WissensWerte: Islamismus

Das Projekt WissensWerte – Animationsclips zur politischen Bildung geht in die zweite Runde. Diesmal beleuchten wir das Thema Islamismus. Von Jan Künzl

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist der Islamismus zu einem der wichtigsten internationalen Problemfelder geworden. Islamistische Terroranschläge, Krieg gegen den Terror, Afghanistan- und Irakkrieg sind Themen, die Politik, Medien und Gesellschaft seitdem beschäftigen. Oftmals wird in der Politik und der öffentlichen Debatte das Thema Islamismus auf den terroristischen Aspekt verkürzt.

Aber sind Islamisten immer auch Terroristen? Was gibt es für unterschiedliche Gruppen und was sind eigentlich die Ursachen für Islamismus? Diesen Fragen geht der neue Clip aus der Reihe WissensWerte nach.

Mehr Informationen zu dem Projekt WissensWerte findest du hier.


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15 Kommentare auf “WissensWerte: Islamismus

  1. …hätte nicht gedacht dass ihr auf son oberflächlich recherchierten mist steht…! c’mon… islamische bewegungen finden anhänger, weil die menschen so dumm sind und nicht peilen dass sie KEINE ‚mutige opposition‘ sind…? ihr habt einen differenzierteren blick auf ereignisse, wisst mehr über innenpolitik und die außenpolitische zusammenhänge in der islamischen welt, als das man solch eine schlecht animierte reportage liken und veröffentlicht… wie kann man denn bitte einen computer mit der moderne und das kopftuch als das symbol des rückstands in solch ein video einbringen…???

    …das schürt doch das bild der rückständigen religion mit veralteten und teils primitiven ansichten…

    …und wie kann man bei einem ‚aufklärenden‘ video zur radikalisierung der muslime, das unfassbare und nicht zu entschuldigende außenpolitische verhalten israels außer acht lassen… ist doch das wüten dieser besatzungsmacht die größte baustelle in der bekämpfung des internationalen terrorismus…

  2. Moin Ihrs,
    erstmal Glückwunsch zu dem technisch und qualitativ sehr anspruchsvollen Video. Für eine erste Kontaktaufnahme mit Interessierten dürfte das die richtige Form sein. Bietet was fürs Auge, globaler Blickwinkel und ein erster Überblick über das Thema – passend zur Berichterstattung auch mit dem kleinen Seitenhieb, dass das alles nicht so einfach ist. In gewissen Punkten muss ich aber dem ersten Kommentar recht geben, die Aufmachung ist ein wenig zu Effek heischend.
    Der Islam oder der Terrorismus der von islamischen Ländern ausgeht ist keine Bedrohung für die westliche Welt. Er wird wegen des falschen Umgangs mit dem Thema zu einer Bedrohung, da die affektive Einstellung zu Machtverschiebung, Einschränkung der Bürgerrechte usw genutzt werden kann – und Videos in blutroter Aufmachung und (zugegeben sehr professionellen aber) dramatischen Sprecherstimmen haben da leider ihren Anteil dran. Ins selbe Horn stoßen einige Karten, zB. suggeriert ihr mit eurer Darstellung eine hohe Zahl an „Homegrown“ Terrorists, die aber im Vergleich zur Größenordnung der Konvertiten verschwindend gering ist. Das gleiche Problem sehe ich in Zeichnungen, die Israel umzingelt von bedrohlichem Rot zeigen – dieses Rot ist meist Wüstenland in dem die unterschiedlichen Machblöcke in einem bettelarmen Land und rudimentären institutionellen Regierungsstrukturen ihre Pfründe zu halten versuchen. Also, alles viel zu kompliziert, deshalb ist euer Ansatz gut, aber vielleicht noch ein bissl mehr versuchen, den faden Charakter der Machtspiele in der islamischen Welt zu betonen. Die Spielen mit dem Glauben und den Ängsten der Menschen, wie das überall auf der Welt auch passiert. Siehe Chavez und seine Südamerikanischen linken Compagneros…

    Mit der Betonung, dass ich das Video gut fand, beste Grüße
    Frank

  3. Mit diesem Video schaltet sich das Projekt „WissensWerte“ in eine wichtige Debatte ein, schafft es aber leider nicht Trennschärfe, was Begriffe und Argumente im oftmals populär geführten Diskurs angeht, herzustellen.

