A New Beginning?

05. Jun 2009 | von Yahya Abu-Yahya | Kategorie: USA
Kairo, 4. Juni 2009
US-Präsident Barack Obama propagierte gestern in seiner lang erwarteten Rede aus Kairo einen Neuanfang in den amerikanisch-islamischen Beziehungen. Er könnte Erfolg damit haben. Allerdings nur, wenn die Ergebnisse seiner Politik die Hoffnungen bestätigen, die seine Worte hervorriefen. Ein Kommentar von Yahya Abu-Yahya

“As-Salama Alaykum” – Friede sei mit euch. Mit diesem islamischen Friedensgruß eröffnete Barack Obama seine im Vorfeld als wichtige Dialogbotschaft an die islamische Welt angekündigte Rede an der Universität von Kairo. Auch sonst ließ er es nicht an positiven Referenzen an die islamische Zivilisation mangeln. Verschiedene Koranzitate sowie die Würdigung des Wissenschaftsgeistes des goldenen islamischen Zeitalters, der die europäische Renaissance erst möglich gemacht habe, zeugen davon.

Er wolle ehrlich sprechen und dazu beitragen, gegenseitige Vorurteile zwischen US-Amerikanern und Muslimen abzubauen. Nur so sei ein Neuanfang unter positiven Vorzeichen möglich. Der Ausdruck “a new beginning” zog sich wie ein roter Faden durch die Rede und Obama scheint es – zumindest rhetorisch – durchaus ernst damit zu meinen.

Lösungen für Irak, Afghanistan, Iran und Israel/Palästina

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Ein bisschen Präsident, ein bisschen Popstar...
Er sprach in seiner knapp einstündigen Rede alle Themen der amerikanischen Außenpolitik an, an denen viele Muslime bisher Anstoß genommen hatten. Er betonte, dass die USA keine dauerhafte militärische Präsenz im Irak und in Afghanistan wünschten und rechtfertigte den Afghanistan-Krieg mit der Gefahr, die Al-Qaida vor allem für die Mehrzahl der Muslime darstelle. Dem Iran sprach er das Recht zur zivilen Nutzung von Atomenergie zu, begründete aber gleichzeitig seine Gegnerschaft zur Entwicklung von iranischen Atomwaffen mit seiner Überzeugung, dass kein Land Atombomben besitzen sollte. Er selbst würde Schritte zur nuklearen Abrüstung in Gang setzen.

All dies geschah in einer respektvollen und nicht anklagenden Vortragsweise, im Gegensatz zu seinem Vorgänger und vielen westlichen Politikern, die auf die Nahostpolitik zu sprechen kommen. Auch auf das in vielen Augen entscheidende Thema, nämlich den palästinensisch-israelischen Konflikt, kam der neue Präsident zu sprechen. Er machte sich unmissverständlich für die Zwei-Staaten-Lösung stark und forderte hierbei von allen Beteiligten spürbare Zugeständnisse.

...eine Rede vor den Augen einer kritischen Jury.
Hier fiel jedoch der einzige Punkt der Rede auf, der großen Teilen des muslimischen und arabischen Publikums bitter aufgestoßen sein wird. Er forderte die Palästinenser dazu auf, in ihrem legitimen Streben nach einem eigenen Staat vollständig auf Gewalt zu verzichten, erwähnte aber den Gaza-Krieg vom Januar dieses Jahres mit keinem Wort. Hier können sich die Extremisten wieder bestätigt fühlen, wenn sie aufgrund von “amerikanischen Doppelstandards” die Massen gegen die USA aufhetzen.

Taten sind gefragt

Am Ende wird es darauf aber nicht ankommen, was Obama im Juni 2009 in Kairo gesagt hat, sondern wie die politische Situation im Nahen Osten am Ende seiner Präsidentschaft –  2012 oder 2016 – aussieht. Entweder es bleibt nach dem diplomatischen Geplänkel alles beim Alten oder er schafft es tatsächlich, seine Truppen aus einem selbstregierungsfähigen Irak abzuziehen und einen dauerhaften und gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln.

Erst dann wird es auch weniger Probleme mit Al-Qaida auf der Welt geben, denn der Nachwuchs solcher Terrororganisationen speist sich nicht nur aus dem Gefühl der Jugend, vom Westen unfair behandelt zu werden. Antiamerikanismus gab es auch schon vor George W. Bush. Die Gründe dafür sind immer noch die von US-Regierungen über Jahrzehnte geschaffenen harten Fakten in der Region.


Die Bildrechte liegen bei “The Official White House Photostream’s photostream” (flickr) und sind lizensiert unter United States Government Work.


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Ein Kommentar
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  1. Interessanterweise hat Obama in seiner Rede relativ wenig darüber gesagt, wie und ob er im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln will. Selbstverständlich wird er sich auf die ein oder andere Weise einmischen, doch entgeht er vllt dem Fehler den Clinton und Bush Jr. gemacht haben, und kündigt erst einmal keine großen Lösungen an, sondern lässt die beiden Parteien erstmal von alleine Zustimmungen machen und gibt eher institutionelle Unterstützung im Hintergrund. Auf diese Weise könnte er im richtigen Moment einschreiten und eine Lösung forcieren, ohne schon vorher sein Pulver verschossen zu haben, indem er monatelang mit beiden Seiten mit dem Ergebnis verhandelt hat, dass es Verhandlungen geben soll, so wie das Vorgängerregierungen oftmals getan haben…

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