Anspruchsvoller Fachjournalismus

Gerade die Überflutung der Gesellschaft mit Informationen erfordert Experten, die Wissen zuversichtlich vermitteln, meint Siegfried Quandt. Verschiedene Autoren beschreiben ihren Karriereweg zum Fachjournalisten. Von Christoph Rohde

Die Technokratisierung der Welt einerseits und die Zunahme der Bedeutung an technischen Kommunikationsmitteln andererseits verlangen nach besonderen Qualifikationen in Form von Fachjournalismus, meint Siegfried Quandt vom Deutschen Fachjournalisten-Verband in seinem gleichnamigen Handbuch. In drei Teilen und 18 Beiträgen werden die theoretischen Grundlagen des Fachjournalismus, ausgewählte Praxisbeispiele sowie Entwicklungsperspektiven der Fachdisziplin abgehandelt. Eines wird deutlich: Wer mit Fachjournalismus sein Geld verdienen will, muss im Grunde mehrere Disziplinen respektive Berufe beherrschen.

Fachjournalismus und Wissenschaftsjournalismus

Zwischen Fachjournalismus und „allgemeinem Wissenschaftsjournalismus“ besteht oftmals ein wesentlicher Unterschied. Oft versuchen so genannte „Universal-Journalisten“ sich in komplexe Themengebiete einzuarbeiten. Das Ergebnis sind oft Produkte minderer Qualität, die den teils unzureichenden Kenntnisstand des Journalisten widerspiegeln.

Quandt zeigt auf, dass Fachjournalisten meist einen akademischen Abschluss in dem Fach innehaben, über das sie schwerpunktmäßig schreiben. Dadurch haben sie nicht nur eine Vorstellung vom Untersuchungsgegenstand, sondern kennen die Denkmethoden, Paradigmen und Einstellungen der vorherrschenden Fachkultur. Wer meint, als Quereinsteiger zum Fachjournalismus zu gelangen, wird meist enttäuscht, so der Autor. Denn die Maßstäbe sind ungeheuer hoch und die „Prüfungsvorgaben“ durch das Fachpublikum hart.

Inhalte und Darstellungsformen

Die Inhalte von Fachwissenschaften und die Darstellungsformen des Journalismus sind nicht immer leicht miteinander zu versöhnen. Während die Medizin inzwischen die Visualisierung komplexer Abläufe zur besseren Darstellbarkeit für die breite Öffentlichkeit mehr und mehr zulässt, tut sich beispielsweise die Geschichtswissenschaft schwer damit. Aber auch hier weichen Fronten auf. Das ZDF hat es mit Hilfe von Doku-Dramen geschafft, das historische Interesse einer breiten Publikumsschicht zu wecken. Denn hier sei, so lobt der Autor, eine Synthese von Wissenschaftsvermittlung und emotionaler Ansprache des Publikums gelungen. Die Berichterstattung soll der „triadischen Balance“ genügen, das heißt: Inhalte sollen sachgerecht, publikumsgerecht und mediengerecht transportiert werden.

Die Herausforderungen des Wirtschaftsjournalismus

Die Ökonomisierung aller Lebenslagen betrifft die gesamte Bevölkerung. Umso wichtiger ist eine sachgerechte, objektive Berichterstattung. Denn wie breite Bevölkerungsschichten ihre Altersversorgung planen, wird durch die Berichterstattung über Anlageprodukte mitbestimmt. Der Fachjournalist ist in diesem Sinne nicht nur fachlich, sondern auch ethisch gefordert, meint Lutz Frühbrodt von der Fachhochschule Würzburg, der in seinem Beitrag das Praxisbeispiel Wirtschaftsjournalismus beleuchtet. Dort muss der Journalist einerseits informieren, darf aber nicht jedem Trend blindlings folgen, wie es vor der Bankenkrise teilweise geschah. Er ist auf Informationen auch aus Unternehmen angewiesen, darf sich aber nicht zum Public Relations-Handlanger dieser machen lassen. In der Praxis sieht es so aus, dass viele Wirtschaftsjournalisten zumindest einen Teil ihres Einkommens aus PR-Aktivitäten erzielen.

Der Sportjournalismus als Jugendtraum

Der Weg in den Sportjournalismus ist „mehr Berufung als Beruf“, so Michael Schaffrath. Der Sportwissenschaftler und Sportjournalist beschreibt seinen eigenen Weg in diese Berufssparte, die zu seiner Zeit nicht wie heutzutage über fest institutionalisierte Studiengänge verfügte. Nach einem gesellschaftswissenschaftlichen Studium ackerte sich Schaffrath durch zahlreiche Praktika bei Tageszeitungen, um nach seinem Studium als so genannter fester freier Mitarbeiter beim WDR einzusteigen. Gerade hier lernte er, alle Formate fürs Fernsehen und Radio zu produzieren.

Obwohl Schaffrath später von der Sportpublizistik in die Wissenschaft wechselte, sind seine Ratschläge für potenzielle Einsteiger sehr nützlich. Kontakte in die Sportszene sind eine Voraussetzung für Personen, die vom Sportjournalismus leben möchten. Dazu gehört die Fähigkeit, für Print, Online, aber auch Audio- und Videomedien Material liefern zu können. Und auf die Fähigkeit zu schnellem Handeln kommt es in dieser aktualitätsabhängigen Branche ohnehin an.

Fachjournalismus ist Spezialisierung plus…

Ob man in der Baufachpresse, im Umweltjournalismus, im Technik- oder Agrarjournalismus arbeiten möchte, es gilt stets dasselbe: Ein Profi in einem zentralen Fachbereich ist gefragt, der sich in verschiedenen Stil- und Medienformen auszudrücken vermag. Dazu gehören Persönlichkeitsqualitäten, die verhindern, dass sich der Journalist, der beispielsweise Fachmessen besucht, für die Zwecke Dritter instrumentalisieren lässt. Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sollte der Journalist die Mehrfachverwertung substanzieller erarbeiteter Inhalte beherrschen und regelmäßig mal ein Buch veröffentlichen oder einen populären Blog administrieren.

Vielseitige Perspektiven…

Dem Anspruch, den Begriff Fachjournalismus darzustellen und dessen Herausforderungen für den Journalisten zu artikulieren, wird das Buch voll und ganz gerecht. Dass die Autoren aus der Praxis berichten, kann eine große Hilfe sein für Studenten, die im Journalistenberuf eine romantische Reisetätigkeit sehen, in der man vielen interessanten Leuten begegnet. Der Beruf des Fachjournalisten erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und eine hohe Frustrationstoleranz. Wer diesen Weg einschlagen will, ist gut beraten, sich die theoretischen und praktischen Ratschläge Quandts und seiner Kollegen zu Gemüte zu führen.

Quandt, Siegfried: „Fachjournalismus: Expertenwissen professionell vermitteln“
UVK, Konstanz,  2010, 304 Seiten
ISBN
978-3867641395, 29,90 Euro.


Die Bildrechte liegen beim UVK Verlag.


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:

Der Handyjournalist – mobil und transparent

Gute Nachricht, schlechte Nachricht

Sind sie zu stark bist du zu schwach

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.