    Während der Schlüsselbegriff Islamismus kaum erläutert wird, flüchten sich die Autoren in eine Pauschalsierung („was sie alle verbindet“). Ferner lassen sich mehrere allgemeine Aussagen zum Islam bzw. seiner Verbindung zu sogenannten „Islamisten“ auch auf andere Weltreligionen und ihren politischen Ordnungsanspruch (z. B. Christentum) übertragen – dies betrifft auch den Fakt, dass es fanatische Gruppierungen gibt, die auf religiös basierenden Grundregeln Gellschaften umstrukturieren wollen.

    Interessant im Video ist, dass am Ende eine Gleichstellung von Islamisten = Terroristen negiert wird, aber Islamgläubige von Islamisten nicht deutlich unterschieden werden. Auch der fehlende Verweis auf die Millionen Muslime, die ein moderates Glaubensbekenntnis ausleben, schafft eher einen Eindruck eines „alle über einen Kamm scheren“, anstatt einer kritischen Trennschärfe. Diese ist allerdings bitter nötig, inder emotional aufgeladenen Debatte, in der viele christlich Gläubige anscheindend die gewalttätige, grausame und „blutgetränkte“ Geschichte ihrer eigenen Relgion verdrängen oder absichtlich nicht mit in die Reflexionen miteinbeziehen. Dies könnte dann nämlich so einges was heute vorgeworfen wird, in einem anderen Licht darstehen lassen. Ein muss klar sein: Es geht hier in keiner Weise um eine Relativierung oder Missachtung gegenüber eines gesellschaftspolitisch hoch brisanten Themas, sondern um den kritischen Hinweis, entlich kritisch und selbstkritisch nachzudenken und zu argumentieren.

  4. Ich kann mich den ersten drei Kommentatoren nur anschliessen. Technisch ist das Video gut, aber der Inhalt ist schrecklich und foerdert durch dramatische Effekte (visuell und audio) den Eindruck, dass Islamismus irgendwie mit der arabischen Welt zusammenhaengt (wo ist eigentlich Indonesien?) und irgendwie bedrohlich ist.

    Hier einige noch nicht erwaehnte Punkte:
    – wieso kommen keine ‚Islamisten‘ selbst zur Sprache? Waer doch nicht so schwer gewesen, ein, zwei Anhaenger einer legalen, islamistischen Gruppe vor die Kamera zu bekommen, oder? Oder wenn nicht direkt, dann wenigsten aus islamistischen Veroeffentlichungen zitieren? Die Ziele z. B. der Muslimbrueder werden viel zu vage erlaeutert (ausserdem wird seltsamerweise ausgelassen, dass die Gruppierung in Aegypten verboten ist)

    – die genannten Beispiele fuer islamistische Gruppen ueber eine Kamm zu scheren, ist ein Witz! Soll der iranische Staat wirklich als ‚Islamistische Gruppierung‘ gelten? Und platt zu sagen dass Politik im Iran „letztlich von den religioesen Oeberhaeuptern, den Mullahs“ (allein schon dieser Stammtisch-Ausdruck!) bestimmt wird, ist einem Video, dass hoehere Bildung versprechen soll, wirklich nicht wuerdig.

    – obwohl die Kolonialzeit erwaehnt wird, wird sie nur im Zusammenhang mit dem ‚Verfall‘ der islamischen Welt in Verbindung gebracht – mit keinem Wort wird die koloniale und neokoloniale Erfahrung in vielen muslimischen Gesellschaften als Ursache fuer religioes gepraegte, politische Protestbewegungen (dies sind ‚Islamistische Gruppen“ naemlich) genannt. Protest gegen den von Eliten gewollten sekularen Nationalstaat, der aus verschiedenen Gruenden nicht von allen Gesellschaftsteilen gewollt ist/war. Dies auszulassen ist gerade vor dem Hintergrund des immer noch andauernden Irakkriegs unverstaendlich.

    – Armut als Erklaerung fuer Islamismus – -hier widerspricht sich das Video selbst, da erst kurz zuvor Saudi Arabien als Foerderer vom Wahabismus (der ebenfalls als „Islamistische Gruppierung“ gilt) genannt wird. Dieses Argument ist wirklich schwach und auch schon laengst widerlegt. Es ist wirklich aergerlich, dass hier diese typische Buergerliche Sicht von den ‚boesen und aggressiven Armen’ wiederholt wird.

