Kopenhagen kann von Deutschland lernen

Die Rede Albert´s erfährt großes Medienaufgebot. Der Klimagipfel von Kopenhagen stockt. Die Jahrestagung von B.A.U.M. e.V. zeigt jedoch: betrieblicher Umweltschutz ist möglich. Von Iris Pufe

Mühsam feilen die Regierungsvertreter aus rund 200 Ländern an verbindlichen Regelungen für den Klimaschutz. Indessen traf sich ein Zirkel zukunftsgewandter Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur, das Who is Who der deutschen Eco-Entrepreneurials, um von seinen Praxiserfolgen zu berichten und um gelebte Antworten auf die Frage zu geben, an der Kopenhagen krankt: Wie kann Umwelt- und Klimaschutz nachhaltig und profitabel in der Unternehmenspraxis aussehen und damit politisch und wirtschaftlich „machbar“ sein?

Umweltschutz, das ist längst nicht mehr nur etwas für zottelige Aktivisten in Birkenstock-Latschen. Das Thema hat auch beim Hochadel Konjunktur. Fürst Albert II. von Monaco bekennt sich auf der Jahrestagung des „Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management“ (B.A.U.M. e.V.) zur Nachhaltigkeit. „Wir müssen die historische Bedeutung unserer jetzigen Zeit erkennen. Wir haben eine einmalige Chance“, sagt der Fürst mit Blick auf die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen.

Für sein Umweltschutz-Engagement wurde Albert II. besonders geehrt und zwar mit dem Internationalen B.A.U.M.-Sonderpreis 2009. Es ist der Höhepunkt der B.A.U.M.-Konferenz unter dem Motto „Energisch in eine nachhaltige Zukunft“. Im Rahmen der Feier am 23. und 24. November 2009 in Hamburg, die zugleich das 25-jährige Jubiläum des Vereins markierte, wurden mehrere Umweltpreise verliehen.

„Deutschland ist ein wichtiger Träger im weltweiten Klimaschutz und hat diese Vorreiterrolle in der Vergangenheit bewiesen“, sagt Fürst Albert II. von Monaco in seiner Dankesrede. Das Engagement des Vereins würdigt er insbesondere, weil B.A.U.M. seit seiner Gründung das unternehmerische Bewusstsein für Umweltthemen verstärkt hat. „Leider finden viele Unternehmen jetzt inmitten  der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht die Mittel, in dem Maße vorzugehen, wie es das Problem erfordert“, so der Fürst. Seine Auszeichnung erhält er von einem guten Bekannten, ATP-Weltmeister und Wimbledonsieger Michael Stich. Die Geste sendet das Signal: Langsam gelangt die Umweltproblematik raus aus der vermotteten Alternativecke, die es Engagierten so schwer macht, das Thema flächendeckend zu verankern.

Kaleidoskop unterschiedlicher Positionen

Die Tagung bietet hierzu ein Kaleidoskop unterschiedlicher Positionen: seien es Vertreter der Umweltabteilungen von Konzernen wie ABB, EnBW oder Siemens, seien es Regierungsvertreter wie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Katharina Reiche oder Geschäftsführer von Umweltorganisationen wie vom WWF oder DNR; seien es Vertreter aus Fachverbänden oder aus der Wissenschaft. Sie alle sind überzeugt: Umweltschutzmaßnahmen umzusetzen erfordert Mut zu Innovation und Investition, aber es ist ein Mut, der seine Früchte tragen wird.

Mit an Bord sind die Banken. Rolf Friedhofen zum Beispiel, Chief Financial Officer der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank, begreift Umwelt- und Klimaschutz als ein Topthema des Bankensektors: „Jede Kreditzusage ist mittlerweile an Kriterien wie Klimaschutz gekoppelt“, sagt Friedhofen. Und will damit verdeutlichen: das Grün der Ökologen ist im Grau der Banker angekommen.

Auch für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wird das ehemalige Randthema Klimaschutz zum Kernthema. „Wir begleiten Kunden intensiv im Bereich Umwelt – schlicht, weil sich die Rahmenbedingungen radikal geändert haben“, so Dr. Robert Gutsche, Mitglied des Vorstands von KPMG. Um den Carbon Footprint von Wirtschaftslenkern wie Zivilisten zu verringern, haben sie die Studie „Climate Change is your business“ in Auftrag gegeben. Die Firma selbst leistet ihren zarten Beitrag zur ökologischen Weltrettung, indem sie von Dienstreisen auf Telefonkonferenzen umsteigen und doppelseitig drucken.

