Arabischer Frühling! Schnell, schnell!

Ägypter und Tunesier ringen noch um ihre Revolutionen, in Algerien und im Jemen bleibt die Situation angespannt und in Libyen und Syrien kämpfen die Menschen weiterhin für ihre Freiheit. Zehn deutsche Journalisten versuchen in einem neu erschienenen Buch, die Vorgänge des Arabischen Frühlings zu ordnen. Von Raphael Thelen

Es scheint, als hätte die Beschleunigung der Nachrichtenberichterstattung auch den Buchmarkt erreicht. Was uns im Frühjahr in Form von unzähligen minutiös aktualisierten Newstickern überrollte, kommt jetzt in Buchform: Die Neuerscheinung Die arabische Revolution zeichnet den „demokratischen Aufbruch von Tunesien bis zum Golf“ in zwölf kurzen Aufsätzen nach und vollzieht dabei jede Volte und jeden Zusammenstoß genauestens nach, ohne sich groß um Analyse zu scheren. Und genau wie uns die Newsticker mit ihrer Aktualität an den Computerbildschirm fesselten, so ist man von der Lektüre des Buches schnell gebannt – schließlich findet die arabische Revolution immer noch statt.

Präzise Chronologie, wenig Hintergrund

Dabei geht jedes der Länderporträts ähnlich vor. Nach einigen einleitenden Sätzen werden die Ereignisse des Frühjahrs chronologisch nachvollzogen. Kein Protest und kein Streik bleiben unerwähnt. Im Anschluss geben die Autoren einen kurzen Überblick über die politische und sozioökonomische Situation in den jeweiligen Ländern und wagen einen Ausblick auf die Zeit nach den Aufständen.

Die Autoren sind ausgewiesene Kenner der Region und viele von ihnen haben für große deutsche Medien über die Aufstände berichtet. Einige leben in den Ländern, über die sie geschrieben haben, und kennen die Situation und Gewohnheiten der Menschen. Die Herausgeber des Buches, Thomas Schmid und Frank Nordhausen, arbeiten beide als Journalisten bei der Berliner Zeitung, und dies dürfte auch den Ausschlag für das Format des Buches gegeben haben: Kurze, pointierte Berichte über die Vorgänge des Arabischen Frühlings.

Kurz und pointiert – ein bisschen zu kurz?

Gleichzeitig ist dies jedoch auch die große Schwäche des Buchs. Genau wie der Newstickerhype zu Beginn des Jahres geht es nur begrenzt über eine bloße Chronologie der Ereignisse hinaus. Die Analysen und Hintergründe sind recht kurz, obwohl davon auszugehen ist, dass die Autoren auf dieser Ebene mehr zu bieten gehabt hätten. So bekommt der Leser nicht wirklich ein Werkzeug an die Hand, um einschätzen zu können, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Positiv hingegen ist der breite Fokus des Buchs. Es werden nicht nur die Länder behandelt, die seit Monaten im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit stehen, sondern nahezu alle Länder der Region, inklusive Libanon, Algerien und Jordanien.

Für Leser, die sich schon vor den Revolutionen mit der Region befasst haben, wird das Buch also nur begrenzt Neues bieten können. Für Menschen, die sich jedoch über die tiefgreifenden Umwälzungen vor unserer Haustür wundern und mehr zu ihrem Verlauf erfahren wollen, lohnt es sich allemal.

Nordhausen, Frank; Schmid, Thomas: „Die Arabische Revolution“
Christoph Links Verlag, Berlin 2011, 216 Seiten
ISBN 978-3-86153-640-6, 16,90 Euro


Die Bildrechte liegen beim Verlag (Cover) und bei Raphael Thelen (Demonstranten).


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