    – Aergerlich ist auch der staendig wiederholte, in rot dargestellte Halbmond (die Farbe des Islam ist gruen!). Man stelle sich ein aehnliches Video ueber fanatische Christen in Amerika vor, in dem wiederholt ein blutrotes Kreuz ueber den Bildschirm wabert.

    – Es waere schoen, eine Stellungsnahme der Autoren zu den gesammelten Kommentaren zu lesen!

    Mit bestem Gruss
    Milli S.

  5. Das Video war sicher nett gemeint, aber ich glaube as war ein Schuss in den Ofen. Und es konnte auch nicht anders kommen.

    Der Begriff „Islamismus“ ist eine propagandistische Leerformel. Alles und jedes, was irgendwie mit dem Islam zu tun hat, und dem Verwender der Leerformel gerade nicht genehm ist, kann mit dem Label „islamistisch“ abwertend bezeichnet werden.

    Mal eine andere Frage: Wann gibt es einen Artikel zum Christianismus?

    Der könnte etwa so gehen: Sind alle Christianisten Terroristen? Nein, das kann man so verallgemeinernd nicht sagen… Beispiele für Christianisten: Staaten wie Deutschland, El Salvador, USA und Brasilien, Organisationen wie Opus Dei, CIA … Beispiele für Führer christianistischer Organisationen und Bewegungen: Adolf Hitler, Gustavo Gutiérrez, George W. Bush, Oscar Romero, Angela Merkel … Auch wenn man die Ursachen von Christianismus nicht verallgemeinern kann, so lässt sich doch feststellen, dass sie vornehmlich im Sozialbereich liegen und auch etwas mit Kolonialismus zu tun haben. Sind alle Christianisten Terroristen wie die, die Afghanistan und den Irak überfallen haben und damit eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt haben? Nein, das kann man so verallgemeinernd nicht sagen… Neben Terrorismus und der Vermengung von Religion mit Politik beschäftigen sich einige Christianisten auch mit sozialen Diensten, wie das Beispiel Caritas zeigt…

    Blödsinn? Ja, natürlich. Aber das Label Islamismus ist genauso Blödsinn wie auch das Video dazu.

    Ich denke, besser wäre es gewesen, sich mit einer konkreten Bewegung oder Strömung oder einem Staat auseinanderzusetzen.

  6. Ich finde nicht, dass der Begriff „Islamismus“ Blödsinn ist. Denn man kann ihn eigentlich ganz fest umreißen: Islamisten werden fundamentalistische Muslime genannt, die in einer partiellen, konservativen Auslegung des Islam als politisch-religiösem System einen Ausweg aus sozialen Missständen suchen. Gleichzeitig ist „Islamismus“ als Begriff aus europäischer Sicht so fest umrissen, weil es sich dabei um ein stereotypes Feindbild handelt.
    Aber zum Video: Ich frage mich ein bisschen, was die Absicht dieses Videos ist. Ich habe nichts gehört, was ich nicht schon wusste. Es sagt mir nichts Neues, und obwohl ich Eure Bemühung lobenswert finde, hätte ich mir auch mehr Tiefe und höheren Informationsgehalt gewünscht. Ich habe die ganze Zeit gedacht: „Wann kommt denn nun der Knackpunkt??“ Der kam aber leider nicht.
    Dass nicht alle Islamisten Terroristen sind, wissen doch, trotz allgemeiner Islamophobie, eigentlich schon viele Menschen. Was aus meiner Sicht interessant gewesen wäre, wäre die Attraktivität des Islamismus zu erklären, der sich nicht nur in einem Halbsatz mit der schlechten wirtschaftlichen Lage in vielen islamischen Ländern erklären lässt – in Ägypten z.B. hat der Islamismus auch viele sozial besser gestellte Anhänger. Zu diesem Zweck hätte man etwa profunder auf die Auswirkungen des Kolonialismus in der islamischen Welt eingehen müssen und auf die Anfänge des Islamismus als Gegen- oder Widerstandsbewegungen gegen die Kolonialmächte.

