Ein Tag mit den Netzfreunden

Wer steht eigentlich hinter /e-politik.de/? Zur großen Redaktionssitzung in Berlin trafen sich Politikinteressierte aus ganz Deutschland. Das Onlinemagazin erlaubt erstmals einen Blick hinter die eigenen Kulissen.

Neukölln, ein kleines Designerbüro mit Schaufenstern. Hinter den Heizungsrohren, die an der nackten Wand verlaufen, klemmt eine ausgestopfte Stoffpuppe in Pink, auf dem Konferenztisch aus Ziegelsteinen und Resopalplatte stehen Doppelkeksrollen und fleckige Bananen. Über der Szenerie prangen großformatige Fotos und eine rote Postkarte mit dem Schriftzug „Das Spektakel“. Die Redakteurinnen und Redakteure des Onlinemagazins /e-politik.de/ haben sich am 8. April zur jährlichen Gemeinsamen Redaktionssitzung (GRS) eingefunden, diesmal in Berlin. Um zehn Uhr sollte es los gehen, um kurz vor elf trifft die Bonner Besatzung ein. Sie sind die Vertreter der jüngsten, erst 2010 gegründeten /e-politik.de/-Redaktion.

In den letzten Jahren hat sich das Projekt von einer journalistischen Website immer mehr zu einem Ideennetzwerk entwickelt. Bestes Beispiel dafür sind die „WissensWerte“-Clips. Kurz nach der Verleihung des Titels „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ im Januar 2010 startete eine Reihe von  Videoclips zur politischen Bildung im Netz. Initiator und Skript-Autor Jan Künzl und Jörn Barkemeyer, der die Kurzfilme animiert, berichten über die große Reichweite des siebenminütigen Films über die UNO, über den Erfolg des Clips zum Welthandel und erklären, wie sie künftig noch mehr Online-Publikum über soziale Netzwerke erreichen wollen. Die Lehrstücke wurden bisher von insgesamt 50.000 Zuschauern angesehen und haben damit die Angebote der Bundeszentrale für politische Bildung übertroffen. „WissensWerte gibt es auch schon als inoffizielle DVD, die gern von Lehrern für den Unterricht verwendet wird“, sagt Jan Künzl.

Hochdeutsch für Computerprofis?

In der Gattung „Text“ fällt das erfolgreichste Einzeldossier des Jahres mit der GRS zusammen: Die Münchner Redaktion hat den Nockherberg in München zum Anlass für eine Artikelreihe genommen, das /e-politik.de/ am Tag der Veröffentlichung den ersten Platz bei „Google News“ zum Thema „Nockherberg 2011“ bescherte. Obwohl unter den e-politikern viele kreative und sprachlich gewandte Köpfe sind, lehrt die GRS die Teilnehmer auch, dass Programmiersprache nicht gleich Hochdeutsch ist:

  • Markus aus Berlin, GRS-Moderator: „Kommen wir zum Punkt Datenmanagement und Backend.“
  • Christine, neues Redaktionsmitglied in Berlin: „Was ist ein Backend?“
  • Christian aus Berlin, Techniker und Schatzmeister: „Bei uns ist das Word Press, das Content-Management-System, einfacher als Typo 3 und Red Dot, das auf allen Browsern läuft.“
  • Christine: „Was?“
  • Zwischenruf von Steven aus der Münchner Redaktion: „Du hast so ein gepimptes Backend, Tobi, mit Admin-Rechten, das hätte ich auch gern!“
  • Stefan, Redaktionsleiter Berlin: „Das Backend ist das Verwaltungssystem, mit dem wir die Webseite betreuen.“
  • Christine: „Aah.“ (…)
  • Raphael, Redaktionsleiter Bonn: „Lasst uns doch dazu einen One-Pager (einseitiges Schreiben, Anm. d. Red.) schreiben.“

Hoch oben auf der Agenda der Redaktionssitzung drängt auch das Thema Bildrechte: Wie kann ein nicht-kommerzielles Onlinemagazin mit ehrenamtlichen Nachwuchsautoren, ohne Redaktionsräume und rotierende Hobby-Chefs-vom-Dienst sicherstellen, dass die Bildrechte von Fotos aus dem Netz zuverlässig recherchiert und ordnungsgemäß verwendet werden? Welche Bilder sind kostenfrei? Welche Fotos von Regierungsmitgliedern oder Buchautoren dürfen verwendet werden? Denn klar ist: Unwissen schützt vor Strafe nicht. „Einmal mehr die Bildrechte beachten, Leute, und wir können uns die Pizza leisten“, so ein Kommentar aus dem Plenum.

Präsenz in sozialen Netzwerken

Eine Mittagspause mit Pizza gibt es trotzdem. Danach steht eine Diskussion um die Kategorie „politisches Buch“ auf der Tagesordnung, insbesondere Verbesserungsmöglichkeiten bei der Bestellung von politisch relevanten Rezensionsexemplaren. Aber auch grundlegende Fragen werden diskutiert:  Ist ein Buch über Robert Enkes Selbstmord ein politisches Buch im engeren Sinne?

Es folgen Themen wie die Präsenz von /e-politik.de/ in sozialen Netzwerken und wie man damit die Reichweite von Artikeln erhöhen kann. Die Frage, inwieweit wir uns als Redaktion selbst auf /e-politik.de/ mit Kommentaren beteiligen, wird schnell abgehandelt. Der Fall Neven DuMont zeigt, wo so etwas enden kann.

Verein wächst stetig

Dafür entspinnt sich eine Diskussion um das Thema, wie sich /e-politik.de/ gegenüber Nachrichtenmedien wie ZEIT und Spiegel Online absetzen kann. Gerade Dossiers wie das vom Nockherberg und Reportagen bieten sich dafür an. An die Jungjournalisten in den Redaktionen ergeht die Aufforderung, sich doch einfach mal umzuhören, was Dackelzüchtervereine und Freiwillige Feuerwehren über Themen wie Grün-Rot in Baden-Württemberg denken.

Am Nachmittag tagt der Verein hinter der Webseite, /e-politik.de/ e.V.. Sieben neue Mitglieder werden begrüßt, so dass aktuell 50 Menschen das Projekt durch ihr Engagement oder Vereinsbeiträge am Leben halten. Auch wird der Bericht des Kassenwarts Christian Mieß mit Spannung erwartet: /e-politik.de/ blickt dank der Produktion der „WissensWerte“-Clips auf ein ungewöhnlich umsatzreiches Jahr zurück.

Die GRS endete, wie es sich in Berlin-Neukölln gehört: mit Falafel, Döner und einem Bier in einer der vielen verrauchten Bars.


Die Bildrechte liegen bei /e-politik.de/.


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