und als ein solcher Angriff werden die Shanghai-Gruppe und deren Politik in diesem Raum gesehen. Seit über zehn Jahren kooperieren hier zwei strategische Spieler, Russland und China; dazu kommen weitere Regional Players, wie Iran und Indien. Zwischen diesen gibt es Zusammenarbeit – wirtschaftliche, politische und auch militärische. Sie ist nicht spannungsfrei, hat aber zum Abbau von Differenzen beigetragen. In den Denkschablonen des 20. Jahrhunderts ist dies eine Provokation, auch noch eine östliche. Die beantwortet der Westen mit strategischen Gegenzügen, sei es in Afghanistan oder mit Stützpunkten in Zentralasien. Natürlich kann man im „neuen Denken“ des 21. Jahrhunderts diese Gruppe auch ganz anders sehen: als einen weiteren Pol in den sich multipolar entwickelnden Beziehungen.

Die Shanghai-Gruppe – noch ist sie eine große Unbekannte hierzulande. Das neue WeltTrends-Heft hat den Anspruch, diese Lücke in der deutschsprachigen Literatur zu füllen und damit zum Verständnis neuer Entwicklungen in der internationalen Politik beizutragen.


Diese Heftvorschau ist Teil einer Kooperation mit WeltTrends. Die Bildrechte liegen bei WeltTrends.


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