  7. Hallo an alle Kommentatoren,

    hier die erwünschte Stellungnahme des Autors. Da ja einiges an Kritik zusammengekommen ist werde ich mich auf einige Aspekte beschränken.
    Zunächst aber erstmal etwas generelles, das letztendlich alle Kommentare betrifft: Wie Frank und Marcus richtig sagen, ist das alles in Wirklichkeit natürlich wesentlich komplizierter und Trennschärfe zwischen allen beteiligten Begriffen sehr wünschenswert. Die Reihe WissensWerte ist aber, wie auf der Projektseite (http://www.e-politik.de/lesen/wissenswerte-animationsclips-zur-politischen-bildung/) zu lesen für eine bestimmte Zielgruppe gedacht- nämlich für jüngere Menschen und vor allem für diejenigen die sich wenig für Politik interessieren. Nach dieser Vorgabe richtet sich auch das Medium aus- ein kurzer Videoclip der spannend sein soll und Überblickscharakter hat. Der Rahmen gibt also schlichtweg nur eine bestimmte Tiefe und Themenauswahl her. Kenntnis von Hintergründen und Fachterminologie wollen wir nicht voraussetzen.
    Dass einige Konsumenten -wie Aline- schon alles wissen was in dem Clip besprochen wird ist wunderbar, bedeutet aber nicht, dass der Clip überflüssig ist.

    Zu einigen Einzelpunkten:

    @Bandolero und Marcus:
    Natürlich gibt es auf der christlichen Seite die entsprechenden Fundamentalisten- analog sowohl gewaltfrei als auch gewalttätig. Sicherlich ein lohnendes Thema für einen Clip, aber nicht Thema dieses speziellen Clips.

    @ Milli:
    -Es ist durchaus schwierig Islamisten vor die Kamera zu kriegen und dies sinnvoll in einem Animationsfilm umzusetzen.

    -Der Sinn des Abschnitts „Gruppen“ ist gerade zu zeigen wie vielfältig die Gruppierungen sind, die unter dem Begriff Islamismus geführt werden. Dies wird durch Sätze wie „einige Beispiele islamistischer Gruppen verdeutlichen die Unterschiede“ und „Hinzu kommt eine Unzahl an weiteren islamistischen Gruppierungen und Ideen, mal gewalttätig, mal friedlich…“ ausreichend deutlich gemacht. Ich verstehe nicht wirklich, wo hier über einen Kamm geschoren wird.

    -Der Abschnitt „Ursachen“ wird mit den Sätzen „Islamismus hat eine Vielzahl von Ursachen, unterschiedlich von Land zu Land. Einige Hintergründe sind von besonderer Bedeutung“ eingeleitet. Das macht klar, dass die einzelnen Ursachen (du kritisierst den Aspekt Entwicklungsproblem) nicht zwangsläufig und alle für jedes Land gelten müssen. Deine Einschätzung, dass der Begründungszusammenhang Unterentwicklung längst widerlegt sei, wird von dem Gros der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur nicht geteilt.

    Was die technische Umsetzung und deren symbolische Wirkung, auf die sich mehrere Kommentatoren beziehen, angeht (Graphische Umsetzung, Piktogramme, Sprecherintonation, Musikuntermalung) geht es in der Tat um eine Gradwanderung. Bei einem emotional und symbolisch derart aufgeladenen Thema wie Islamismus und einer so hohen Zugriffsrate ist es wohl unvermeidlich, dass bei einigen Zuschauern ungewollte Assoziationen entstehen.
    Das der durchgehende Rot-Ton des Films als Blutrot interpretiert wird und daraus eine Intention der Macher abgeleitet werden würde haben wir nicht vorhergesehen und ist ehrlich gesagt auch innerhalb des überwiegenden Teils des Feedbacks nicht so aufgefasst worden.

    Noch eine Sache zum Schluss- mich erstaunt diese Kommentarserie etwas. Wir hatten mit ordentlichem Gegenwind gerechnet, aber eher mit einem Vorwurf der Verharmlosung aus der rechten, islamophoben Ecke, die ja mittlerweile ziemlich selbstbewusst im Netz auftritt.

    Viele Grüße,
    Jan Künzl

  8. @Jan
    Meine Kritik war nur beiläufig, dass es auch christliche „Fundamentalisten“ gibt. Mein Hauptkritikpunkt war, dass der Begriff „Islamismus“ eine leere propagandistische Worthülse zur Abwertung von Muslimen ist und es keine sinnvolle Abgrenzung zwischen Islam und Islamismus gibt. Und genau deshalb vermittelt das Video Blödsinn.

