Die charmante Novizin

Kohl Is Cool!In einer Portraitreihe stellt /e-politik.de/ die Minister der neuen Regierung vor. Heute: Das Nesthäkchen der Bundesregierung. Von Savas Savidis

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel am 27. November bekannt gab, dass nach dem Rücktritt von Franz Josef Jung seine Kabinettkollegin Ursula von der Leyen ins Arbeitsministerium und Kristina Köhler in das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wechseln wird, fragten sich viele Beobachter: Kristina wer?

Die 32-jährige hessische Bundestagsabgeordnete ist die politische Senkrechtstarterin des Jahres, deren größter Erfolg bislang das bei der Bundestagswahl 2009 gewonnene Direktmandat gegen Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) war – immerhin gegen die damalige amtierende Entwicklungshilfeministerin und langjährige Bundestagsabgeordnete. Doch wer steckt eigentlich hinter dem ersten Personalwechsel der noch jungen schwarz-gelben Regierung?

Politischer Schwerpunkt: Integrationspolitik

Kristina Köhler wurde am 3. August 1977 in Wiesbaden geboren. Schon mit 14 Jahren trat sie der Jungen Union bei, ihr erklärtes Vorbild war Altkanzler Helmut Kohl. Nach ihrem Abitur studierte sie Soziologie, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Mainz. Die Hessin war Mitglied im Bundestag und im Innenausschuss. Dort war sie vor allem für den Bereich der Integrationspolitik zuständig und Berichterstatterin der CDU/CSU-Fraktion für Islam, Integration und Extremismus.

Bei ihrem ersten Auftritt als neue Ministerin äußerte sie sich zu ihrer neuen Herkulesaufgabe und verband dies mit einem Lob über ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen. Es seien große Fußstapfen, in die sie trete und sie wolle die „erfolgreiche Arbeit“ ihrer Vorgängerin fortsetzen. Schließlich sei von der Leyen „eine ganz tolle Familienministerin“ gewesen. Nach Köhlers erster Einschätzung wird der Ausbau der Kinderbetreuung wohl die „größte Herausforderung“ des Amtes sein.

Vorschusslorbeeren von der Kanzlerin trotz Kritik

asdasdOb Köhler trotz geringer Erfahrung dem Amt gewachsen ist, ist schwer zu sagen. Sie selbst sieht eine Nähe zwischen ihrem alten Amt und den neuen Themengebieten – und fühlt sich deswegen für die Aufgaben als Bundesministerin durchaus gewappnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel jedenfalls gab bereits zum Start Vorschlusslorbeeren: „Sie wird als ausgebildete Soziologin eine sehr gute Arbeit leisten“, lobte die CDU-Chefin in einem kurzen Pressestatement.

Kritik an der neuen Ministerin kam aber auch nicht zu kurz: „Mich macht diese Nominierung fassungslos. Familienpolitisch ist sie noch nicht aufgefallen. Hauptsache Gefolgschaft – so funktioniere die CDU“, sagte Tarek al-Wazir, Grünen-Chef aus Hessen. Er kritisiert damit die Nachbesetzung des hessischen Ex-Bundesministers Jung innerhalb der Regierung durch Köhler. Es gehe dabei lediglich um Regionalproporz im Sinne Roland Kochs und eben nicht um die Qualität des jeweiligen Politikers. Selbst wenn al-Wazir mit dieser Vermutung Recht hätte: Köhler hat eine faire Chance verdient und kann diese nun auf Bundesebene nutzen.

Mit Charme an die neuen Aufgaben

Denn ihr bisheriges Fachgebiet ähnelt stark dem Familienressort: Migration und die Eingliederung der Migranten in die deutsche Gesellschaft war ihr bisheriger Schwerpunkt in der Politik. Auch der Umgang mit den Medien liegt der Ministerin. Ausstrahlung und Lächeln wirken sich positiv auf die Journalisten aus. Möglicherweise frischen ihre Eigenschaften und ihr sympathisches Auftreten den politischen Alltag in Berlin etwas auf. Schaden kann das nicht, denn Köhler bringt neuen Schwung mit und außerdem eine ganze Portion Motivation. Aufgrund der vielen Aufgaben im Amt bleibt Kristina Köhler allerdings nicht allzu viel Zeit zum Feiern. Es bleibt abzuwarten, ob in ihr eine kompetente Nachfolgerin für Ursula von der Leyen gefunden wurde.

Hier finden Sie alle Teile der Minister-Serie.


Die Bildrechte liegen bei Cumulus Weigert (Karikatur) bzw. bei Kristina Köhler (Porträt).


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3 Kommentare auf “Die charmante Novizin

  1. sowas geht ernsthaft als protrait durch? ein paar dürre biographische fragmente, die auch von der homepage des bundestages kommen könnten, verrührt mit mutmaßungen zu charakter und auftreten…

    wer frau köhler nun eigentlich ist (außer jung, attraktiv und mutmaßlich charmant) und was sie für ihr neues amt qualifiziert, bleibt doch offen. schade, der text fällt meiner meinung nach deutlich hinter die anderen teile eurer serie zurück.

  2. kann mich dem vorhergehenden post anschließen: sehr dünnes Portrait. Und dann findet sich nicht mal der kleinste Hinweis auf eine der wichtigsten Debatten die Frau Köhler gerade losgetreten hat: Die „Gleichstellung“ von Links- und Rechtsextremismus, die wohl zu massiven Wegbrüchen von Finanzmitteln bei vielen Initiativen gegen Rechts führen wird. Und das bei zunehmenden antisemitschen und rechtsoffenen Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft… Das „Nesthäkchen“ unterschätzt den Rechtsextremismus (Gewalt gegen Menschen) gewaltig und relativiert somit dessen Gefahr wenn sie ihn auf eine Stufe mit Linksextremismus (Gewalt gegen Sachen) stellt. Die Statistiken sprechen für sich! Rechtskonservativ war eben schon immer auf dem „rechten“ Auge blind….

  3. @ sk: inhaltlich finde ich es ja richtig, dass du den extremismus-aspekt ansprichst, allerdings ist der autor dafür nicht verantwortlich zu machen. frau köhler hat in der nachrichtenarmen zeit „zwischen den jahren“ darüber gebrütet. und der text ist schlicht älter.

    aber warum sie sich als familienministerin nun ausgerechnet zum thema extremismus auslassen muss? thomas de maizière ist sicher begeistert über die einmischung in „sein“ gebiet…

    und zur hessen-cdu muss man ja nun wirklich nichts mehr sagen.

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