Hannelore Schmidt alias Loki

23. Jan 2009 | von Wolfgang Mehlhausen | Kategorie: Politisches Buch
Erzähl doch mal von früher
Erzähl doch mal von früher
Erst vor kurzem feierte Helmut Schmidt seinen 90. Geburtstag. Am 3. März 2009 wird seine Frau Hannelore „Loki“ ebenfalls 90 Jahre alt. Über sie gibt es nun ein Buch, in der dieser fantastischen Frau viele Fragen gestellt werden, auf die sie überzeugende Antworten gibt. Von Wolfgang Mehlhausen

Helmut Schmidt, Bundeskanzler von 1974 bis 1982, gehört zu jenen Politikern, die das Land in schwierigen Zeiten geführt haben und deren Rat auch heute noch geschätzt ist. Er schreibt bis heute bei der ZEIT und hat viele Bücher veröffentlicht.

Nicht nur Sozialdemokraten, auch Vertreter anderer politischer Parteien schätzen Schmidt als klugen Politiker. Zu seinen Amtszeiten bezeichneten einige Gegner ihn als „richtigen Mann in der falschen Partei“. Der „schnoddrige“ Schmidt-Schnauze war kein Illusionär, zu dem man Willy Brandt machte, aber durchaus Visionen hatte. Man nannte ihn „Macher“, was für ihn selbst kein Kompliment war. Angesichts der Biographien vieler jüngerer Politiker ist es durchaus erwähnenswert, dass er seit 1942 verheiratet ist, und zwar bis heute mit der gleichen Frau: Hannelore „Loki“ Schmidt, geborene Glaser, die er nun schon 80 Jahre kennt.

Loki Schmidt ist „gelernte Lehrerin“ und auch sie schrieb viele Bücher. Schon zur Kanzlerschaft ihres Mannes beschäftigte sie sich mit Biologie und gründete 1976 eine Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen. Zu ihrem 80. Geburtstag erhielt sie von der Universität Hamburg für ihre Arbeit den Professorentitel.

Viele Fragen an „Loki“

Der Germanist, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftler Reinhold Beckmann, geboren 1956, fragt Loki Schmidt zu vielen Bereichen des Lebens. Wir erfahren von ihr, wie das Leben in der Nazi-Zeit war und wie die Liebe zu Helmut Schmidt ihren Anfang nahm. Es gibt sehr tragische Dinge, so der frühe Tod ihres Sohns und verschiedene Fehlgeburten. Traurig ist Loki auch darüber, dass sie keine Enkel hat, ihre einzige Tochter ist kinderlos und lebt in England.

Hannelore Schmidt im Gespräch mit Reinhold Beckmann
links: Hannelore Schmidt
Manche Dinge verblüffen den Leser, so die Tatsache, dass Helmut Schmidt 1962 „Fluchthilfe“ für befreundete Menschen aus der DDR organisierte. Wie schwer das Leben in den frühen 1950er Jahren war, als die Diäten alles andere als üppig bemessen waren und eine Lehrerin 250 DM im Monat verdiente, beschreibt Frau Schmidt recht emotionslos. Was depressive Stimmungen angeht, so muss sie scheinbar passen, denn Zeit hatte sie dafür nie, wie sie beschreibt.

Interessant ist die Schilderung des Verhältnisses zu anderen Politiker der Ära Schmidt. Sehr kurz fällt der Kommentar zu Willy Brandt aus, mit dem sie nicht viel anfangen konnte, wie sie sagt. Wie schwierig Herbert Wehner war, erfahren wir aus ihrem Munde, doch zu ihm hatte sie einen Draht. Viel Interessantes ist auch über das Verhältnis von Helmut Schmidt zu seinem Wahlkampfgegner von 1980, Franz Josef Strauß, zu erfahren, mit dem sich der Bundeskanzler oft traf, ohne dass die Presse davon erfuhr.

Den Ostberliner Rechtsanwalt und Vertrauten Honeckers Vogel hält sie für einen grundanständigen Menschen, den Schmidt damals sogar demonstrativ im Gefängnis besuchte. Auch zu Rainer Barzel, der gern Schmidts Vorgänger Willy Brandt gestürzt hätte, hatten die Schmidts bis zu seinem Tode ein freundschaftliches Verhältnis. Häme auf den Verrat der FDP oder Schlechtes über Zeitgenossen von Helmut Schmidts Kanzlerschaft sucht der Leser vergebens.

Loki Schmidt – eine bemerkenswerte Frau

Beckmann führt den Leser mit seinen Fragen an die Gesprächspartnerin durch das letzte Jahrhundert und setzt persönliche Akzente. Der Leser erhält einen tiefen Einblick in das Leben und den Charakter der Frau, die selbstbewusst, engagiert und klug ist und dabei eine bemerkenswerte Natürlichkeit behält. Es fällt schwer, das Buch nicht zu „verschlingen“, sondern auch mit erforderlichen Pausen zum Nachdenken zu lesen.

Bei ihren Antworten gibt sie sicher vielen Menschen Denkanstöße für eigene Überlegungen. Das Buch ist schon deshalb lesenswert und wertvoll. Mögen Loki und Helmut Schmidt noch lange leben und es nicht das letzte Buch sein, das von ihnen oder über sie geschrieben wurde.

Loki Schmidt im Gespräch mit Reinhold Beckmann
„Erzähl doch mal von früher“
Hoffmann und Campe. Berlin, 267 Seiten 3. Auflage 2008,
ISBN 978 -3-455– 50094-3



Die Bildrechte ligen beim Verlag Hoffmann und Campe sowie bei Paul Schirnhofer (Foto).


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