    Aline sagt zum Beispiel, Islamisten werden … Muslime (mit) einer partiellen, konservativen Auslegung des Islam…. Doch es stimmt nicht, dass Islamismus etwas mit konservativen Werten zu tun hat. Ein Blick in die Wikipedia zum Stichwort „Islamischer Sozialismus“ zeigt, dass viele der Personen und Bewegungen, die oft als islamistisch bezeichnet werden, nicht konservativ, sondern eher dem Sozialismus zugeneigt sind.

    „Deine Einschätzung, dass der Begründungszusammenhang Unterentwicklung längst widerlegt sei, wird von dem Gros der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur nicht geteilt.“

    Dass im „Gros der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur“ Blödsinn steht, verwundert wenig. Dein Film selbst widerlegt die These: Saudi-Arabien ist ein vergleichsweise reiches Land. Und trotzdem stufst du es im Video als „islamistisch“ ein. Und nach den gleichen Kriterien dürften dann auch Kuwait und Katar, zwei der reichsten Staaten der Erde, als islamistisch eingestuft werden. Damit sollte hinreichend gezeigt sein, dass der Begründungszusammenhang Unterentwicklung Unfug ist.

  9. @ Bandolero

    Nur eine kleine Ergänzung: Ich finde die Termini „Entwicklung“, „Unterentwicklung“ usw. recht schwierig, aber ich greife deinen Kommentar auf, indem ich deinen Begriff „Unterentwicklung“ als „arm“ verstehe. In Saudi-Arabien sind die sozialökonomischen Gegensätze, trotz des Ölreichtums, extrem. Die Bevölkerungsmehrheit profitiert kaum von den Öleinkünften.
    Weiterhin bin ich der Ansicht, dass es sich beim Islamismus um eine tendenziell konservative Strömung im Islam handelt. Um mich ebenfalls auf Wikipedia zu berufen, das kannst du unter „Hauptmerkmale“, 2. & 3. nachlesen. Die Islamisten möchten das Kalifat, wie es vom Propheten Muhammad und den – nach sunnitischer Ansicht – vier ihm nachfolgenden rechtgeleiteten Kalifen bzw. nach schiitischer Ansicht nur Ali ibn Abi Talib, dem letzten von ihnen, errichtet worden war, als islamisches Staatssystem wiederherstellen. Konservativ ist der Islamismus also insofern, als er die Lösung der heutigen muslimischen Gesellschaften in der Vergangenheit sucht.

  10. @ Aline
    Mir sind die ökonomischen Gegensätze in der Bevölkerung von Saudi-Arabien wohlbekannt. Und doch ist es in erster Linie die reiche Herrschaftsschicht, die dort als islamistisch gilt. Im Video urde aber genau die gegenteilige These als Tatsachenbehauptung vertreten: Armut schafft Islamismus. Und auch die Idee, Osama bin Laden sei ein armer , ökonomisch benachteiligter Mann gewesen, ist Blödsinn.

    Was das Kalifat angeht, so steht im Wikipedia-Artikel zum Thema Islamismus wörtlich: „Das genaue Staatssystem ist umstritten, nur noch wenige islamistische Gruppen wollen nur ein Kalifat anerkennen, viele dagegen berufen sich auf verschiedene Systeme, die sich auf das Prinzip der shura (Konsultation des Herrschers mit der Bevölkerung) gründen.“ Und wer sich heute Hamas oder die Regierung des Iran anschaut – zwei im Video als islamistisch gebrandmarkte Bewegungen – so erkennt man schnell, dass sie kein Kalifat wollen, denn sie haben die Macht, wolten sie ein Kalifat, könnten sie einfach eines errichten. Auch diese Idee führt bei der Definition von Islamismus nicht weiter.

    Die einzig tragfähige Definition von Islamismus ist, dass der Begriff eine gezielte Beleidiung beliebiger missliebiger Muslime ist. Das Einzige, wodurch sich das Wort „Islamismus“ von „Islam“ unterscheidet, ist die abwertende Konnotation. Jeder missliebige in der Öffentlichkeit stehende Moslem kann zu jeder beliebigen Zeit zum „Islamisten“ erklärt werden, und damit der Verfolgung von Medien und Geheimdiensten ausgesetzt werden.

