WeltTrends 73: Klimapolitik nach Kopenhagen

Klimapolitik ist auch nur Interessenpolitik, sehr harte sogar. Als es am Ende des Klimagipfels in Kopenhagen zur Nagelprobe kam und konkrete Zahlen in den Anhang sollten, wurde gekungelt, gefeilscht, blockiert und schließlich ein nichts sagendes Papier verlesen.

Die beiden leeren Seiten am Ende des fünfseitigen „Kopenhagen Accord“ sprechen für sich. Nun ist Alarmismus hier nicht angebracht, was ja für die Klimaproblematik generell gelten sollte. Es geht weiter: Cancún wird die nächste Station im internationalen Klimazirkus sein und von den Tagungsräumen aus werden die wieder zu Tausenden angereisten Politiker und Experten auf den gerade von BP verseuchten Golf von Mexiko schauen können. Es wird bis dahin viele Initiativen und Aktivitäten geben: auf regionaler und nationaler Ebene, von Regierungen, auch der deutschen, von sozialen Bewegungen und internationalen Organisationen und letztlich auch von einzelnen Menschen. Und einige dieser Aktivitäten werden auch sinnvoll für jene sein, die unter den erkennbaren Folgen des Klimawandels bereits heute leiden.

Kopenhagen hat dem Westen zugleich gezeigt, wie sich die Koordinaten der Weltpolitik im 21. Jahrhundert verschieben. China und Indien haben auf dieser Konferenz gezeigt, wo sie ihren Platz in der Welt sehen. Nach der Bipolarität und einer kurzzeitigen, mittlerweile gescheiterten Unipolarität schält sich die Mulipolarität als prägendes Strukturmuster der internationalen Beziehungen heraus. Darin hat Europa aufgehört, Zeitgeber zu sein; es ist selbst Zeitnehmer geworden. Das derzeitige Beben des Euros, das zu einem Tsunami für die EU führen kann, ist nur ein weiterer Schritt beim weltpolitischen Abschwung Europas – trotz eines diplomatischen Dienstes der EU.
In solchen Zeiten ist es angeraten, die eigenen Interessen zu bestimmen, vor allem die langfristigen. Jedoch lassen sich deutsche Politiker, auch Außenpolitiker, von den Ereignissen des Tages treiben, seien es Landtagswahlen oder Spekulationsgeschäfte. Gefragt sind in diesen stürmischen Zeiten nicht erstarrte Galionsfiguren, sondern aktive Kapitäne (auch weibliche), die den Mut zur Entscheidung, aber auch den Mut zur Vision haben.


Diese Heftvorschau ist Teil einer Kooperation mit WeltTrends. Die Bildrechte liegen bei WeltTrends.


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