Kopenhagen und die Not der Stunde

Podiumsdiskussion von Wirtschaftsvertretern auf der BAUM-Tagung.Die Not der Stunde bringt Gastgeber und B.A.U.M.-Grüner Maximilian Gege auf den Punkt: „Die Themen Klimawandel und Energie werden für Unternehmen zu einer immer größeren Herausforderung und Kostenbelastung“. Doch was ist die Lösung?

Noch aber hapert es am politischen Konsens, der Regierungsvertreter weltweit an einem Strang ziehen lässt und ihren Willen verbindlich bündelt – wozu Kopenhagen eine hübsche Vorlage böte. Der Bedarf besteht darin, Wege aufzuzeigen, wie die Umgestaltung und Erneuerung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Form von Geschäftsmodellen, Gesetzgebung und Konsumverhalten funktionieren kann.  Diese Probleme müssen beantwortet werden, um den Weg zu einem globalen Klimakonsens zu ebnen.

Beispiele aus der Praxis zeigen dabei: betrieblicher Umweltschutz ist möglich. Davon ist etwa der Elektronikkonzern Philips überzeugt: „Ohne eine Klimaschutzstrategie geht es nicht“, so die Position von Andreas Wente. Dabei hat der Vorsitzende der Geschäftsführung die wirtschaftlichen Potenziale beim Klimaschutz im Blick: „Nachhaltigkeit heißt auch: neue Geschäftsfelder und Wachstumsmöglichkeiten generieren“. Philips selbst habe bislang eine 40 Prozent höhere Effizienz erreicht. „Dabei wären heute schon 60 bis 80 Prozent möglich“, so Wente.

Rahmen für neun Milliarden Menschen

Mahnende Worte, die vor einem Scheitern der Verhandlungen ob dessen historischer Bedeutung warnen, kommen auch aus Nairobi. Über Videoeinspielung zugeschaltet hebt Achim Steiner, Direktor des United Nations Environment Programme, den warnenden Zeigefinger: „Wir werden bis 2050 in einer Weltgesellschaft von neun Milliarden Menschen leben, in der Arme und Reiche gleichermaßen ihre Bedürfnisse befriedigen können wollen. In Kopenhagen müssen wir hierzu den verbindlichen Rahmen schaffen.”

Insgesamt fördert die Diskussion zu Tage: Egal welche Branche oder Unternehmensgröße – Unternehmerverantwortung und Umweltschutz sind ein Muss. Es braucht Mut und Innovationskraft für Wettbewerbsfähigkeit, darin besteht Einigkeit. Uneins dagegen sind sich die Experten allenfalls darin, in welcher Kombination die Maßnahmen und Lösungsansätzen einzusetzen sind.

An dieser Stelle kommt B.A.U.M. e.V. ins Spiel. Sein Wissen um umweltbewusste Unternehmensführung bringt der Verein durch ein eigenes Positionspapier in Kopenhagen ein. Unter Mitgliedern und Partnern wurden im Vorfeld Ideen und Vorschläge eingeholt, um sie nach Abschluss der Jahrestagung gebündelt Bundesumweltminister Norbert Röttgen vorzulegen.  „Wir unterstützen Regierungen auf ihrem Weg zu einer verbindlichen Klima- und Umweltschutzstrategie und zu verbindlichen Rahmenbedingungen “, so Gege, der über das letzte Vierteljahrhundert 500 Mitglieder durch zähe Basis- und Überzeugungsarbeit gewonnen hat – und damit B.A.U.M. zum größten deutschen Verein gemacht hat, in dem sich Unternehmen freiwillig zu betrieblichen Umwelt- und Sozialschutzmaßnahmen verpflichten.

Was Kopenhagen angeht, gibt es Hoffnung auf verbindliche Regelungen und auf eine „aggressivere Innovations- und Umsetzungspolitik“, wie Dr. Detlef Schreiber, B.A.U.M.-Repräsentant und Nachhaltigkeitsexperte die Empfehlung vieler Redner und Teilnehmer zusammenfasst. Dass es dazu kommen wird, bezweifeln hier aber selbst die Optimisten.


Die Bildrechte liegen bei Iris Pufe,


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