    Milli hatte angedacht, man könne doch mal als „Islamisten“ bezeichnete Menschen selbst zu Wort kommen lassen. Der Gedanke ist hervorragend. Ich möchte empfehlen, einfach mal ein paar Texte von als „Islamisten“ bezeichneten Menschen zu lesen. Die durch den Muslim Markt bekannten Gebrüder Özoguz haben zu dem Thema „Fundamentalistische Islamisten“ ein durchaus lesenswertes Buch publiziert: „Wir sind (keine) „fundamentalistische Islamisten“ in Deutschland“. Über Google lässt sich das leicht finden.

    Eine Rezension des Buches durch die Medienexpertin Sabine Schiffer findet sich in der NRhZ:

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14109

    Wer nun mal direkt online Texte von als „Islamisten“ bezeichneten Menschen lesen möchte, dem möchte ich einen Besuch im Forum der Webseite „Muslim Markt“ empfehlen:

    http://www.muslim-markt.de/forum/

    Mit den besten Grüßen

  11. Also, ich finde, der Clip ist gut gemacht und stellt, eben für ein Publikum ohne Vorkenntnisse, auf einfache und einleuchtende Weise die Zusammenhänge dar. Selbstverständlich ist es nicht möglich, in einem 7-Minuten-Clip eine wissenschaftlich ausdifferenzierte Darstellung eines so komplexen Themas zu geben, daher ist es auch ziemlich unsinnig, eine solche hier einzufordern!

    @amer: Die israelische Besatzung der palästinensischen Autonomiegebiete ist unentschuldbar, jedoch ganz bestimmt nicht der Auslöser für Islamismus, sondern immer wieder ein guter Vorwand, um die muslimische Einheit zu beschwören. Daher hatte sie in dem Clip genausviel Auftritt, wie ihr zukommt.

    @Bandolero: Ich verstehe nicht, wieso, wenn Armut als eine der möglichen Ursachen für den Erfolg islamistischer Ideen genannt wird, die Tatsache, dass er auch in einem relativ reichen Land wie Saudi-Arabien vorkommt (wobei die Charakterisierung des Wahhabismus als solcher zu diskutieren wäre), ein Beleg für die Falschheit der These sein soll.

    Das einzige, was mich gestört hat, war, dass Ihr tatsächlich das Kopftuch als Symbol für „Rückwärtsgewandtheit“ verwendet habt. Das geht tatsächlich mal gar nicht.

    Und Marcus S. hat auch recht: Darauf hinzuweisen, dass die überwältigende Mehrheit der Musliminnen und Muslime auf der Welt weder dem Islamismus noch dem Terror anhängt, hätte an dieser Stelle auch nicht geschadet…

    Trotzdem – ich find den Clip gut!

  12. @Bli Blablub
    Der Clip erweckt den Eindruck, dass es eine wissenschaftlich haltbare Definition von Islamismus gebe. Das ist jedoch nicht der Fall. Tatsächlich ist der Begriff „Islamismus“ nur eine abwertende Bezeichnung für beliebige irgendwie islamische Strömungen und Bewegungen, die der Sprecher negativ stigmatisieren möchte. Die „negativen“ Kennzeichen für „Islamismus“ sind beliebig austauschbar: Verbindung von Gesellschaft, Politik und Religion, Gewalttätigkeit, Unmenschlichkeit, Kritik an Israel, Terrorismus, Kritik am US-Imperialismus, Scharia, Kopftuch, Glaube an Gerechtigkeit und so weiter. Nur eines ist klar: Islamismus ist immer negativ. Mit dem Stempel Islamist lassen sich dann beliebige Muslime diskreditieren.

    Was Saudi-Arabien angeht, so wird in dem Video behauptet, Saudi-Arabien sei ein islamistisches Land. Der „Islamismus“ geht da also dem Video zufolge vom Wahhabismus der Herrscher aus. Die sind aber alles andere als arm. Ist „Armut eine der möglichen Ursachen für den Erfolg der islamistischen Ideen“ des Herrscher-Hauses von Saudi-Arabien? Ich denke, das ist falsch. Der „Erfolg der islamistischen Ideen“ des Herrscher-Hauses von Saudi-Arabien ist doch wohl viel eher mit Öl bezahlten Waffenlieferungen vornehmlich aus den USA zu verdanken.

    Gleichzeitig wird im Video Iran als islamistischer Staat gebrandmarkt. Die Botschaft ist klar: Iran ist genau wie Osama bin Laden, Kopftuch und der Staat Saudi-Arabien islamistisch und damit schlecht. Dabei könnten die Unterschiede zwischen den Staaten kaum größer sein. Genauso werden Hamas und Hisbollah gebrandmarkt: die sind islamistisch und damit schlecht.

    Sobald einem Muslim oder einer Muslima das Attribut „Islamist“ zugewiesen wurde, ist er oder sie schlecht. Weitere Gedanken zu dem Menschen dürfen Rezipienten der Botschaft sich sparen. Und das ist die Botschaft des Videos: Nicht alle Islamisten sind gewalttätig oder Terroristen und die Ursache Armut ist verständlich, aber schlecht oder zumindest fehlgeleitet sind alle Islamisten. Denn sie vermischen angeblich Politik, Gesellschaft und Religion – und sind damit implizit gegen die moderne Werte und den Humanismus und damit rückständig.

    Weggelassen bei der Definition des Islamismus als Vermischung von Religion, Politik und Gesellschaft wurde im Video, dass auch alle „westlichen“ Staaten Religion, Politik und Gesellschaft vermischen. Beispiel Deutschland: Kirchensteuer, kirchliche Rundfunkräte, Reichskonkordat, Finanzierung kirchlicher Einrichtungen aus Steuergeldern, Gott im Grundgesetz und dem Parteinamen ewiger Regierungsparteien und so weiter und so fort. Trotzdem werden Staaten wie Deutschland im Gegensatz zu missliebigen islamisch geprägten Staaten natürlich nicht als fundamental-christlich – von mir scherzhaft „christianistisch“ genannt – gebranntmarkt. Viele der im Video genannten und als Islamisten gebrandmarkten Personen haben nichts, überhaupt nichts, miteinander zu schaffen. Auf die gleiche Weise könnte man auch Adolf Hitler und Angela Merkel in einen Topf werfen und sie als Christianisten verteufeln.

    Es geht bei der Bezeichnung von Menschen als Islamisten nur um Stigmatisierung. Damit, dass das „Aufklärungsvideo“ diese Stigmatisierung in den Rang der Wisenschaft erhebt, trägt das Video auf eine sehr subtile pseudowissenschaftliche Weise – vermutlich unbeabsichtigt – zur Stigmatisierung beliebiger Muslime bei, die nichts miteinander zu tun haben außer dem islamischen Glauben.

  13. Zunächst:
    Das Video ist hervorragend gestaltet. Inhaltlich hebt es sich von den offiziellen und käuflich(en) zu erwerbenden Medien haushoch ab. Dennoch bleiben Unstimmigkeiten:

    Die islamistischen Muslimbrüder Ägyptens sind nur oberflächlich friedfertig. Ob sie den ägyptischen Präsidenten Sadat haben umbringen lassen oder nicht, wird sobald niemand entscheiden. Eine ideologische Mitschuld steht ihnen zu.

    In ihrem Hass auf Israel sind sie nachweislich derart militant, dass sie die Hamas gegründet haben.

    Der Satz: „Nicht alle Islamisten sind Terroristen“ ist genauso wahr wie der Satz: „Nicht alle SS-Männer haben Juden ermordet“. Also sinnlos.

    Die Hauptfrage wird im Video nicht angeschnitten:
    Ist der terroristische Islamismus eine notwendige Folge des Islam?

  14. Was ich überhaupt nicht verstehe ist die Tatsache, dass ihr auf euren Seiten einen Link auf die wunderbare Nummer von Hagen Rether “ Anti – Islamismus in Deutschland“ gesetzt habt. Habt ihr den Beitrag eigentlich gesehen, bevor ihr den Clip produziert habt? Hätte vielleicht geholfen, zu einer etwas differenzierteren Betrachtung einer Glaubensrichtung zu kommen. Was ist der tiefere Sinn eurer Produktion? -Aufklärung? Information? Ich bin der Meinung der Clip bedient genau die Klisches die uns bereits die entsprechenden Politiker, die uns einen Krieg in Afganistan als „alternativlos“ verkaufen wollen, in ausreichendem Maße um die Ohren hauen.
    Ich fürchte der Clip führt, obwohl hoffentlich/sicher anders geplant, auch nur dazu eine bestimmte Stimmung zu schaffen, die einen offenen Dialog eher verhindert als fördert.
    Bleiben wir bei Hagen Rether: Spalten statt versöhnen? Seht euch den Beitrag ruhig noch mal an…

    Schönen Gruß…

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